Ratgeber

Keine peinlichen Momente: Das gilt für Familienfotos im Netz

Schnappschüsse aus dem Familienalltag sind in den sozialen Netzwerken keine Seltenheit. (Foto: HQuality / Shutterstock)

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Die kleine Tochter beim Mittagsschlaf, Mama in einer komischen Pose: Familienfotos in sozialen Netzwerken können peinlich bis unangenehm werden. Wie entscheiden Familien, welche Fotos ins Netz dürfen?

Zugeschnitten, bearbeitet, hochgeladen: Für Familienfotos ist der Weg vom privaten Smartphone-Speicher zur öffentlichen Facebook-Pinnwand oft kurz. Nicht immer fühlen sich alle Abgebildeten – egal, ob Eltern oder Kinder – damit wohl. Wie können Familien einen guten Umgang mit Fotos im Internet finden?

Meist sind es Eltern, die Familienfotos im Netz teilen. Die Internet-Aktivistin Toyah Diebel beobachtet, dass vor allem Stolz dahintersteckt: „Alle Eltern sind der Meinung, dass ihr Kind besonders hübsch, süß und talentiert ist. Das können sie durch Fotos im Netz beweisen.“

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Jugendliche stellen seltener Fotos ins Netz

Viele Familien sehen soziale Medien als Weg, Freundeskreis und Verwandtschaft auf dem Laufenden zu halten. Dass Kinder und Jugendliche Familienfotos ins Netz stellen, kommt hingegen seltener vor, sagt Kristin Langer, Mediencoach der Initiative „Schau hin! Was dein Kind mit Medien macht.“

Auch die Beweggründe sind andere: „Jugendliche neigen dazu, Fotos zu teilen, auf denen etwas Besonderes oder Witziges zu sehen ist“, sagt Langer. Heißt: Das strahlende Selfie mit den Eltern findet selten den Weg in die sozialen Netzwerke. Bringt sich Papa beim Wandern jedoch in eine lustige Pose, kann es durchaus passieren, dass der Nachwuchs mit seiner Instagram-Story draufhält.

Recht am eigenen Bild

Bei Familienfotos im Netz zeichnet sich nicht selten ein Missverständnis zwischen den Generationen ab: „Fälschlicherweise denken Eltern manchmal, sie könnten mit den Fotos ihrer Kinder machen, was sie wollen“, beschreibt Langer. „Dabei hat jeder Mensch ein Recht am eigenen Bild, das gilt im Grunde ab der Geburt.“

Eltern müssten dabei stets bedenken, dass sie stellvertretend für ihr Kind entscheiden – zumindest, solange es dazu selbst noch nicht in der Lage ist. Auch das Recht auf Privatsphäre, die für die freie Entwicklung der Persönlichkeit wichtig ist, haben schon die Kleinsten.

Diebel beobachtet, dass viele Fotos in diesen persönlichen Bereich eingreifen: „Das gilt etwa für Fotos, die das Kind zeigen, während es schläft oder in seinem Zimmer, seinem privaten Rückzugsort, spielt.“

Scham über veröffentlichte Fotos

Welche Folgen kann es haben, wenn Heranwachsende Fotos von sich finden, für die sie nie grünes Licht gegeben haben? „Gerade bei Jugendlichen kann ein starkes Schamgefühl entstehen, verbunden mit der Frage: Wer könnte das sehen?“, sagt Langer.

Dazu gesellt sich das Gefühl, von den eigenen Eltern übergangen worden zu sein. Die Initiative „Schau hin!“ rät daher, keine Fotos zu veröffentlichen, auf denen Kinder klar zu erkennen sind – auch, weil nie sicher ist, in wessen Hände sie gelangen können.

Einfühlungsvermögen und Kommunikation sind wichtig

„Das Posten von Bildern muss in der Familie thematisiert werden“, sagt Friederike von Gross, Geschäftsführerin der Gesellschaft für Medienpädagogik und Kommunikationskultur (GMK). Ein guter Umgang mit dem Thema baut auf zwei Säulen auf: Einfühlungsvermögen und Kommunikation.

Einfühlungsvermögen ist gerade bei kleineren Kindern zentral, die noch gar nicht wissen, was hinter dem Internet steckt. Wenn Eltern unbedingt ein Foto teilen wollen, sollten sie es behutsam auswählen. Persönliche oder intime Momente – leicht bekleidet oder weinend – sind am besten im Papier-Fotoalbum aufgehoben.

„Eltern können sich zudem fragen: Wäre es mir selbst unangenehm, wenn ein ähnliches Foto von mir öffentlich zu sehen wäre, zum Beispiel im Foyer meiner Arbeitsstelle?“, erläutert Langer.

Fotos auch mal aus der Metaebene betrachten

Wichtig ist außerdem, dass Eltern sich bewusst machen, welchen Weg das Foto im Netz gehen könnte. Von Gross rät, sich in potenzielle Betrachter hineinzuversetzen: „Das Foto, auf dem das Kind an seinem Erdbeereis leckt, mag für die Eltern einfach nur niedlich sein – auf andere Menschen kann es sogar erotisierend wirken.“

Es gibt Wege, Kinderfotos im Netz sicherer zu gestalten. „Wenn ich das Kind von hinten zeige oder auch mit Emoticons vor dem Gesicht, dann schütze ich seine Privatsphäre“, sagt von Gross.

Doch auch, wenn das Kind nicht zu erkennen ist, gilt: Intime Momente sind tabu. Und Eltern sollten im Blick behalten, welche weiteren Daten sie über ihre Kinder veröffentlichen, etwa darauf achten, Ortsangaben zu deaktivieren.

Kinder vor dem Posten um Erlaubnis fragen

Bei älteren Kindern wird die Kommunikation wichtiger. Die Expertinnen raten, Kinder ab dem Grundschulalter an soziale Medien heranzuführen und zu fragen, ob es für sie in Ordnung ist, Fotos von ihnen zu teilen. Dabei sollten Eltern mit gutem Beispiel vorangehen. „Wenn Kinder merken: ‚Oh, meine Eltern posten jedes Bild, ohne vorher um Erlaubnis zu fragen‘, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass sie später auch so handeln“, sagt von Gross.

Wenn Eltern feststellen, dass Jugendliche ungefragt Fotos von ihnen teilen, ist ein vertrauensvolles Gespräch ratsam. Ziel sollte sein, herauszufinden, was den Nachwuchs dazu bewegt hat, die Bilder zu veröffentlichen. Anschließend können Eltern ihre Kinder für das Thema sensibilisieren. Hier helfen Fragen wie: „Wie wäre es für dich, wenn Fotos von dir ohne dein Okay im Internet landen?“

Beide Seiten – Eltern und Kinder – sollten lernen, dass es dazugehört, nach dem Einverständnis zu fragen, und, dass es tabu ist, sich über ein „Nein!“ hinwegzusetzen.

Kommt es zu Konflikten, können Eltern und Kinder einen Vertrag aufsetzen. „Darin können beide Seiten regeln, was sie von sich selbst im Internet sehen möchten – und was nicht“, erklärt Langer. Dabei sollten Eltern und Kinder nicht nur festlegen, was in sozialen Netzwerken gepostet werden darf, sondern auch, welche Regeln für das Weiterleiten von Fotos in Chats gelten. dpa

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