Kommentar

Kaufhof-Sanierung beginnt mit folgenschwerem Fehler

Statt Stellen abzubauen, sollte Signa das Konzept Kaufhaus radikaler umbauen. (Foto: Kaufhof)

Bis zu 5.000 Arbeitsplätze fallen bei Kaufhof weg. Die Strategie hinter dieser Entscheidung ist gut für Signa, aber schlecht für das Modell Kaufhaus.

Was bei Karstadt funktioniert hat, wird wohl auch bei Kaufhof funktionieren, scheint sich René Benko zu sagen. Und streicht im Rahmen des Sanierungsprogramms 2.600 Vollzeitstellen. Laut Süddeutscher Zeitung könnte das aufgrund der hohen Teilzeitbeschäftigung im Kaufhof-Konzern das Aus für bis zu 5.000 Stellen bedeuten. Für Signa wird das Konzept „Gesundschrumpfen“ funktionieren, für das Konzept des Warenhauses wird sich dieser Stellenabbau als strategischer Fehler erweisen. Es gibt bessere und zukunftsweisendere Möglichkeiten, um Karstadt und Kaufhof in eine moderne und schlanke Warenhaus-Kette zu verwandeln.

Die Kaufhof-Sanierung

Sanierung beginnt in der Regel immer mit Kostenreduzierung, meist kann nur durch Einsparungen die Wirtschaftlichkeit eines Unternehmens wieder hergestellt werden. Einer der größten Faktoren ist dabei immer das Personal. Durch viele Entlassungen lässt sich schnell ein größerer Posten einsparen.

Diesen Einschnitt hatte Signa bei der Bekanntgabe der Fusion schon angekündigt, jetzt werden die Kündigungen umgesetzt. Der Gewerkschaft Verdi zufolge sind aktuell rund 14.000 Vollzeitstellen bei Kaufhof besetzt, durch die Kündigungen baut Kaufhof fast um ein Fünftel Personal ab. Zusätzlich will Benko einen Haustarifvertrag mit Verdi aushandeln, um die Personalkosten weiter zu senken.

Das verschafft finanziellen Spielraum und verhindert, dass Kaufhof quasi minütlich Geld verliert. Erst Ende letzten Jahres musste Kaufhof mit einer Millionen-Finanzspritze vor der Pleite bewahrt werden. So nachvollziehbar diese Entscheidung aus betriebswirtschaftlicher Sicht also auch ist, so verheerend wird sie sich auf das Konzept Kaufhaus auswirken.

Personalabbau entwertet die Kaufhäuser

Die Onlinesparten liefern nicht genug Wachstum – es ist klar, dass dort investiert werden muss und konzeptionelle Änderungen dringend notwendig sind, um mit dem gesellschaftlichen Wandel mitzuhalten. Aber angesichts der Tatsache, dass der meiste Umsatz stationär erwirtschaftet wird, muss dieser wenig zukunftsweisende Bereich weiterhin attraktiv gehalten werden. Durch die Streichung von bis zu 5.000 Jobs werden die Kaufhäuser aber unattraktiver, schließlich ist Beratung der größte Unterschied zwischen dem Online- und dem Offlinehandel. Die Beratung wird den Offlinehandel nicht retten, dazu ist mehr nötig. Aber sie quasi auszulöschen, wie es Karstadt mit diesem enormen Stellenabbau macht, wird den Untergang des Kaufhauses langfristig beschleunigen.

Das Konzept Kaufhaus muss neu gestaltet werden

Signa übernimmt gerade Schritt für Schritt rund 50 Prozent der Kaufhof-Immobilien. Wenn der defizitäre Konzern der Mutter keinen Strich durch die Rechnung macht, erhofft sich Signa aus diesen Immobilien zukünftig Rendite. Auch wenn es bisher heißt, dass „um jede Filiale gekämpft“ werde, sollten Doppelstandorte über kurz oder lang reduziert werden. Entweder, wenn Karstadt und Kaufhof gemeinsam zu viel Präsenz an einem Ort haben, oder wenn – wie in Hannover – zwei Kaufhof-Häuser in Spuckweite platziert sind. Wenn es schon schwerfällt, ein Kaufhaus zu füllen, wäre es Irrsinn, an zwei dieser leeren Kaufhäuser festzuhalten. 

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4 Kommentare
Lutz
Lutz

Die Firma Signa übernimmt zurzeit 50 % der Kaufhof Immobilien und nicht die der Karstadt Immobilien. Die besitzen sie schon.

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Jochen G. Fuchs

Danke für den Hinweis, das war ein Versehen. Gemeint sind die Kaufhof-Immobilien. Ist korrigiert.

Viele Grüße
Jochen

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liestalleanleitungen
liestalleanleitungen

Der Autor sollte seinen Artikel noch mals durchlesen,
notfalls mehrmals.
Schreiben, durchlesen, verstehen, dann posten.
Er verwechselt dauernd Karstadt mit Kaufhof.

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Jochen G. Fuchs

Drei „Freud’sche Verschreiber“ hatten sich noch am Anfang eingeschlichen. Danke für den Hinweis. An allen anderen Stellen ist auch Karstadt gemeint, wo Karstadt steht.

Viele Grüße
Jochen

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