Kolumne

Klimaschutz braucht innovative Greentech-Unternehmer

Nachhaltigkeit in Unternehmen: Die Wirtschaft wird grüner. (Foto: Shutterstock)

Soll die Erderwärmung abgemildert werden, bedarf es nicht nur neuer Technologien. Vor allem die Gründer des Landes sollten endlich mehr unterstützt werden – seitens der Politik, Wirtschaft und Gesellschaft.

„Das Klimapaket ist Realitätsverweigerung“ – die Grünen-Fraktionsvorsitzende Katrin Göring-Eckhardt bringt es auf den Punkt: Das vom Bundeskabinett inzwischen verabschiedete Klimakonzept ist angesichts der rasant fortschreitenden Erderwärmung ein schlechter Witz. Auf 170 Seiten werden unzählige Kleinstmaßnahmen aufgelistet; das große Ganze bleibt dabei aber völlig außer Acht. Wenn es so weitergeht, wird Deutschland auch die selbst gesteckten 2030er-Klimaziele krachend verfehlen. Das „Klimapaketchen“ wird daran nichts ändern.

Klimaschutz geht weit über das Erzeugen von alternativen Energien hinaus – was wir wirklich brauchen, ist ein Generalplan, der nicht nur auf altbekannten Pfaden wandelt, sondern neue Technologien in den Fokus rückt. Um die eigenen Ziele in Bezug auf die Einsparung von CO2 überhaupt ansatzweise erreichen zu können, sind neue Produkte und innovative Verfahren im Bereich der Umwelttechnik unabdingbar.

Grüne Startups sind auf dem Vormarsch

Es gibt zahlreiche spannende Geschäftsideen, die unsere Welt nachhaltiger gestalten können: Tagein, tagaus arbeiten unzählige junge Gründer deutschlandweit an innovativen Konzepten, mit denen Energie eingespart, bestehende Ressourcen fairer verteilt und der CO2-Ausstoß reduziert werden kann. Laut dem aktuellen Green Start Monitor des Borderstep-Instituts für Innovation und Nachhaltigkeit sind zwei Drittel der Jungunternehmen bestrebt, eine positive gesellschaftliche und ökologische Wirkung zu erzielen. Ein Viertel aller Startups deutschlandweit wird bereits als „grün“ eingestuft.

Woran es vielen Startups jedoch mangelt, ist Kapital, um mit ihren Produkten Skaleneffekte zu erzielen. Das ist jedoch dringend notwendig! Denn nur wenn ein Artikel auch tatsächlich in wirtschaftlich sinnvollen Mengen hergestellt werden kann, sinken auf Dauer die Produktionskosten. So werden Mittel frei, um weitere Investitionen tätigen zu können. Außerdem kann nur so mit dem Produkt eine große Menge an Menschen erreicht werden, die Wert auf einen nachhaltigen Lebensstil legen.

Die Bundesregierung war zu Beginn ihrer Amtsperiode bemüht, möglichst viele Versprechen an die hiesigen Jungunternehmer in den Koalitionsvertrag aufzunehmen. 25 Maßnahmen haben insgesamt Eingang in die Vereinbarung gefunden. Sie reichen von vereinfachten Antrags- und Besteuerungsverfahren für Startups über neue Finanzierungsinstrumente bis hin zur Schaffung eines „nationalen Digitalfonds“. Zudem ist im November 2018 mit der Gründungsoffensive „Go!“ des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie eine Initiative gestartet, die dem Gründungsklima in Deutschland frischen Wind verleihen soll.

Mehr als nur Theorie

Doch was nützt all die schöne Theorie, wenn davon in der Praxis nichts ankommt? Ein Jahr nach der Verabschiedung des Koalitionsvertrags wurden laut dem Bitkom-Verband nur vier der 25 angekündigten Maßnahmen tatsächlich umgesetzt. Sollen Startup-Gründungen in der Bundesrepublik künftig möglichst unbürokratisch und einfach möglich sein, müssen also dringend auch die verbleibenden 21 Versprechungen in die Tat umgesetzt werden.

Damit ist es jedoch noch nicht getan. Generell gilt es, hierzulande ein finanzierungsfreundliches Klima zu schaffen, das Jungunternehmern die Angst vor der Existenzgründung nimmt. Daneben muss das Thema Nachhaltigkeit ganz oben auf die Agenda: von Politik, Wirtschaft, Unternehmen bis hin zu Privatpersonen. Nur wenn endlich alle begreifen, dass es in puncto Klimaschutz fünf vor zwölf ist, erhalten auch Greentech-Unternehmen die Unterstützung und Aufmerksamkeit, die sie so dringend zur Umsetzung ihrer Ideen benötigen.

Die Vernetzung ist entscheidend

Auch Kooperationen mit den hiesigen Mittelständlern und weiteren Unternehmen sind eine Chance – und zwar für beide Seiten. Auf diese Weise erhalten nicht nur die Startups die Möglichkeit, auf einen bestehenden Produktions- und Verkaufsprozess zuzugreifen. Auch die Alteingesessenen bekommen so die Gelegenheit, ihre Geschäftsmodelle unter Beteiligung der Startups fit für die Zukunft zu machen. Dank der auf diese Weise vergrößerten Absatzmöglichkeiten werden die Technologien zudem für jedermann schneller erschwinglich – eine Win-win-win-Situation für die Umwelt.

„Können nachhaltige Startups wirklich einen signifikanten Beitrag zu mehr Klimaschutz leisten?“, werdet ihr euch jetzt vielleicht fragen. Greta Thunberg hat uns eindrücklich gezeigt, wie bereits ein kleiner Protest große Wellen schlagen und die Welt verändern kann. Alleine mit einem Plakat in der Hand vor dem schwedischen Reichstag gestartet, hat die Klimaaktivistin inzwischen Millionen von Menschen weltweit zu mehr Engagement für den Klimaschutz motiviert. Beim dritten globalen Klimastreik von „Fridays for Future“ fanden am 20. September rund 500 Demonstrationen statt – ganze 1,4 Millionen Menschen waren allein in Deutschland auf der Straße.

Das Beispiel zeigt: Die Bevölkerung ist sensibilisiert. Immer mehr Menschen wird klar, dass wir nicht mehr länger warten können und uns mit aller Macht gegen den bevorstehenden Klimawandel stemmen müssen. Sie wollen mit anpacken und sich für einen nachhaltigen Lebensraum einsetzen. Auch grüne Gründer können einen signifikanten Beitrag für mehr Nachhaltigkeit und mehr Klimaschutz leisten. Wir müssen ihnen nur eine Chance geben – und das nötige Kapital.

Das große Ganze besteht aus vielen Einzelteilen: Unterstützen wir grüne Startups, wird unsere Wirtschaft, unser Konsum und unser Lebensstil nachhaltiger. So sind viele wichtige kleine Schritte für mehr Klimaschutz im Großen gemacht.

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