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Analyse

Jeff Bezos lässt den Amazon-Marktplatz jetzt von der Leine

Erstmals liegt der Händleranteil an den verkauften Produkten über 50 Prozent – bisher eine magische Grenze. Bezos hat den Marktplatz von der Leine gelassen. (Foto: dpa picture alliance)

Erstmals seit der Gründung verkaufen Händler bei Amazon mehr als Amazon selbst, schreibt Jeff Bezos. Das könnte ein Zeichen für eine neue Wachstumsphase sein.

Jeff Bezos erklärt, dass erstmals in der Geschichte von Amazon Händler mehr als die Hälfte der Produkte bei Amazon verkauft haben. Das ist bemerkenswert, denn bisher gehen viele Insider davon aus, dass Amazon den Händleranteil gezielt unter der magischen Grenze von 50 Prozent hält. Vieles spricht dafür, dass es sich nicht um einen Zufall handelt – sondern um Strategie.

Jeff Bezos: Händler verkaufen die meisten Produkte bei Amazon

In seinem alljährlichen Brief an die Anleger hat Bezos auch ein paar Sätze geschrieben, die sich auf den Marktplatz und die Händler auf dem Marktplatz beziehen: „2017, das erste Mal in unserer Geschichte, stammten mehr als die Hälfte der verkauften Produkte von unseren Händlern, inklusive der kleinen bis mittleren Unternehmen.“

Amazon-Chef Jeff Bezos veröffentlicht jedes Jahr einen Brief mit Management-Tipps und Einblicke in Amazon. (Foto: Jeff Bezos/Twitter)

Die Hälfte der Produkte ist nicht gleichzusetzen mit der Hälfte des Umsatzes – aber auch zum Umsatz hat Bezos etwas zu verkünden: Etwa 140.000 Händler sollen weltweit einen Umsatz von 100.000 US-Dollar im Jahr überschritten haben. Wie viele Unternehmen dabei die Millionenschwelle überschritten haben, ist unbekannt. Hochgerechnet stehen damit allein diese Händler schon für mindestens 14 Milliarden Umsatz bei Amazon. Diese Hochrechnung ist aber extrem vorsichtig, denn einige dieser Unternehmen werden wesentlich mehr Umsatz machen – um wieviel die 100.000 US-Dollar-Umsatzgrenze überschritten wird, bleibt ja offen.

Anker ist eines der wenigen Unternehmen auf Amazon, das einen Umsatz von einer Milliarde überschritten haben soll – allerdings nicht ausschließlich mit Umsätzen bei Amazon. Anker verkauft mittlerweile auch bei Ebay. (Screenshot: Amazon.com Montage: t3n.de)

Die Branche kennt aber Marktplatz-Unternehmen wie Anker, KW Commerce oder Chal-Tec, die längst dreistellige Millionenumsätze machen – im Falle von Anker Technologies ist davon auszugehen, dass schon die Umsatzmilliarde überschritten wurde. Diese Händler handeln zwar mittlerweile auch auf anderen Marktplätzen, erwirtschaften aber immer noch maßgebliche Anteile ihres Umsatzes bei Amazon.

Eine neue Wachstumsphase

Dass sich das Marktplatzgeschäft deutlich zum Wachstumstreiber entwickelt und wesentliche Beiträge zum Unternehmensergebnis beiträgt, ist schon in den vergangenen zwei Jahren deutlich zu sehen gewesen. Die Wachstumsrate der Erlöse aus den Seller-Services ist nach t3n-Hochrechnungen größer als die AWS-Wachstumsrate und spielt hochgerechnet rund 26 Milliarden US-Dollar Umsatz in die Kassen von Amazon.

Unseren Hochrechnungen zum Jahr 2016 zufolge hat schon damals der Händler-Anteil am Umsatz den Anteil von Amazon überschritten.

„Bei Amazon gibt's keine Zufälle.“

Amazon sieht diese Entwicklung ebenfalls und scheint sich entschieden zu haben, den Marktplatz für die nächste Wachstumsphase „von der Leine zu lassen“. Denn bisher war es ein offenes Geheimnis, dass Amazon den Anteil des Marktplatzhandels künstlich auf einem bestimmten Niveau hält. Zu auffällig ist die stetige Wiederholung eines Anteils knapp unter 50 Prozent der verkauften Produkte, der mehrere Jahre lang nicht überschritten wurde.

Jetzt verkündet Jeff Bezos, dass erstmals in der Geschichte Amazons Händler mehr als 50 Prozent verkaufen. Nur ein Zufall oder einfach ein erreichter Meilenstein? Ein Zufall ist möglich, aber unwahrscheinlich. Eher wurde hier eine magische Grenze überschritten, denn bei Amazon gibt's keine Zufälle.

Amazons Biosphäre „The Spheres“ in Seattle. Ein Teil des Headquarters in der Innenstadt. (Foto: Jochen G. Fuchs)

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