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Kampf gegen Fake News: Youtube übersieht staatliche Kanäle

(Foto: Voyata/Shutterstock)

Ende August 2019 startete Youtube mit der Kennzeichnung von Videos, die von staatlichen Stellen kommen oder staatlich finanziert sind. Dabei scheint es die Video-Plattform indes an Stringenz fehlen zu lassen.

Um zu verhindern, dass Staaten ihre Informationsmacht im Internet zu Desinformationszwecken missbrauchen, hatte Youtube vor etwa mehr als zwei Monaten eine Kennzeichnung eingeführt. Gekennzeichnet werden sollten Videos von Kanälen, die staatlich betrieben oder finanziert sind.

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Kennzeichnung staatlicher Inhalte generell begrüßenswert

In Deutschland traf es entsprechend den öffentlich-rechtlichen Rundfunk, der zwar redaktionell frei arbeitet, aber eben mit staatlichen Mitteln gefördert wird. In anderen Ländern betreibt der Staat direkt Informationskanäle auf Youtube, lässt sie dabei aber nicht so aussehen.

Auch die Videos des ZDF und der ARD kennzeichnet Youtube jetzt. (Screenshot: t3n)

Wenn dann die Nichterkennbarkeit der Herkunft mit fragwürdigen Inhalten gekreuzt wird, ist es schwierig für Konsumenten, die Kredibilität des Senders zu beurteilen. Dabei haben in diesen Zeiten eigentlich alle politischen Sender irgendeine Art von eigener Agenda. Darüber sollte Transparenz herrschen.

Insofern wurde die Initiative der größten Videoplattform der Welt durchaus mit Wohlwollen zur Kenntnis genommen. Wir hatten hier bei t3n ebenfalls berichtet und den Nutzen für viele Staaten unmittelbar erkennen können. Was den deutschen Rundfunk betrifft, wäre eine Kennzeichnung wegen des Verdachts von Desinformationskampagnen wohl entbehrlich.

Schauen wir indes auf staatliche Propaganda-Sender wie RT und andere, ist eine Kennzeichnung auch in Deutschland gut und richtig, vor allem in den durchaus gegebenen Fällen, in denen etwa RT selber nicht als RT auftritt, sondern sich noch einen anderen Namen verpasst.

Kritisch: Youtube übersieht staatliche Kanäle

Was aber, wenn eine Plattform so vorgeht wie Youtube, unbedingt gewährleistet sein muss, ist die Lückenlosigkeit. Werden nämlich nicht alle Inhalte gleichermaßen gekennzeichnet, führt die Annahme, man schaue soeben einen nicht beeinflussten Sender, leicht in die Irre.

Und wer nun glaubt, dass es sich dabei um eine theoretische Befürchtung handelt, irrt. Wie die Nonprofit-Redaktion Propublica herausfand, gibt es durchaus Kanäle, die obwohl sie staatlich kontrolliert oder unterstützt sind, nicht entsprechend gekennzeichnet waren.

Propublica fand im Rahmen ihrer Recherchen 57 Kanäle aus den USA, dem Iran, Russland, China, Katar, der Türkei und einigen anderen Ländern, die keine Kennzeichnung trugen. Darunter fand sich etwa „60 Minutes“, eine Sendung mit klarem Bezug zum russischen Sender RT. Die Verbindung wird indes nicht kommuniziert. Vielmehr ist das Format wie eine klassische Nachrichtensendung produziert und gibt vor, Fakten zu vermitteln.

Youtube verweigert Transparenz

Propublica trat nun also an Youtube heran und meldete dem Unternehmen die 57 gefundenen Kanäle. Daraufhin fügte die Plattform 35 der gemeldetetn Kanäle die entsprechenden Hinweise hinzu. 22 der als staatlich identifizierten Kanäle markierte Youtube indes nicht. Darauf angesprochen, erklärte Youtube vage, dass es eine Richtlinie gebe, die identifiziere, wann ein Kanal ein „News Publisher“, also ein Nachrichtensender, sei. Die 22 nicht gekennzeichneten Kanäle scheinen entsprechend dieser Richtlinie nach zu urteilen, keine Nachrichtensender zu sein.

Propublica schaute noch einmal genauer hin und fand heraus, dass es sich bei den nicht gekennzeichneten Kanälen tatsächlich um Unterhaltungsprogramme oder um Sportnachrichtensender handelte. Ebenso fanden sich eine Handvoll russischer Talkshows und Kulturprogramme. Das allerdings beruhigte die Journalisten nicht. Immerhin ist tendenziöse Berichterstattung und Manipulation nicht auf das reine Berichten von vermeintlichen Tatsachen reduziert.

So baten sie Youtube darum, klarzustellen, was genau ein „News Publisher“ nach interner Richtlinie sei und wer darüber nach welchen Kriterien entscheide. Youtube blieb die Antwort schuldig.

Fazit:

Was bleibt für den Nutzer? Konsumenten von Inhalten aus sozialen Netzwerken wie Youtube und anderen brauchen ein gehöriges Maß an Medienkompetenz, um wenigstens die gröbsten Fehlinformationen erkennen zu können.

Die Netzwerke selber sind offenbar schon mit der Identifizierung problematischer Inhaltsquellen überfordert und sollten das in einem rechtsstaatlichen System ohnehin nicht machen müssen. Brauchen wir also doch klare gesetzliche Regelungen mit behördlicher Kontrolle?

Passend dazu: Youtube will Propaganda erschweren, indem es Videos, die staatlich mitfinanziert sind, kennzeichnet

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Dein t3n-Team

4 Kommentare
Volker
Volker

„Was den deutschen Rundfunk betrifft, wäre eine Kennzeichnung wegen des Verdachts von Desinformationskampagnen wohl entbehrlich.“

Ist das euer Ernst? Na das nenne ich mal eine konsequente Umsetzung des Transparenzgebots. Alle potentiell böse und kennzeichnungspflichtig, außer Angebote in Verbindung mit dem deutschen Rundfunk. Die haben noch nie irgendwas falsch berichtet. Und sind sowieso über alle Zweifel erhaben. Weltweit.

t3n kann zukünftig sicher auf mein Abo verzichten, ich habe keine Lust derart unqualifizierten digitalpolitischen Unfug zu finanzieren.

Antworten
Dieter Petereit

Immer dieses Rauspicken einzelner Aussagen. Der Kontext ist dabei aber schon wichtig.

Antworten
Klaus M.
Klaus M.

Als regelmäßiger t3n Leser muss ich jetzt mal auch mein Kommentar dazugeben und leider muss ich mich hierfür jetzt registrieren.

Herr Petereit reiht sich der Framing Propagandisten ein.
Alle anderen sind böse, außer unsere Sender.

„Tagesschau hat nie gelogen und stets nur Wahrheit verbreitet“.
Seltsam, wie oft sie sich spät Nachts für falsche Berichterstattung sogar in Bezug auf Russland und Ukraine entschuldigt hatten. Hat natürlich niemand mitbekommen.

Als objektiver Mensch sehe ich eine klare Tendenz in ÖR Programmen: Gegen die „Klassenfeinde“, also die „Schurkenstaaten“ und immer für unsere Regierung.

Das ist die gleiche Propaganda wie es die anderen Länder u.a. denen wir das auch vorwerfen verbreiten.

Echt traurig, dass t3n sich der Hetze mit anschließt und der Autor krampfhaft seine Weltsicht hier (in den Kommentaren) verteidigt.

Antworten
Dieter Petereit

„Krampfhaft“ seine „Weltsicht“ verteidigt. Geht es drei Nummern kleiner? Wenn hier einer Framing betreibt, dann du.

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