Analyse

Kodak-Momente: Warum sich Unternehmen auf Digitalisierung einlassen sollten

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Sie kann später per Update und gegen Aufpreis aufgespielt werden. Functions-on-Demand sind der stärkste Indikator für diesen Paradigmenwechsel von Atomen zu Bits. Ohne Software ist Hardware wertlos. Zur Beschleunigung trägt zudem die Virtualisierung bei. Dabei wird Hardware durch Software nachgebildet, wodurch – von der eigentlichen Hardware abstrahiert – die Physik effizienter genutzt werden kann. Die Hardware selbst wandert zunehmend in die Cloud. Clayton Christensen wies in seinem 1997 erschienenen Bestseller „The Innovator’s Dilemma“ präzise auf den folgenden Widerspruch hin: Für etablierte Unternehmen ist es rational, sich auf ihre profitabelsten Kundensegmente und Produktkategorien zu konzentrieren.

In der digitalen Welt entwickeln sich viele Parameter – wie Rechenleistung, Speicher, Bandbreite – exponentiell.


Sie ignorieren neue, disruptive Technologien, die nicht die Bedürfnisse ihrer besten Kunden erfüllen oder nicht in ihr bestehendes Geschäftsmodell passen. Neue Technologien sind nämlich oft den etablierten Produkten nur in Teilaspekten überlegen und in anderen Facetten deutlich schlechter. Ihnen gelingt der Markteintritt zunächst oft nur am unteren Ende oder in teuren Nischen. Es ist sehr schwer, diese Entwicklung rechtzeitig zu erkennen. In der digitalen Welt entwickeln sich viele Parameter – wie Rechenleistung, Speicher, Bandbreite – exponentiell. Jede Generation verdoppelt ihre Leistung.

Da das Ausgangsniveau jeder neuen Technologie bei null liegt, ist der schwerste Schritt der erste – von „Zero to One“, wie es in dem gleichnamigen Buch des Paypal-Mitgründers Peter Thiel heißt. Systeme, die exponentiellen Regeln unterliegen, wachsen zunächst langsam. Erst nach zehn Verdoppelungen ist die Tausendermarke überschritten, doch schon nach weiteren zehn Verdoppelungen die Millionenschwelle und nach noch einmal zehn Verdoppelungen schließlich die Milliardengrenze.

Aber das gilt nur im Modell. In der realen Welt wirken auf den exponentiellen Graphen eine dämpfende Sättigungsfunktion und disruptive Abbruchkanten in Form von Wettbewerb. Nur aus dem technologischen Fortschritt allein lassen sich kaum robuste Unternehmen begründen. Andy Grove, der Intel zum erfolgreichsten Chip-Produzenten formte, betitelte seinen Managementbestseller daher zu Recht mit „Only the Paranoid Survive“. Solange ein Produkt und ein Geschäftsmodell funktionieren, ist der Veränderungsdruck begrenzt. Gerade große Unternehmen sind extrem gut darin, einmal etablierte Produkte und Geschäftsmodelle sehr systematisch zu verfeinern und inkrementell zu verbessern. Kodak ist dafür ein Paradebeispiel. Das Unternehmen hatte immer sehr hohe Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten, große Labors und investierte viel in Innovation. Trotzdem wurde Kodak schließlich überrollt von der Digitalisierung, die den chemischen Filmprozess obsolet machte. Das alte Geschäft lief einfach zu lange zu gut. Auch weil Kodak es von Jahr zu Jahr immer wieder schaffte, das bestehende Produkt zu verbessern.

Hinter der Ablehnung der Digitalkameras steckte nicht zwingend Arroganz, denn weder das Unternehmen noch die Menschen, die dort arbeiteten, waren dumm. (Im Gegenteil: Es sind in der Regel schlaue Menschen, die sehr genau schauen, was funktioniert und was nicht.) Wenn sie ihre Kunden befragten, dann bekamen sie beispielsweise zur Antwort: Wir möchten einen Film haben, der noch leuchtendere Farben hat, sich noch schneller entwickeln lässt und noch unempfindlicher ist gegen Belichtungsschwankungen, wie man sie bei der Fotografie häufig hat.

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Ein Kommentar
Karl
Karl

Schöner Artikel. Bei den E-Autos bin ich allerdings skeptisch. Die wurden schon Anfang des 20. Jahrhunderts als die Zukunft des Automobils gesehen (nicht der Benziner!), man müsse nur noch das Problem mit den Akkus lösen … In über 100 Jahren konnte man dies strukturelle Problem nicht lösen. Die aktuellen Elektroautos sind in meinen Augen wenig innovativ. Da braucht es vielleicht ein ganz neuen Ansatz.

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