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Jeder 5. Angestellte klagt über schlechte Fehlerkultur

Scheitern als Tabuthema: Fehlerkultur deutscher Unternehmen schlecht ausgeprägt. (Foto: Shutterstock-Cookie Studio)

Wie offen gehen Führungskräfte und Mitarbeiter mit Fehlern um? Einer Umfrage zufolge bleiben Irrtümer oft unausgesprochen. Das hat Gründe.

Wie in einer Firma mit Fehlern umgegangen wird, ist wichtig für den Unternehmenserfolg. Man muss sich Fehltritte eingestehen, um schnellstmöglich einen Kurswechsel vorzunehmen und Schäden so gering wie möglich zu halten. Es zeichnet gute Teams aus, dass sie verantwortungsvoll agieren und über Fehler offen reden. Einer Umfrage von Ernst & Young (EY) zufolge ist eine konstruktive Fehlerkultur hierzulande jedoch eher schlecht ausgebildet. Zwar sehen 66 Prozent der Führungskräfte bei ihrem Arbeitgeber eine offene Diskussionskultur zwischen Mitarbeitern und Vorgesetzten, andersherum stimmen jedoch nur 42 Prozent der Mitarbeiter zu. In Deutschland herrscht offenbar ein Kommunikationsproblem.

Mangelhafte Fehlerkultur hemmt Innovationsfähigkeit des Unternehmens

Jeder fünfte Angestellte beklagt schlechte Fehlerkultur im Unternehmen. (Foto: Shutterstock-Cookie Studio)

Dass Fehler im Unternehmen nicht angesprochen werden, haben immerhin 18 Prozent der befragten Angestellten angegeben. Bei den Führungskräften haben sieben Prozent entsprechend geantwortet. Hauptgrund für das Vertuschen von Fehlern sei nach Einschätzung der Befragten vor allem die Sorge, dass die eigene Karriere sich nachteilig entwickeln könnte. Auch die Angst, den Job ganz zu verlieren, gehöre zu den Hauptgründen. Auch interessant: Die Mehrheit der Angestellten (57 Prozent) denkt, dass Fehler nicht eingestanden werden, weil sie fürchten, als Überbringer schlechter Nachrichten zum Bauernopfer zu werden. Die Mehrheit der Führungskräfte (54 Prozent) hat hingegen Angst vor einem Gesichtsverlust.

Für die Studie haben die Unternehmensberater im Juli und August insgesamt 800 Angestellte und 218 Führungskräfte verschiedener Branchen auf Basis eines Fragebogens interviewt. Dazu zählen die Maschinenbau-, Logistik-, Auto- sowie Banken- und Versicherungsbranche. Die EY-Berater mahnen, dass der konstruktive Umgang mit Fehlern besonders wichtig sei: „Während unter den Mitgliedern eines Teams Fehler durchaus thematisiert werden, gibt es nach oben und unten deutliche Tabus und Kommunikationsbarrieren“, stellt EY-Partner Nelson Taapken fest. „Dies gefährdet die Innovationsfähigkeit der Unternehmen, da die Mitarbeiter in einem solchen Umfeld kein Risiko wagen.“

Einig sind sich Führungskräfte (85 Prozent) und Mitarbeiter (80 Prozent) übrigens darin, dass die Gefahr, Fehler zu machen, mit der Digitalisierung zumindest teilweise steigt. Das geht vor allem auch mit fehlender Kompetenz einher, die zunächst im Unternehmen erarbeitet werden muss. Die digitale Transformation der Unternehmenswelt stellt jedoch nicht wenige alteingesessene Mitarbeiter vor Herausforderungen, die sie überfordern. Es braucht Pioniergeist, um etablierte Dinge in Frage zu stellen und neu zu denken. Der kann jedoch nur in einem Umfeld entstehen, das ein mögliches Scheitern von Projekte nicht als Ende, sondern als Teil des Prozesses versteht.

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2 Kommentare
Sebos
Sebos

Ich habe in drei mittleren / größeren Unternehmen > 300 MA gearbeitet. In KEINEM gab es sowas wie eine Fehlerkultur. Stattdessen werden noch fünf Jahre alte e-mails aus Selbstschutz archiviert, denn wenn mal wieder irgendwas schief läuft, geht die Frage nach dem „wer ist schuld?“ los. Na danke, da hat Deutschland richtig Nachholbedarf …

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Titus von Unhold
Titus von Unhold

Wer mal im Bereich Compliance gearbeitet weiß dass die Gesetzeslage Haftung in keinem Land der Welt umfangreicher ist als in Deutschland. Dazu kommt die Rechtsprechung des BGH, dass Managementsysteme und eine entsprechende Dokumentation zu Straffreiheit führen können. Wer garantiert gegen eine Gesetz verstoßen will gründet in Deutschland, wer dafür möglichst niedrige Strafen will auch.

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