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Gadgets & Lifestyle

Kickstarter-Hit „Pono Player“ startet und will die Musikindustrie neu aufrollen

Limited Edition mit Signatur der Band „The Greatful Dad“. (Foto: Pono)

Neil Young tritt mit seinem Pono Player und dem dahinterstehenden Musik-Service gegen Apple iTunes, Amazon, schlicht gegen jeden Mp3-Store an und verspricht mehr Musikqualität. Heute wurde der Player vorgestellt.

Musiklegende Neil Young hat mit seinem Unternehmen Pono Music und dem Team rund um Investor und CEO John Hamm eine äußerst erfolgreiche Kickstarter-Kampagne geführt, ist aber mit rund 18.000 verkauften Geräten noch einiges davon entfernt, die Industrie tatsächlich neu aufzurollen. Sein Projekt genießt trotzdem höchste Aufmerksamkeit in den USA und ist jetzt mit großem Aufwand während des Messespektakels Dreamforce vorgestellt worden. Was ist besonders an Pono Music und dem dazugehörigen Music Player?

Neil Young präsentierte soeben seinen Pono Player und die dazugehörigen Dienste. (Foto: Jochen G. Fuchs)
Neil Young präsentierte soeben seinen Pono Player und die dazugehörigen Dienste. (Foto: Jochen G. Fuchs)

Pono: „Musik wieder wirklich fühlen“

Pono bringt die Gänsehaut zurück.

Neil Young erklärt seinen Antrieb für die Entwicklung von Pono wie folgt: „My goal is to try and rescue the art form that I've been practicing for the past 50 years“. Young bezieht sich mit seinen Worten auf die, seiner Meinung nach, schlechte Audioqualität der Mp3-Musik. Pono bietet als Lösung „High Resolution Music“, sprich Musik mit einer Qualität, die ein Hörerlebnis mindestens auf der Höhe einer CD oder höher bieten soll. Ein Hörerlebnis, dass die Gefühle und die Schwingungen der Musik wieder spürbar machen soll. Musik soll vom „Hintergrundgeräusch“ wieder zu einem vordergründigen Erlebnis werden. Pono soll das Lebensgefühl einer Generation, die die Musik der 60er erfühlt und erlebt hat, wieder zurückbringen.

(Screenshot: Pono)
Werbegrafik von Pono, die Qualitätsunterschiede zwischen den Audioformaten darstellen soll. (Screenshot: Pono)

Das ist Pono

Das Pono-Ökosystem. (Foto: Jochen G. Fuchs)
Das Pono-Ökosystem. (Foto: Jochen G. Fuchs)

Pono besteht aus drei Komponenten, die zusammen ein eigenes Ökosystem ergeben sollen: ein Musicstore, ein Player und eine Verwaltungssoftware, vergleichbar mit Apples iTunes, namens „Pono Music Hub“. Diese drei Bestandteile des Ökosystems sollen zusammen ein neues Hörgefühl ermöglichen: High -Resolution-Music, High-End-Komponenten im Player und eine leicht zu bedienende Verwaltungssoftware, das Ganze verbunden mit einer Community.

Pono Musikformat und analoges Remastering

Die Beatles spielen live neben dir.

Der besondere Aspekt, der bei Pono vertriebenen Musikdateien ist der Ursprung dieser Musik. Alle erhältlichen Musikstücke sind möglichst von den ursprünglichen anlogen Masterrecordings erzeugt worden. Die Dynamik der Musikstücke soll wesentlich höher und die erzeugte Datenmenge der digitalen Musikdateien soll bis zu 95 Prozent mehr Informationen enthalten. Euphorisch sprechen Neil Young und Salesforce-CEO Marc Benioff davon, dass sich das Beatles Stück „Yellow Submarine“ bei Pono tatsächlich anhören soll, wie die Uraufnahme.

Das Format soll mindestens CD-Qualität erreichen, möglichst aber ein Format mit 24bit/192kHz so verspricht es Pono. Genutzt wird das FLAC-Format (Free Lossless Audio Codec). Das Versprechen ein besseres Hörerlebnis als mit einer CD zu liefern, wird auch skeptisch betrachtet, da es nach wie vor wissenschaftlich nicht erwiesen scheint, ob überhaupt ein hörbarer Unterschied zwischen 16bit/44.kHz und 24bit/192kHz existiert.

Pono Player

Die ersten Modelle werden nur in Schwarz ausgeliefert, dann folgen weitere Farben. (Foto: Pono)
Die ersten Modelle werden nur in Schwarz ausgeliefert, dann folgen weitere Farben. (Foto: Pono)

Toblerone auf Speed.

Der Pono Player ist in ein dreieckiges Gehäuse gefasst, das deutlich an ein Produkt einer Schweizer Schokoladenfirma erinnert und wirkt vom Platzbedarf fast ein wenig wie die ersten iPods mit integrierter Festplatte. Die Form ist nicht willkürlich entstanden, sondern soll das Ergebnis der Bemühungen sein, sowohl die hochwertigsten Audiokomponenten zu verarbeiten, als auch bei der Verarbeitung auf bestmögliche Abstände zwischen den technischen Bauelementen zu achten, um elektrische Interferenzen zu vermeiden. Auf Kickstarter ist auch ein Produktvideo verfügbar.

  • Abmessungen: 13 x 5 x 2.5 cm
  • 130 Gramm Gewicht
  • 2,5'' LCD-Touchscreen
  • Digital-Analog-Wandler:  ESS ES9018M DAC
  • 64 GB interner Nutzerspeicher
  • Austauschbare Speicherkarte: MicroSD, 64 GB im Lieferumfang
  • 2 3,5mm-Klinken-Ausgänge (Mini Stereo), einer davon als Kopfhörerausgang, einer als Line-Out zum Anschluss einer Stereoanlage.
  • Modi: Fixed-Volume für Home-Stereo, Balanced-Mode für einen Zwei-Kanal-Betrieb, Zwei-Kopfhörer-Modus.
  • Micro-USB-Anschluss
  • Abspielbare Formate: FLAC, ALAC, WAV, MP3, AIFF, and AAC
  • Kompatibilität als USB-Storage: Windows, Mac, Linux.
Limited Edition mit Signatur der Band „The Greatful Dad“. (Foto: Pono)
Limited Edition mit Signatur der Band „The Greatful Dead“. (Foto: Pono)

Pono Store und Community

Die Pono Website. (Screenshot: Pono)
Die Pono Website. (Screenshot: Pono)

Über 600.000 Titel mit täglich wachsender Verfügbarkeit sind bis jetzt im Pono Store in High-Resolution verfügbar, weitere Hundertausende sind in Bearbeitung aus den Archiven der drei größten Record-Companies. Neil Young betonte während der Präsentation, dass die Anzahl der Songs noch viel zu gering ist, aber mit Hochdruck an der Erweiterung gearbeitet wird. Die wichtigsten Songs, der wichtigsten Musiker seien aber bereits verfügbar. Es handelt sich wohl eher schlicht um das Problem des Arbeitsaufwands, nicht um lizenzrechtliche Probleme. Die Downloads aus dem Musikstore werden über keine DRM-Protection verfügen.

Während der Suche nach Titeln, erfolgt bereits eine Verbindung zur Pono-Community. So sollen Musikliebhaber direkt miteinander in Verbindung treten und sich über Alben und Künstler austauschen können. Der Musicstore wird also auch eine soziale Komponente enthalten. Neben dem Endkunden-Bereich, wird es auch einen Bereich für die Künstler geben. Dieser Bereich soll sowohl Interaktion mit den Künstlern ermöglichen, als auch Einblick in weiterführenden Informationen zur ausgewählten Musik verschaffen.

Pono Music Hub: Die Verwaltungssoftware

Die Windows und MacOS Software verwaltet sowohl bereits vorhandene Musik in den gängigen Musikformaten, als auch die Musik aus dem Pono Store. Die Bedienung soll wesentlich einfach sein, als Nutzer es von den herkömmlichen Softwarepaketen gewohnt sind. Der Hub soll vorhandene Musik auch aus der iTunes Bibliothek automatisch erkennen und es dann erlauben diese Musik per Drag-and-Drop der Pono-Sammlung hinzuzufügen. Im Gegensatz zu den Abonnements der vergleichbaren Amazon oder Apple Musikbörsen wird allerdings nicht der höchste, verfügbare Qualitätsstandard aus der Anbieterdatenbank heruntergeladen, sondern die Originaldatei verarbeitet. Auch wenn eine Verbesserung der Abspiel-Qualität durch eine Nachbearbeitung versprochen wird.

Verfügbarkeit des Pono Player

Die Auslieferung der Bestellungen aus der Kickstarter-Kampagne soll noch im Oktober erfolgen. Einige Modelle sind noch für 300 US-Dollar erhältlich, dann folgen nur noch von ausgewählten Musikern handsignierte Exemplare ab 400 US-Dollar, die im Dezember ausgeliefert werden sollen. Klassische Vorbestellungen für die nachfolgenden Serienmodelle zum Retail-Preis von 399 US-Dollar können schon erfolgen, werden aber wohl erst im ersten Quartal 2015 ausgeliefert.

Marktchancen für Pono

Die Chancen für Pono den Massenmarkt zu erreichen sind mindestens als „unsicher“ zu bewerten. In einem Absatzmarkt, der sich immer mehr von Standalone-Playern zu Smartphones bewegt, erscheint das Release eines solchen Geräts fast schon realitätsfern. Auch die Argumentation auf der Qualitätsebene einer CD oder gar Schallplatte, trifft unter Umständen nur noch auf das Verständnis einer spezifischen und immer kleiner werdenden Altersgruppe, die das Format überhaupt noch aus eigener Erfahrung kennt. Wahrscheinlicher als eine wirkliche umwälzende Veränderung der Musikindustrie, dürfte die erfolgreiche Eroberung einer Marktnische sein – auch angesichts des Preises von rund 400 US-Dollar.

Die Reise erfolgte auf Einladung von Salesforce.com.

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7 Reaktionen
Torben

Und warum das Teil gerade den OPUS-Codec nicht unterstützt, der praktisch allen lossy-Codecs überlegen ist, wird wohl auch nur Mr. Young wissen.

Ich denke, das Teil wird eine Totgeburt.
Jedes aktuelle Handy hat Audio-Player Onboard. Und Audio-Player, die Flac, Ogg, Opus abspielen können, sind leicht nachzuinstallieren.

Saenic

Die sollten das Gerät weglassen und einfach nen HQ Musik Store anbieten. FLAC können auch andere Geräte wiedergeben, dazu braucht es keinen 400€ Player. Die richtigen Audioliebhaber haben sowieso bereits gute Anlagen und vorhandene Abspielgeräte.

desmondMiles

Wird sich nicht durchsetzten, alle im letzten Absatz genannten Punkte sprechen dagegen. Wenn überhaupt sollte man das ganze für den Heimbereich anbieten in Form einer schönen Hifi-Anlage. Das würde für mich mehr Sinn ergeben.

Tobi

Das habe ich mir auch gedacht. In einem schönen Receiver würde ich das Teil eher sehen. Vllt. sollten wir ein Konkurrenzprodukt rauswerfen. :-P

Jochen G. Fuchs

Ups, sorry. Danke Ferdinand. Ich habe das gleich korrigiert. Das war wohl der Stress beim Live-Event, gepaart mit zuviel Koffein.^^

Viele Grüße aus der Redaktion,
Jochen

Benny

Verfolge die Entwicklung schon länger und finde die Idee wirklich gut.
In der heutigen Zeit wo immer mehr junge Leute wieder die Musik für sich entdecken und sogar steigende Absatzzahlen bei Vinyls zu verbuchen sind ist das wahrscheinlich keine schlechte Idee da mal was zu versuchen.... ein Rettungsversuch der mal unternommen werden muss.
Ich selber höre am liebsten Schallplatte, viele meiner Lieblingsbands bringen mittlerweile ihre Alben parallel auf auf Vinyl raus mit download code für mp3, es gibt für mich nichts besseres.
Wenn das ding wirklich brauchbare Elektronik beherbergt (was bei dem preis anzunehmen ist aber Qualität hat halt ihren preis) dann würde ich das gerne mal ausprobieren. Mit vernünftigen Kopfhörern sollte das was bringen.
Allerdings hört man unterwegs seltener Musik um sie zu genießen sondern um sich die Zeit zu vertreiben und Unterhaltung zu haben. Wenn man Musik erleben und genießen will macht man das eher zuhause auf dem Sofa mit der heimanlage und idealerweise wird da der Plattenspieler genommen.
Also von diesem Standpunkt aus wird es schwierig den ponoplayer für sich selbst zu rechtfertigen.
Ich selber bin audiophil und lege hohen wert auf den klang der Musik, allerdings nicht im bus oder auf der Straße wo die Nebengeräusche sowieso mit einfließen... und da soll der ponoplayer wohl vorwiegend eingesetzt werden.
Für mich wäre er eher im Bett einsetzbar weil ich zum einschlafen immer Musik über Kopfhörer höre, aber dann wirklich 400€ für 1 Stunde abends einschlafmusik hören?

Ferdinand

The Greatful Dad? Eher The Grateful Dead ;-)

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