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Analyse

Kampf der Matratzen-Startups: Kampfpreise und Abmahnungen

Die Zeiten, als der Weg beim Matratzenkauf zwangsläufig zum Fachhändler vor Oirt führte, sind wohl endgültig vorbei. (Bild: VGstockstudio / Shutterstock)

Sie heißen Emma, Muun, Casper oder Bett1. Doch so unübersichtlich der Markt der Matratzen-Startups immer noch ist, so ausgeprägt ist der Wille, den Mitbewerbern on- und offline das Leben schwer zu machen.

Dass Matratzen-Startups mit aggressiver Werbung und dem Underdog-Image arbeiten, ist nicht neu. Doch was aktuell auf dem deutschen Markt passiert, ist selbst für diese Branche ungewöhnlich. Mit günstigen Einstiegspreisen, die durchaus als Kampfpreise gelten können, und gerichtlichen gegenseitigen Abmahnungen bekämpfen Bett1, Emma, Caspar und Co. sich gegenseitig.

So hat Emma, eine Matratzenmarke des Unternehmens Bettzeit, seit dieser Woche eine Einsteigermatratze für unter 300 Euro am Markt, mit der sich das Startup nach eigenen Worten an eine junge urbane Zielguppe richten will, beispielsweise an Studenten, die zum ersten Mal eine eigene Wohnung einrichten und aufs Geld schauen müssen. Immerhin 33 Millionen Euro Umsatz machte das Unternehmen im vergangenen Jahr – und brachte 120.000 Matratzen an den Kunden.

Und für das aktuelle Geschäftsjahr plant Bettzeit-Gründer Dennis Schmoltzi wiederum eine (fast) Verdoppelung des Umsatzes auf 60 Millionen Euro. Bereits im vergangenen Jahr habe man planmäßig den Break Even erreicht. Mit der Preisoffensive reagiert Bettzeit auf ein Angebot des US-Startups Casper, das ein Essential-Modell für 225 Euro angekündigt hatte.

Testsieger bei Matratzen? Es kann nur einen geben.

Für den Pionier der Matratzen-Startups in Deutschland, die Firma Bett1, ist dies kein Grund zur Sorge. Man freue sich über die Konkurrenz, zitiert das Handelsblatt deren Gründer Adam Szypt. Bett1 trat seinerzeit mit viel Medienrummel und einer „Anti-Kartell-Matratze“ an, weil die etablierten Unternehmen den Herausforderer nicht beliefern wollten. Inzwischen ist das Unternehmen mit 700.000 verkauften Martratzen und einem Umsatz von 120 Millionen Euro Marktführer unter den in Deutschland präsenten Startups. Eine Entwicklung, die auch und vor allem der Tatsache geschuldet sein dürfte, dass die Stiftung Warentest der Bodyguard-Matratze ein hervorragendes Zeugnis ausstellte.

Mit derartigen Bestnoten würden offenbar auch andere Matratzen-Startups gerne werben. Doch so aggressiv wie Bett1 gegen die etablierten Hersteller, das „Matratzenkartell“, vorgegangen ist, so engagiert hat das Unternehmen laut Handelsblatt andere Startups abgemahnt, die mit irgendwelchen teilweise dürftig belegten „Testsiegen“ warben.

Das Geschäft bleibt spannend, auch weil im vergangenen Jahr Casper eine Finanzierungsrunde mit mehr als 100 Millionen US-Dollar erfolgreich abschließen konnte, wobei auch Seven Ventures an dem Startup beteiligt ist und Werbezeit und Zugang zu neuen Kunden zur Verfügung stellt. Auch US-Schauspieler Kevin Spacey hat seinerzeit in das inzwischen mit 750 Millionen Dollar bewertete Startup investiert. Wie viel Umsatz Casper macht, dazu gibt es hingegen keine offiziellen Angaben.

Matratzen-Startups kosten etablierte Händler Marktanteile

Angetreten war beispielsweise das deutsche Startup Bett1 seinerzeit als klarer Herausforderer der etablierten Matratzenhersteller. Doch die Herausforderer sind inzwischen so groß geworden, dass sie nicht nur den Etablierten Marktanteile wegnehmen, sondern sie auch schlucken können, wenn diese insolvent sind: So gehört das Traditionsunternehmen Dunlopillo inzwischen zu Bettzeit, das die Gelegenheit nutzte, den bedeutenden Traditionshersteller zu übernehmen, als dieser 2016 Insolvenzantrag stellen musste. Das Portfolio von Dunlopillo wurde in diesem Zusammenhang stark ausgedünnt und überarbeitet. Zusammen mit einem Matratzenversand deckt Bettzeit damit mehrere spannende Marktsegmente ab.

Denn Tradition, das zeigen die Zahlen der Herausforderer, genügt eben einfach nicht mehr in einer Zeit, in der selbst so vermeintlich für einen Internetkauf ungeeignete Waren wie Matratzen im Netz bestellt werden. Und gerade der Matratzenmarkt wird weiterhin keiner sein, auf dem sich irgendein Anbieter, online wie offline, noch ausruhen kann.

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3 Reaktionen
Erik F

Ich hätte als Student 250-400€ zur Verfügung gehabt, auf jeden Fall für eine sehr gute Matratze auf die ich 10 Jahre Garantie habe! Da spart man lieber an anderen Dingen, wie einer Spülmaschine. Für mich ist das eine Investition. Ich finde es gut, wenn ein Unternehmen allen Kunden einen Mehrwert bieten möchte. Das nenne ich fortschrittlich!

Frank Chudoba

"Doch was aktuell auf dem deutschen Markt passiert, ist selbst für diese Branche ungewöhnlich."
NEIN! Dieses hat in der Branche seit Jahren Methode. Doch die Medien möchten sich mit den Fakten leider nicht beschäftigen. Es könnte doch das Weltbild mancher Redakteure erschüttern.

Insomnia

"[...] eine Einsteigermatratze für unter 300 Euro am Markt, mit der sich das Startup nach eigenen Worten an eine junge urbane Zielguppe richten will, beispielsweise an Studenten, die zum ersten Mal eine eigene Wohnung einrichten und aufs Geld schauen müssen"

Weil ein Student, der aufs Geld schaut, sich auch nur ansatzweise eine Matratze für 300€ kaufen wird, obwohl es welche für 70€ gibt. Ich würde auch nicht sagen, dass der Umsatz ihnen recht gibt. Ich weiß ja nicht welche Zielgruppe für diesen Umsatz verantwortlich ist - Studenten mit Geldmangel aber doch sicher nicht. Ich tippe da eher auf normale Angestellte.

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