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Analyse

Wie Google Geld mit Klimaskeptikern verdient

(Foto: Shutterstock)

Nach außen gibt sich Google zum Thema Fake News geläutert. Wer aber „Climate Change“ in die Suchmaske eingibt, stößt auch auf Anzeigen von Klimaskeptikern. Wie passt das zusammen?

Es gibt wissenschaftliche Studien, die seit Jahren immer wieder belegen, dass der Klimawandel existiert und dass er menschengemacht ist. Und es gibt Menschen, die trotzdem lieber glauben, dass der Klimawandel nur ein Gerücht ist.

Zu letzterer Gruppe zählt Donald Trump, wie sich erst am Freitag wieder zeigte. Laut Meteorologen deutet sich an, dass es an Silvester im Osten der USA so kalt sein wird wie nie zuvor. Für den US-Präsidenten eine willkommene Nachricht: „Vielleicht könnten wir ein wenig globale Erwärmung gebrauchen“, lästerte er auf Twitter.

Er ist nicht der einzige, der den Klimawandel für einen Scherz hält. Obwohl sich die Fachwelt einig ist, dass sich unser Klima wandelt und dass wir Menschen dafür verantwortlich sind (wer sich genauer informieren will: Die Faktenlage wird hier oder auch hier ausführlich beschrieben), leugnen Organisationen und Einzelpersonen die globale Erwärmung. Mit Hilfe großer Technologieplattformen ist es für sie einfach geworden, ihre kruden Theorien zu verbreiten. Ein Bericht der New York Times zeigt nun, dass diese Schlacht in den USA unter anderem bei Google ausgetragen wird.

Google-Adwords hat ein Problem mit dem „Climate Change“

Wer dort die Worte „Climate Change“oder „Global Warming“ eingibt, stößt auf Anzeigen wie „Wissenschaftler widerlegen Klimaalarm“ oder „Der Schwindel mit der globalen Erwärmung: Warum die wissenschaftlichen Grundlagen nicht geklärt sind“. t3n.de konnte die Resultate zwar nicht exakt replizieren, aber bei der Google-Suche mit einem VPN tauchten auch bei unserer Recherche Anzeigen auf, die den Klimawandel zu widerlegen versprechen. Nach einer Anfrage der New York Times löschte Google nach eigener Aussage eine Anzeige. Um welche es sich handelte, gab der Konzern nicht bekannt.

Die ersten Treffer bei Google zum Thema „Climate Change“. (Screenshot: Google)

Das Beispiel veranschaulicht nicht nur, dass sich bei der Suchmaschine nach der großen Debatte um Fake News im US-Wahlkampf 2016 wenig verändert hat – Google verdient weiter an falschen Nachrichten, ohne Rücksicht auf die Wahrheit.

Der Algorithmus sorgt auch für genau die Filterblasen, die nach dem US-Wahlkampf 2016 stark kritisiert wurden: Wenn der New-York-Times-Reporter nach „Climate Change“ über seinen gewöhnlichen Browser googelte, tauchten keine Anzeigen von Klimawandelleugnern auf. Nutzte er ein privates Fenster, erschienen sie hingegen schon.

„Es wird immer schwieriger, unvoreingenommene Informationen zu finden.“ 

„Info-Kriege“ nennt Robert Brulle, Soziologieprofessor an der Drexel-Universität, die Anzeigenschlacht gegenüber der New York Times. „Es wird immer schwieriger für das Individuum, unvoreingenommene Informationen zu finden, denen es vertrauen kann.“ Es gebe zu viel anderes Material, das das Internet bevölkere. Und die Quellen dieser Seiten sind nicht immer klar. Um herauszufinden, von welcher Organisation die Informationen stammen, müssen Nutzer weiter suchen. Die Anzeige, die bei der t3n.de-Suche auftauchte und den Klimawandel als Schwindel bezeichnet, verweist auf die Website des konservativen Magazins The New Criterion, das ein Video mit dem Klimaskeptiker Mark Steyn bewirbt.

Mit der Veröffentlichung solcher Anzeigen verhält sich Google diametral zu den eigenen Adwords-Richtlinien zur Falschdarstellung. Dort heißt es, dass der Konzern nicht wolle, dass sich der Nutzer „durch die von uns ausgespielten Anzeigen in die Irre geführt fühle“. Man bemühe sich, die Informationen bereitzustellen, die Nutzer benötigen, um eine fundierte Entscheidung treffen zu können. Allerdings fokussiert sich die Suchmaschine bei dieser Aussage eher auf den Verbraucherschutz – sie will etwa vor Abofallen oder versteckten Versandkosten warnen.

Zwar nimmt Google an dem sogenannten „Trust Project“ teil. Die Initiative will Nutzern dabei helfen, Nachrichten von Satire oder sogar Falschmeldungen zu unterscheiden. Aber Google bezieht sie lediglich in der Sektion Google News ein. Nur dort werden Quellen mit verschiedenen Labels gekennzeichnet. Ähnlich sieht es bei den überarbeiteten Richtlinien der Suchmaschine aus: Künftig will sie Nachrichten, deren Herkunftsland unklar ist, rauswerfen. Bei Anzeigen scheint Google hingegen keine Einschränkungen zu machen. Die Richtigkeit der Inhalte ist dort offenbar nebensächlich.

Google widerspricht Vorwürfen

Google selbst sieht das anders: „Wir haben umfangreiche Richtlinien, die Nutzer, Werber und Verlage vor schädlichen und irreführenden Inhalten schützen“, heißt es in einer Erklärung gegenüber der New York Times. Dem Statement zufolge hat die Suchmaschine im vergangenen Jahr 1,7 Milliarden Anzeigen und 100.000 Herausgeber wegen Verstoßes gegen die Richtlinien aus ihrem Anzeigennetzwerk entfernt.

In Deutschland werben vor allem Organisationen wie Greenpeace oder Oxfam mit dem Begriff „Klimawandel“. Sie leugnen allerdings nicht dessen Existenz, sondern erklären stattdessen die Folgen. Dass weniger Anzeigen von Skeptikern der globalen Erwärmung auftauchen, könnte daran liegen, dass das Thema hierzulande nicht ganz so umstritten ist.

83 Prozent der Deutschen gehen davon aus, dass es den Klimawandel gibt, wie eine gemeinsame Umfrage der Universitäten in Stuttgart, Bergen und Cardiff sowie dem Forschungszentrum Zirius zeigt. In den USA liegt die Zahl der Skeptiker besonders in bestimmten Gruppen deutlich höher. Einer Studie zufolge glauben mehr als die Hälfte der Republikaner, dass das Klima auf natürliche Veränderungen reagiere. Nicht mal jeder Dritte hält menschliche Einwirkungen für die Ursache.

Die Debatte um die Verbreitung von Fake News kam im Verlauf des US-Wahlkampfes 2016 auf und hat auch in Deutschland zu hitzigen Diskussionen geführt. Vom russischen Staat unterstützte Gruppierungen sollen durch Falschmeldungen gezielt Einfluss auf die öffentliche Meinungen genommen haben. Aber auch aus rein finanziellen Interessen wurden Fake News lanciert. Seitdem hat sich der Druck auf Anbieter wie Google und Facebook erhöht, gegen das Fake-News-Problem vorzugehen.

US-Präsident Donald Trump hält die Debatte allerdings nicht davon ab, weiter seine Meinungen zu verbreiten – egal ob die Fakten dafür oder dagegen sprechen.

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Eine Reaktion
stefraneum

Es geht bei der von oben angezettelten Fake-News-Debatte nicht darum echte Falschnachrichten aufzudecken. Es geht einzig um die Durchsetzung der ebenso von oben kommenden Einheitsmeinung. Genauso wie der IPCC aus seinen Berichten alles herauslässt, was gegen einen menschengemachten Klimawandel spricht, soll auch sonst alle Kritik daran aus dem Netz verschwinden. Artikel wie dieser lassen mich vermuten, dass wir 2018 vermutlich endgültig die Inquisition 2.0 kriegen. Dass es einfach völlig unmöglich ist, das Klima für mehrere Jahrzehnte im Voraus zu berechnen: Fake-News. Das der größte Einfluss auf unser Klima von der Sonne ausgeht: Fake-News. Das Menschen von Warmphasen im Klima sehr profitiert haben: Fake-News. Das es Eisbären unter Umständen mehr hilft, wenn man damit aufhört sie abzuknallen, als mit dem Bus zur Arbeit zu fahren: Fake-News.

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