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Werbung in Open-Source-Projekte gepackt: Wie es sich ein Startup mit Entwicklern verscherzt

(Grafik: Instaco.de)

Das Startup Kite zeigt, wie es nicht geht: Um den Dienst unter Entwicklern bekannt zu machen, haben sie Werbung in ein beliebtes Open-Source-Projekt integriert.

Kite: Open-Source-Software als Werbeverteiler

Eigentlich bietet Kite Entwicklern einen interessanten Dienst an: Per Integration in Editoren wie Sublime Text, Emacs, Vim, Pycharm oder Atom sollen sie automatisch zu ihrem Code passende Informationen wie Code-Beispiele oder den passenden Teil der Dokumentation einer genutzten Library angezeigt bekommen. Allerdings verwundert es doch stark, mit welchen Methoden das Startup versucht, seine Nutzerbasis zu vergrößern. In gleich zwei Open-Source-Projekte hat sich der Dienst zeitweilig eingenistet. Sehr zum Unmut der Community.

Eines davon war Minimap, eine Atom-Erweiterung, die Nutzern einen einfachen Überblick über ihren Quellcode verschaffen soll. Die Erweiterung wurde mehr als 3,5 Millionen mal heruntergeladen, verfügt also durchaus über eine nicht unerhebliche Nutzerbasis. Der Entwickler der Erweiterung, Cédric Néhémie, arbeitet mittlerweile für Kite. Im April 2017 hat er ein Update durchgeführt, welches das Tool um Links zur Kite-Website erweitert hat.

Kite: Über diese Änderung an Minimap zeigte sich die Open-Source-Community wenig erfreut. (Screenshot: Github)

Für viele Nutzer waren diese Links aber nicht mehr als Werbung. Zumal Néhémie die entsprechenden Code-Änderungen als „Implement kite promotion“ veröffentlicht hat. Es kam, wie es kommen musste, und nach einiger Kritik entstand ein Fork von Minimap, bei dem die Werbelinks wieder entfernt worden waren. Erst danach reagierte Néhémie auf die Kritik und erklärte, dass das Projekt jetzt offiziell von Kite betreut werde, das Unternehmen die Änderungen jedoch rückgängig machen werde.

Zweite Atom-Erweiterung sendet Quellcode der Nutzer an Kite

Minimap ist nicht die einzige Atom-Erweiterung, an der die Kite-Entwickler Interesse haben. Auch das Paket autocomplete-python ist betroffen. Immerhin wird hier allerdings ein echtes Feature von Kite verwendet: Statt der ursprünglich integrierten lokalen Code-Vervollständigung auf Jedi-Basis können Nutzer auch Kite dafür nutzen. Immerhin wird den Nutzern bei der Einrichtung auch die Wahl gelassen, welchen Weg sie bevorzugen.

Eine der beiden Optionen sticht etwas mehr hervor als die andere. (Screenshot: autocomplete-python)

Allerdings wird die Kite-Option bei der Installation deutlich stärker beworben. Unbedarfte Nutzer werden daher vermutlich eher diese Variante wählen. Da Kite jedoch cloudbasiert ist, muss der Quellcode des Nutzers auch an den Anbieter übertragen werden. Es bleibt anzunehmen, dass das nicht unbedingt jeder Entwickler möchte oder im Rahmen seiner Tätigkeit überhaupt darf.

Auch in diesem Fall kam es zu Kritik der Nutzer auf Github. Nachdem The Outline die Story aufgegriffen hat, weitete sich diese Kritik auch auf Websites wie Hacker News aus.

Fazit: So sollten Firmen nicht mit der Open-Source-Community umgehen

Kite hat die ganze Sache vor allem eines eingebracht: überwiegend negative Kommentare von Entwicklern, also von genau der Zielgruppe, die sie eigentlich von ihrem Dienst überzeugen wollen. Dabei hätte es gar nicht so weit kommen müssen. Eine schnelle Rücknahme und Entschuldigung im Fall von Minimap und eine bessere Kommunikation im Fall von autocomplete-python hätte vermutlich ausgereicht, um die Wogen zu glätten. Jetzt wird das Startup mit der negativen Außenwahrnehmung leben müssen.

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