Porträt

Im Kampf gegen Obi, Amazon und Co.: Manomano will das Heimwerken neu erfinden

Gar nicht bieder und nicht nur für Profis: Manomano richtet sich erkennbar nicht (nur) an die angestammte Baumarkt-Klientel. (Foto: Manomano)

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Die Heimwerker Plattform Manomano profitiert vom coronabedingten DIY-Hype und konkurriert mit den Großen der Baumarkt-Branche um die Spitze im Onlinehandel.

Vom Nagel bis zum Swimmingpool – das ist das Versprechen, das die Online-Plattform Manomano seinen Kunden gibt. Das in Frankreich gegründete Unternehmen investiert derzeit extrem in den deutschen Markt und hat es sich zum Ziel gesetzt, das Heimwerken zu revolutionieren. Damit greift Manomano nicht nur Baumarkt-Platzhirsche wie Obi und Toom an, sondern steht auch in direkter Konkurrenz zu Amazon – und scheint damit Erfolg zu haben.

Coronakrise verleiht DIY-Trend neuen Schwung

Nachdem die Freude am Heimwerken und Basteln lange als verpönt galt, erfreute sich zuletzt alles vom Stricken übers Schnitzen bis hin zum Bauen eines Hochbeets aus alten Euro-Paletten wieder größter Beliebtheit – und das unabhängig von der Coronakrise. Im digitalen Alltag suchen viele in individuellen DIY-Projekten einen analogen Ausgleich. Das hat auch Obi erkannt und versuchte deshalb mit seinem DIY-Angebot Create, den Bedürfnissen der Kunden entgegenzukommen. Günstig ist das allerdings nicht: Eine einfache Kleiderstange aus Stahlrohren kann da schnell mal 180 Euro kosten.

Durch die Ausbreitung des Coronavirus und den damit verbundenen Geschäftsschließungen und Ausgangsbeschränkungen hat die Thematik eine völlig neue Relevanz erfahren. Während Gartenarbeit und Frühjahrsputz normalerweise zu den unbeliebtesten Aufgaben im Haushalt gehören, sind aber gerade diese Pflichten für viele zu geschätzten Freizeitbeschäftigungen geworden. Dies belegt eine aktuelle Umfrage von Manomano, die in Kooperation mit dem Hamburger Marktforschungsunternehmen Appinio durchgeführt wurde. Vier von zehn der Befragten gaben hier an, die Zeit während des Lockdowns dafür genutzt zu haben, den Garten auf Vordermann zu bringen – 34 Prozent tun das sogar gemeinsam mit ihren Kindern. Über die Hälfte sagte außerdem, sich die Freizeit aktuell mit einem DIY- oder Heimwerker-Projekt zu vertreiben. Das Internet steht dabei unangefochten auf Platz eins als Quelle der Inspiration. Um dem gerecht zu werden, liefert Manomano seinen Kunden neben den notwendigen Produkten auch wertvolle Tipps und Tricks – wie zum Beispiel die Anleitung für ein Puppenhaus in Lebensgröße. Der Onlinehändler für alles rund um Haus und Garten verfolgt dabei die Philosophie, dass in jedem ein Heimwerker-Talent schlummert, und will in diesem Zuge den Baumarkt aus der Nische holen, die höchstens gelangweilte Familienväter beim Samstagseinkauf begeistert.

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Die Deutschen legen gerne selbst Hand an

Die Angst, dass zu Hause etwas kaputt gehen könnte, ist derzeit groß. Schließlich ist es auch ohne Corona-Pandemie nicht gerade leicht, kurzfristig einen kostengünstigen Handwerker zu bekommen. Der Umfrage von Manomano zufolge wäre ein Wasserrohrbruch momentan für 37 Prozent der Befragten das schlimmste Szenario – gefolgt von einer defekten Toilette mit 17 Prozent Prozent auf Platz zwei. Um den Kontakt zu anderen Menschen auf ein Minimum zu reduzieren, würde ein knappes Drittel der Umfrageteilnehmer lieber abwarten, bevor sie einen Handwerker engagieren. 44 Prozent nehmen die Sache lieber selbst in die Hand – Frauen genauso wie Männer.

Was das Thema Heimwerken betrifft, begehen sowohl Baumarkt-Ketten als auch Amazon einen fatalen Fehler: Sie holen die potenziellen Kunden einfach nicht dort ab, wo ihre Bedürfnisse liegen – und verspielen damit enormes Potenzial. Während für Obi und Co. der Onlineshop eher als obligatorisches Beiwerk neben dem Kerngeschäft im Markt vor Ort gilt, bietet Amazon Heimwerker-Neulingen kaum Anhaltspunkte, um die richtigen Produkte für ihr Vorhaben zu finden. Darüber hinaus ist das angebotene Sortiment häufig sehr teuer oder qualitativ mangelhaft. Mit seiner Online-Plattform hat Manomano deshalb einen Mittelweg eingeschlagen und bietet neben Inspirationen und hochwertigen Baumarkt-Artikeln von kleinen Händlern auch eine fachkundige Beratung an, damit das DIY-Projekt in jedem Fall gelingt. Großer Vorteil im Vergleich zur Baumarkt-Konkurrenz ist das unternehmenseigene Logistiksystem, das 2020 auch in Deutschland eingeführt werden soll.

Auge in Auge mit den großen Playern

„Im März konnten wir ein Gesamtwachstum von 234 Prozent und im April von 345 Prozent verbuchen“, berichtet Philippe de Chanville, Mitgründer von Manomano, im Zusammenhang mit der neuen TV-Kampagne, die noch bis zum Ende des Jahres auf großen Sendern wie Prosieben, Sat 1 und Vox läuft. „Wir möchten uns in Europa als der Nummer eins Online-Experte für Heimwerken, Haus und Garten etablieren. Deutschland ist dabei für uns ein Schlüsselmarkt, den wir 2020 weiter mit aller Power angreifen werden.“ Zumindest finanziell dürfte Manomano da keine großen Hürden überwinden müssen. Aktuellen Meldungen zufolge hat die Online-Plattform kürzlich eine weitere Finanzierungsrunde von 125 Millionen Euro abgeschlossen. Ob das reicht, um an dem Internetriesen Amazon vorbeizuziehen, wird sich zeigen. Die Richtung, die Manomano mit seinem Konzept eingeschlagen hat, scheint im Auge der Konsumenten zumindest zu stimmen.

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