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Automatisierung: Bis 2055 könnte jeder zweite Job wegfallen

(Bild: Shutterstock / asharkyu)

McKinsey sorgt mit einer Untersuchung für Aufsehen: Demnach könnte durch die Automatisierung in den kommenden 38 Jahren die Hälfte aller Stellen wegfallen.

McKinsey prognostiziert Automatisierung bis zum C-Level

In 28 Jahren könnte jede zweite Vollzeitstelle weltweit überflüssig sein. Mit dieser These sorgt die Unternehmensberatung McKinsey derzeit für Aufruhr. Der Prognose zufolge sind fünf Prozent aller aktuellen Jobs vollständig automatisierbar. In 60 Prozent aller Arbeitsstellen braucht es bei knapp einem Drittel (30 Prozent) der Aktivitäten keine menschliche Hilfe mehr – auch auf dem C-Level.

McKinsey hat die anfallenden Aufgaben bei einem Job für die Untersuchung in sieben Kategorien unterteilt. Drei davon sind besonders betroffen von der Automatisierung: vorhersehbare körperliche Arbeiten (zu 81 Prozent automatisierbar), Datenverarbeitung (69 Prozent) und Datensammlung (64 Prozent). Am schlechtesten automatisierbar sind demnach komplexe Management-Aufgaben.

Basis der Untersuchung der New Yorker Unternehmensberatung sind die offiziellen Statistiken der US-Arbeitsmarktbehörde. Auch wenn die Automatisierung bis 2055 laut McKinsey am plausibelsten ist: Auf eine einzige, endgültige Prognose wollte sich das Unternehmen nicht festlegen. Stattdessen hat es verschiedene Szenarien entwickelt, die sowohl die rein technische als auch die abzusehende gesellschaftlich-wirtschaftliche Umsetzbarkeit berücksichtigen.

(Grafik: McKinsey)Eine revolutionäre Veränderung schließt die Unternehmensberatung in ihrer Veröffentlichung aus: Faktoren wie technische Verfügbarkeit, Entwicklungs- und Einsatzkosten und politische beziehungsweise soziale Akzeptanz sorgen demnach dafür, dass die Automatisierung eher kontrolliert als plötzlich auf den Arbeitsmarkt wirkt.

Treffen die Prognosen ein, könnten weltweit mehr als eine Milliarde Vollzeitstellen wegfallen und 14,6 Billionen Dollar an Gehältern eingespart werden. Ein drastisches Bild, das allerdings von den Verfassern sofort historisch eingeordnet wird: Der volkswirtschaftliche Anteil von Landarbeit in den USA sank zwischen 1900 und 2000 von 40 auf zwei Prozent, ebenso fiel der Anteil von industrieller Arbeit von 25 auf zehn Prozent. Kompensiert wurden beide Entwicklungen durch neue Jobs in anderen Branchen – zwischenzeitliche Phasen mit hoher Arbeitslosigkeit konnten allerdings nicht vermieden werden.

Als Konsequenz empfiehlt McKinsey den Unternehmen, die Automatisierungspotenziale im eigenen Haus frühzeitig abzuklären. Durch weitsichtiges Handeln, zum Beispiel durch Umschulungen und Qualifizierungen, könnten sie negative Effekte gering halten. Unternehmen, die den prophezeiten Umbruch verschlafen, liefen in Gefahr, den Anschluss zu verpassen. Besonders der Mittelstand könne demnach von den Veränderungen stark betroffen sein: Durch digitale Management-Lösungen werde die Verwaltung großer Unternehmen zunehmend einfacher.  Aber auch Kleinstunternehmen könnten mit nichtmenschlicher Unterstützung immer produktiver arbeiten.

McKinsey ist nicht das einzige Unternehmen, das eine Automatisierung von Jobs prognostiziert. Bereits im Jahr 2013 prognostizierten zwei Oxford-Forscher, dass bis zu 47 Prozent aller Jobs wegfallen könnten. Ihr Zeithorizont war allerdings noch etwas näher: Sie sprachen von ein bis zwei Jahrzehnten – nicht von drei.

Auch interessant in diesem Zusammenhang: Die Automatisierung wird die Arbeitswelt radikal verändern: Braucht es ein bedingungsloses Grundeinkommen?

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4 Kommentare
Peter
Peter

Kleiner Fehler hat sich eingeschlichen: Entweder Überschrift bis 2045 oder in 38 statt in 28 Jahren! War nur ein wenig überrascht.

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Paul David Lüschen

Hi Peter,

vielen Dank für deinen Hinweis! Ist korrigiert! :-)

Beste Grüße
Paul

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Weblokal | Timm Rose

Interessant wäre ja dann zu erfahren, in welchen konkreten Berufen die Jobs wegfallen könnten. Wie sieht es z.B. beim Software- und Webentwickler aus?
Hier geht es um Entwicklungsarbeit, die zur Automatisierung dringend benötigt wird, trotzdem hört man immer häufiger, dass hier viele Stellen eingespart werden können.

Was sagt ihr dazu, welche Entwicklung ist in diesen Berufen zu erwarten?

Antworten
Paul David Lüschen

Hi Timm,

die Studie wird da nicht gänzlich konkret, dem Tätigkeitsfeld der Web-Entwickler wird dort ein Automatisierungspotenzial von mindestens 30% attestiert. Genauer werden die Verfasser leider nicht, sie weisen aber – genau wie du – darauf hin, dass auf der anderen Seite ein ganz erheblicher Arbeitsaufwand nötig ist, um die Automatisierung voranzutreiben. Insgesamt sieht die Zukunftsperspektive für offene und flexible Entwickler also nach wie vor sehr gut aus.

Es geht bei dieser Studie in ihrer Grundanlage ja eher um die Automatisierbarkeit von einzelnen Arbeitsaufgaben. Berufe, die einen hohen Anteil an automatisierbaren Aufgaben haben, sind somit auch eher von einer Kürzung bedroht. Bei den Entwicklern sind allerdings viele Aufgaben aus den Bereichen „Manage“, „Expertise“ und „Interface“ dabei, die sehr schwierig zu automatisieren sind – siehe die Abbildung im Artikel.

Das Automatisierungspotenzial in diesem Bereich wird zum Beispiel darin liegen, dass die Erstellung von Testfällen für Software in näherer Zukunft immer automatisierter ablaufen könnte. Vielleicht hast du ja schon davon gehört – wenn du die Stichworte „genetische Algorithmen“ oder „XMLMATE“ googelst, findest du mehr zum Thema. Und bestimmt in absehbarer Zukunft auch hier :-)

High Five aus dem t3n-HQ
Paul

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