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Ungewöhnliche Zielgruppe: So hilft KI Senioren und Menschen mit Behinderung

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Das System hinter dem digitalen Assistenten Billie analysiert beispielsweise, ob der User nickt, lächelt, den Avatar anschaut oder wegsieht. (Screenshot: Hendrik Buschmeier/ Citec)

Billie, der vom Citec entwickelte digitale Assistent, ist im Moment quasi ein sprechender Kalender. Er speichert Termine und erinnert daran. Während des Tests bei Helga Darenberg hat das System verschiedene Parameter analysiert: Nickt Darenberg? Sind ihre Augen auf den Avatar gerichtet oder auf einen Eintrag im Kalender? Runzelt sie verständnislos die Stirn oder lächelt sie? Wenn sie Billies Frage nicht verstanden hat, hat er sie umformuliert – wenn Billie Darenbergs Befehl nicht verstanden hat, hat er nachgefragt. So tauschen Mensch und Maschine mehrere Sätze aus, bis der richtige Termin im Kalender steht.

Sparse Data statt Big Data

Trotzdem drängt sich der Eindruck auf, dass es sowas wie Billie doch schon in der Praxis gibt und Alexa heißt. Und auch Siri kann sich schon ziemlich gut mit Usern unterhalten. Aber das sei etwas anderes, sagt Kopp: „Google baut Systeme für den Massenmarkt – unser System passt sich stärker an den einzelnen Menschen an.“ Schließlich soll Billie nicht mit dem 0815-User arbeiten, sondern mit Senioren oder Menschen mit Behinderung. „Da kann man keine große Datenmengen sammeln, sondern muss auch auf Wissen zurückgreifen.“ Die Forscher vom Citec arbeiten dabei nicht mit Big Data, sondern mit Sparse Data, mit wenigen Daten aus der gerade laufenden Interaktion. Die Basis sind Strukturen – die Forscher suchen nach Mustern, wie Dialoge in bestimmten Situationen funktionieren. Das Ziel ist, Interaktionsintelligenz in Maschinen zu bringen.

Auch wenn Helga Darenberg sich nach ein paar Tagen ganz gut an das neue, sprechende Möbelstück gewöhnt hat – ein paar Hemmschwellen gab es doch. Wenn Billie morgens um acht Uhr geklingelt hat, um sie an ihre Augentropfen zu erinnern, ist sie nicht direkt aus dem Schlafzimmer zum Bildschirm im Wohnzimmer gegangen – „Ich geh ja nicht ungewaschen vor das Gerät“, erklärt sie. „Das ist erstmal gut, das heißt ja, dass der Assistent auch eine gewisse soziale Präsenz  und Wirkung entwickelt hat“, meint Kopp dazu.

Dass Billie wirklich irgendwann Menschen beim selbstständigen Leben im Alter hilft, ist keine Utopie: Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe plant Gebäude für innovative Lebenskonzepte für Senioren, die gemeinsam in sogenannten Quartieren leben. Das Citec soll mit einem Projekt dabei sein: Wenn in ein bis zwei Jahren die ersten Bewohner in den Neubau einziehen, zieht Billie mit ein. Er wird dann noch mehr können als Termine und Aktivitäten verwalten, sagt Kopp. „Der nächste Schritt ist, noch andere Dienste zu integrieren, vor allem im Umfeld einer intelligenten Wohnung.“

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Christine Hecht
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