Ratgeber

Wie du als kleiner Shop gegen Amazon gewinnen kannst

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  1. Klarheit / Übersicht / Usability

Zum Glück hat Larry Page die Internet-Suche mit Ranking erfunden; ohne die Onsite-Suche wäre Amazon nämlich verloren. Der Auftritt ist ein Überangebot an Drop-downs mit dutzenden Auswahlmöglichkeiten, Klickflächen und Slidern. Die vielen Schriftgrößen und -stärken verwirren mehr, als dass sie helfen. Im Design hat Amazon große Trends der letzten Jahre schlicht ignoriert – zum Beispiel gibt es noch reichlich runde Ecken bei den Buttons. Auch der Checkout missachtet die UX-Grundregeln zur Übersichtlichkeit. Für angemeldete Kunden gibt es zwar einen One-pager – aber der ist überladen mit Farben, Schriftstärken und Logos. Für Amazon ist es ein Glück, dass der Mensch nicht nur bequem ist, sondern auch lern- und leidensfähig.

Das Mode-Startup Grana hat seinen Shop gestaltet wie seine Kleidung: klar und simpel. Neben großflächigen Fotos dominieren Grau und Weiß mit der Akzentfarbe Kornblumenblau. Das Fotokonzept unterstützt die Ruhe, die die Seite ausstrahlt. Viel monochrome Hintergründe, klare Farben, ruhige Posen der Models. Hier schreit niemand vor Glück, hier ist Mode eine Haltung mit Stil. Der Shop folgt konsequent den Vorgaben des Flat Design, besonders im Checkout fällt die klare Struktur auf. Weiße Boxen auf hellem Grau, feine Typo, die wichtigsten Elemente im Grana-Blau. Es gibt keinen One-pager, aber auch ein Gast braucht nur zwei Schritte zur erfolgreichen Bestellung. Das Label aus Hongkong ist konsequent bis zum Letzten. Auch beim Abschluss hat man seine Ruhe. Wer nicht will, muss kein Kundenkonto einrichten.

  1. Emotionen

Große Gefühle löst der Einkauf bei Amazon selten aus. Der Shop ist in seiner Gestaltung, seinem Angebot und seinen Funktionen darauf nicht ausgelegt. Das Image des Konzerns trägt ebenfalls dazu bei. Am ehesten kommt wahrscheinlich Erleichterung beim Kunden auf, wenn per Amazon ein Problem, etwa der Wochenendeinkauf, mit ein paar Klicks verschwindet. Ein Thema, das für Kunden mit großen Gefühlen besetzt ist, sind Geschenke. Ja, Amazon hat eine Geschenkfunktion, mit der jeder Geburtstag, jeder Muttertag solide abgearbeitet werden kann. Sie ist bequem und dank Expresslieferung auch für Notfälle gut. Individuell und gefühlvoll ist das Schenken per Amazon aber nicht. Für 2,99 Euro werden die Geschenke in Beutel gesteckt, die Grußkarte dazu ist nüchtern. Auswahl gibt es keine. Jeder, der ein Paket mit dem „Jemand macht dir eine Freude“-Klebeband bekommt, weiß: Das war ein Last-Minute-Geschenk.

Das Startup Freubündel hat sich ganz dem Schenken mit Gefühl verschrieben – für Kinder von null bis sechs. Gehäkelte Rasseln, Holzspielzeug, handgemachte Kosmetik – die Gründerin Nadine Kästner-Otto stellt Geschenkpakete für Babys und Kinder zusammen, die Freubündel. Jeden Monat gibt es andere Dinge in ihrem Shop. Immer Produkte von Designer-Labels, die auf Handarbeit setzen, bis auf zwei Ausnahmen alle aus Deutschland. Kästner-Otto durchstöbert dafür das Netz, um immer wieder neue besondere Stücke zu finden. Besonders Instagram ist für sie eine Fundgrube. In jedem Produkt steckt die Leidenschaft der Hersteller, häufig Mütter, die ihre Leidenschaft für besondere Kinderprodukte zum Beruf gemacht haben. Verpackt werden die Geschenke dann auch in ein handgenähtes Tuch, auch die beiliegende Karte ist handgemacht. Die Freubündel gibt es auch als Abo-Geschenk für drei, sechs oder zwölf Monate. Sie werden oft an junge Eltern zur Geburt verschenkt. „Das macht etwa 20 Prozent des Umsatzes aus“, sagt Kästner-Otto. „Aber die meisten Freubündel schenken sich Eltern selbst.“ Bemerkenswert ist die Kundenbindung, die Kästner-Otto erzeugt. „Freubündel gibt es seit zwei Jahren und ich habe einige Kundinnen, die seit bald zwei Jahren jeden Monat ein Päckchen von mir bekommen.“ Emotionen können sich eben auch auszahlen.

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5 Kommentare
goerni
goerni

Schön wäre es jetzt noch, wenn die Autorin, welche immerhin Beraterin der digitalen und analogen Welt ist oder zu sein glaubt, den Sinn des Internet verstanden hätte und hier nicht so mit Links geizen würde.

Wenn man schon Beispiele nennt, dann sollte doch wohl eine Verlinkung für die entsprechenden Webseiten drin sein.

Viele Grüße

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Racer
Racer

ich denke deinen text zu tippen war aufwendiger als mit etwas copy and paste die webseiten zu finden. aber dann waere dir ja das vergnuegen genommen worden herumzunoelen.

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Goerni
Goerni

Ok, wenn natürlich jeder nur an sich denkt, kann man das so sehen.

Mir ging es um den generellen Linkgeiz, aber da muss man sich als durchschnittlich intelligenter Mitteleuropäer schon etwas anstrengen um das herauslesen zu können.

Abgesehen davon bedeutet eine höhere Usability auch immer eine höhere Kunden- bzw Leserzufriedenheit, aber wenn man nur kurzsichtig denkt, dann kann man da drüber weg sehen

HerrE
HerrE

„kleine Shops“
allein whisky.de gibt es seit 1994 und die haben Monatlich 1 Mio Visits!

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stefanstp08
stefanstp08

Wir von https://shop.psd-tutorials.de hatten auch unsere ganzen Produkte bei Amazon gelistet, was für aber schon für die letzten 150 Produkte nicht mehr gemacht haben, da komischerweise bei Amazon die Rücksendequote viel höher ist, als direkt bei uns im Shop.

Wir haben auch vor kurzem alles unternommen, um dem Shop-Kunden ein noch besseres Einkaufserlebnis zu bieten. Und die Produktpräsentation auf Amazon finde ich oft richtig schlecht. Aber auch ich kaufe natürlich auch gerne bei Amazon ein, weil man da immer weiß, dass man alles zurücksenden kann und sofort sein Geld zurückbekommt. Daher sollte man im eigenen Shop mit Persönlichkeit trumpfen, dass man sich zeigt und auch ständig möglichst erreichbar ist bei Fragen usw.

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