Du hast deinen AdBlocker an?

Es wäre ein Traum, wenn du ihn für t3n.de deaktivierst. Wir zeigen dir gerne, wie das geht. Und natürlich erklären wir dir auch, warum uns das so wichtig ist. Digitales High-five, deine t3n-Redaktion

News

Performance-Marketing ist tot: Wieso die deutsche Internetökonomie umdenken muss

Philipp Westermeyer, Founder & CEO der Online Marketing Rockstars, über den „State of the German Internet“. (Foto: Jochen G. Fuchs)

Philipp Westermeyer stellt auf der K5 in Berlin den aktuellen Stand der deutschen Internetökonomie vor. Und fordert ein Umdenken im Umgang mit Produkt, Marketing und Vertrieb.

Wo steht das deutsche Internet? Die erste Keynote der K5 in Berlin drehte sich um den „State of the German Internet“, ein Überblick mit einem niederschmetternden Ergebnis. Denn wir hinken deutlich hinterher, in Deutschland dominieren US-Unternehmen. Dabei haben wir viele „Hidden Champions“, gerade im Sektor der nicht-börsennotierten, privaten Unternehmen. Westermeyer wirft implizit die Frage auf „Wie schaffen es deutsche Unternehmen, diese Dominanz zu brechen?“ und beantwortet sie zugleich: Mit einer Abkehr vom klassischen Performance-Marketing.

Das deutsche Internet ist kein deutsches Internet

Die erste Erkenntnis, die Westermeyer den K5-Besuchern mitgibt, ist die Tatsache, dass die Top-Apps auf den deutschen Homescreens von US-amerikanischen Apps dominiert werden. Dies gilt laut Westermeyer als erster Indikator für eine negative Entwicklungstendenz am deutschen Online-Markt.

Die meistgenutzten Apps in den USA, Deutschland und China.(Screenshot: OMR)

In Deutschland sind 88 Prozent der genutzten Apps US-amerikanisch, n den USA sind es 100 Prozent.

Der deutsche Markt ist aktuell größtenteils in US-Händen. (Screenshot: OMR)

Apps sind ein wichtiger Teil der Ökonomie, aber nicht der einzige. Deshalb folgt ein weiterer Versuch, den deutschen Markt zu erfassen.

Der „German Internet Index“ der Online Marketing Rockstars

Westermeyer beschreibt weiter einen Versuch, einen Internet-Index der wichtigsten deutschen Internet-Unternehmen zu erstellen, und präsentiert die Gegenüberstellung dieser Unternehmen und ihrer Entwicklung im Vergleich mit dem Dax. Verblüffenderweise entwickelt sich der traditionelle deutsche Aktienmarkt besser als die Onlinebranche.

Die Unternehmen, die den GIX bilden, entwickeln sich sogar schlechter als der Dax. (Screenshot: OMR)
Die Unternehmen, die den German-Internet-Index bilden. (Screenshot: OMR)

Westermeyer vergleicht die Marktkapitalisierung dieser Unternehmen, die sich auf über 48 Milliarden Euro beläuft, mit der Marktkapitalisierung der maßgeblichen US-Unternehmen von über 196 Billionen: der sogenannten Gafa-Ökonomie, bestehend aus Google, Apple, Facebook und Amazon. Dieser  Vergleich ist nicht fair, betont Westermeyer auch. Denn in Deutschland haben wir jede Menge Hidden Champions, die in privaten Händen sind. Aber wir leben nun einmal im Zeitalter der Plattform-Ökonomie.

Wo Deutschland aktuell richtig gut ist: Performance-Marketing

Als Beispiel dafür führt Westermeyer den Airbnb-Klon Wimdu und Airbnb an. Wimdu hatte den großen Bruder in den USA beim Thema Sichtbarkeit komplett gegen die Wand gespielt. Das Problem: Es hat nichts geholfen. Wimdu kennt niemand.

(Screenshot: OMR)

Die Botschaft: Performance-Marketing alleine bringt nichts mehr. In der Plattform-Welt ist es nicht mehr ausschlaggebend.

Der „Marketing-Killer“ von Heute: Das Produkt ist überall integriert

Als Beispiel für eine Integration nennt Westermeyer Amazon und Amazon Prime. In jedem Teil der Firma ist Marketing spürbar, jedes Produkt ist Marketing: Wie beispielsweise Alexa. Laut Westermeyer ist dies die endgültige Form der Kundenbindung. Näher kommt niemand an den Kunden heran – hier sind Produkt und Marketing verschmolzen.

(Screenshot: OMR)

Oder Tesla: Der Vertrieb ist beim US-Unternehmen Teil des Marketings. Die Tesla-Stores befinden sich in Hamburg im Hanse-Viertel, direkt neben Gucci. Da stehen dann Autos neben Gucci-Handtaschen, statt verstaubt im Industrieviertel wie beim BMW-Händler.

(Screenshot: OMR)

Ein weiteres Beispiele ist Casper, das Matratzen-Startup, das Vertrieb und Marketing in einem abhandelt. Unternehmen wie diese tun alles dafür, damit der Kunde mit dem Produkt in Berührung kommt: 100 Tage Probeliegen beispielsweise bei Casper.

Für die Besucher der K5, die sich während des Vortrags dachten „Ich bin weder Elon Musk noch ein extrem kapitalisiertes US-Unternehmen“ wartet Westermeyer mit einem deutschen Mittelstands-Beispiel auf: Der  Thermomix, ein extrem erklärungsbedürftiges, teures Produkt. Mit Performance-Marketing in den Markt gedrückt, würde ein Thermomix sich nicht verkaufen.

„Wie treffe ich die Leute mitten ins Herz, mit meinem Produkt?“

Stattdessen verkauft sich ein Thermomix über „Tupper-Partys“ mit geschulten, begeisterten Verkäuferinnen, die Marketing und Vertrieb perfekt kombinieren. Westermeyer prognostiziert anhand dieses Beispiels eine Renaissance der „Old-School-Vertriebsmethoden“.

Thermomix ist bereits so weit, dass andere die Kommunikation, das Marketing, freiwillig übernehmen: In Deutschland gibt es über sieben Thermomix-Magazine mit einer Gesamtauflage von über einer Million – alle ohne Beteiligung von Vorwerk, dem Thermomix-Hersteller. Eines der erfolgreichsten Magazine von Gruner und Jahr der letzten Zeit ist das „Thermomix-Magazin von Essen & Trinken“

Ultimativ ist das die Konsequenz eines richtig guten Produkts. Die Botschaft des Jahres lautet also: „Wie treffe ich die Leute mitten ins Herz, mit meinem Produkt?“. Dass Thermomix das geschafft hat, zeigt das untenstehende Video.

Wir haben schon großartige Produkte in Deutschland, wie anhand des Beispiels von Elon Musks „Boring Company“ zu sehen ist: Die Bohrmaschinen liefert hier ein deutscher Mittelständler namens Herrenknecht. Wir müssen jetzt nur noch lernen, diese Produkte in die neue Welt zu übersetzen.

Bitte beachte unsere Community-Richtlinien

5 Reaktionen
David Wolf

Ganz genau das ist es!
Kaufe ich mir einen Tesla, dann will ich nicht einfach nur das Auto. Ich möchte den Namen, das Logo, das coole und wegweisende Image. Im Leben würde ich nicht sagen "Ich fahre mit dem Auto", sondern "Ich nehm den Tesla".

Google ist da nicht anders. Ich liebe die Dienste von Google, weil sie cool sind, weil sie funktionieren, weil sie einfach sind und weil der Name toll ist.
Ja es gibt auch Email von der Telekom oder Web.de, aber diese Dienste sind nicht hübsch anzusehen, überfrachtet, kompliziert und niemand will sich mit der Marke identifizieren.

Usability.
Macht euch Gedanken darüber, wie ihr euer Produkt unkompliziert und zugänglich gestaltet. Verbindet mit eurem Produkt ein Lebensgefühl, dann läuft es von allein.

Antworten
Daniel

Für mich Unsinn China als Vergleich zu nehmen. Der chinesische 'walled garden' lässt sich mit keiner anderen digitalen Industrie der Welt vergleichen. Ich glaube nicht, dass in Frankreich oder UK viel mehr Apps aus dem eigenen Land benutzt werden.

Antworten
Tina Cogin

Na ja. Wie so oft wird mit Halbwahrheiten und Unwahrheiten hantiert, um eine bestimmte Wirkung bzw. einen "Trend" zu "belegen". 88% der Deutschen Immobilien in US-amerikanischer Hand? Eher nicht. Wird aber im Artikel bzw. im Vortrag per Chart behauptet. - Keine Frage, das Marktumfeld ändert sich, aber das ist so seit es Handel gibt. Überleben werden die, die den Prozess steuern, und die, die sich am besten anpassen. Darwinismus. Es gibt nur einen Haken: nur tote Fische schwimmen immer nur mit der Strömung...

Antworten
Jochen G. Fuchs

Hallo Tina!

Da hast du etwas völlig missverstanden. Es geht überhaupt nicht um Immobilien, sondern um Apps und das mobile Internet.

Und das wird auch weder im Artikel noch im Vortrag behauptet.

Die Beschriftung des Charts ist eine humoristische Anspielung, Apps belegen Platz auf dem Handy. Platz=Immobilien.

Viele Grüße aus der Redaktion
Jochen

Antworten
Markus

Die gleiche Präsentation hat er übrigens schon auf der OMR17 im März gehalten und man kann sie sich hier ansehen: https://www.youtube.com/watch?v=5avn2v6nvTI

Antworten

Melde dich mit deinem t3n-Account an oder fülle die unteren Felder aus.

Abbrechen

Finde einen Job, den du liebst