Interview

KI-Experte zu SUV-Unfall: So hätte autonomes Fahren Menschenleben retten können

Ab Autonomiestufe Drei hätte ein Auto den tragischen Unfall von Berlin vermeiden können.

Christian Müller, ein Experte für autonomes Fahren am DFKI, erklärt, was ein autonomes Auto können müsste, um ähnliche Unfälle wie in Berlin zu verhindern.

Nach einem schweren Unfall in Berlin Mitte am vergangenen Freitag ist eine Diskussion um Geländewagen in Innenstädten entbrannt: Sind SUVs zu gefährlich für Innenstädte?

Ein SUV des Typs Porsche Macan war in Berlin von der Straße abgekommen, hatte eine Ampel und mehrere Poller überfahren und auf dem Bürgersteig vier Menschen getötet, bevor er in einem Bauzaun zum Stehen kam. Laut Presseberichten könnte ein epileptischer Anfall des Fahrers den tödlichen Unfall ausgelöst haben.

Wir haben Christian Müller, den Experten des Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz gefragt, wann KI einen ähnlichen Unfall verhindern könnte.

t3n: Herr Müller, wie autonom müsste ein Auto sein, um einen Unfall wie den in Berlin zu verhindern?

Christian Müller: Das Auto bräuchte dafür den voll ausgebauten Stack eines autonomen Fahrzeugs: Self-Localization, Perception und Trajectory-Planning, um abgleichen zu können, ob das, was der Fahrer tut, Kollisionsfreiheit gewährleistet, wenn der Fahrer einen Schlaganfall, Infarkt oder epileptischen Anfall hat. Aus rechtlicher Sicht wäre es problematisch, wenn ein Auto die Fahrmanöver des Fahrers überschreibt, ohne zu wissen, was mit dem Fahrer los ist. Aber in Level-Drei-Fahrzeugen ist ja auch Innenraumüberwachung vorgesehen. Also: Man kann sich vorstellen, dass ein Level-Drei-Fahrzeug in der Lage wäre, in so einem Notfall einzugreifen. Das hätte tatsächlich vier Menschen das Leben retten können.

t3n: Können Sie die Komponenten noch einmal genau beschreiben, die es dafür bräuchte?

Erstmal Selbstlokalisation: Das wäre eine andere Liga als das GPS, dass wir auf dem Handy haben. Es geht da um High-Definition-Maps, die auch die Lampen und Vegetation mit drauf haben, um bestimmen zu können, wie das Auto in die Karte passt. Aber die Systeme dafür wie SLAM gibt es bereits. Und Nokia Here, Nav Info und Tom Tom arbeiten auch schon mit HD-Maps.

t3n: Und dazu dann die Sensoren des Autos …

Genau, dazu bräuchte man eine Umfeldwahrnehmung: multisenoriell, mit Radar, Lidar und einer Kamera. So ein typischer Mix von Umfeldwahrnehmung erkennt alle dynamischen Objekte, weiß, dass sich da Fußgänger befinden (und weiß auch von der HD-Map, dass sich da leicht verletzliche Verkehrsteilnehmer befinden könnten.)

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4 Kommentare
A.R.
A.R.

Irgendwie ist das Interview solala oder der Titel einfach falsch. Denn wenn ein Auto Autonom fahrt gibt es keine Eingabe vom Menschen und somit wäre solch ein Unfall nicht passiert.

Auch hätte das Auto nicht überprüfen müssen ob jetzt die Eingabe vom Menschen korrekt oder inkorrekt ist.

Antworten
Kalli030
Kalli030

Bei solchen theoretischen Betrachtungen … wird immer vergessen, dass diese System ALLE von Menschen programmiert sind und Menschen machen Fehler bzw. werde NIE alle potenziellen Szenarien vorhersehen.
Das heißt … ein sogenanntes autonomes Fahrzeug wird genauso wenig fehler- bzw. unfallfrei sein, wie ein Mensch mit Routine & Erfahrung.
WENN … Maschinen in der Lage sind sich selbst zu programmieren … dann Gnade uns Gott!! … dann sind Visionen a la Terminator nicht mehr fern, denn warum sollten die „perfekten“ Maschinen sich mit „fehlerhaften“ Menschen abgeben?

Und eine noch … WER haftet, wenn ein autonomes Fahrzeug doch mal einen Unfall verursacht?
#1 Der Programmierer?
#2 Der Qualitätssicherer bzw. der die Annahme der SW gemacht hat?
#3 Der Hersteller des Fahrzeug
#4 Der Halter des Fahrzeug (einen Fahrer gibt es ja nicht …)
#5 ??

Bei #4 … dann brauche ich kein autonomes Fahrzeug! .. dann fahre ich liebe selber!
Bei #1 und #2 … wohl kaum!
Bei #3 … möglich … aber in welcher Form? Wenn z.B. ein Sensor am Fahrzeug verschmutzt war, haftet dann der Halter/Fahrer, weil er diesen nicht gereinigt hat?. .. oder hält das Fahrzeug dann an und bitte „Einmal Sensor-Reinigen bitte!“??

Es wir Szenarien für sogenannte autonome Fahrzeuge geben, z.B. im Katastropheneinsatz … aber im städtischen Verkehr?

Antworten
xordinary
xordinary

Gähn … Wenn dich diese „brennenden“ Fragen wirklich interessieren würden, dann hättest du dir die Mühe gemacht und ein bisschen recherchiert. Sie sind nämlich alle längst und schlüssig beantwortet.

Antworten
Vitus v.d. Ziethe
Vitus v.d. Ziethe

Es gibt eine Norm, die für die Entwicklung von sicherheitsrelevanten Systemen im Auto erfüllt werden muss, die ISO 26262. Sie beinhaltet neben prozessualen Aufgaben auch technische Anforderungen, die je nach Grad der potentiellen Gefährdung erfüllt werden müssen (z.B. Redundanz).

Juristisch schwierig sehe ich das autonome Fahren bei Level 4 Fahrzeugen, die also noch manuell bewegt werden können.

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