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Dieser Mann bringt Startup-Flair in die Bundeswehr

(Screenshot: t3n)

In den Changerider zu Philipp Depiereux und t3n steigt dieses mal Marcel „Otto“ Yon, der CEO des Cyber Innovation Hub bei der Bundeswehr ist. Er sieht sich an der Schnittstelle zwischen Startup-Szene und Militär.

„Wie wird die Truppe das aufnehmen? Wollen die überhaupt mit uns zusammenarbeiten?“ Als Serienunternehmer Marcel „Otto“ Yon vor zwei Jahren als CEO des neuen Cyber Innovation Hub der Bundeswehr startete, trafen zwei Welten aufeinander: Startup-Szene und Militär. „Traditionell sind das Militär und die Luftfahrt Treiber von Innovation und jetzt stellen wir plötzlich fest: Die Welt ändert sich und es kommen gigantische Innovationen aus der Startup-Welt.“ Der Cyber Innovation Hub versteht sich als Schnittstelle zwischen Startup-Szene und Bundeswehr. Wofür tritt er an? „Wir haben drei Missionen.“

Mission 1: „Mehr von Startups direkt einkaufen“

„Wir tragen dazu bei, dass die Bundeswehr mehr von Startups direkt einkauft. Wir wollen die Innovationen aus dem Startup-Ökosystem der Bundeswehr zugänglich machen.“ Yon ist bereits Startup-erfahren, denn er kommt aus der Entrepreneur-Szene, hat als Berater bei einer Investmentbank gearbeitet und um die Jahrtausendwende mehrere eigene IT-Firmen gegründet. Im Innovation Hub der Bundeswehr hat er nun viel kreativen Freiraum: „Da haben wir ein sehr cooles Produkt gefunden. Und zwar kommt das aus den USA, da gibt es Musik-Festivals in Nevada in der Wüste. Wenn da 500.000 Leute raven, bricht das Mobilfunknetz zusammen, dann können die nicht mehr kommunizieren. Also hat jemand die Idee gehabt, eine Funkantenne zu entwickeln, die mit dem Handy gekoppelt wird. Dadurch wird das Handy zum Funkgerät und man kann miteinander kommunizieren – unabhängig von Mobilfunknetzen.“ In Kombination mit anderen Software-Produkten wurde daraus schließlich ein sogenanntes Battle-Management-System entwickelt, das die Soldaten auf ihren Smartphones verwenden können.

Mission 2: „Wir sind der Ort in der Bundeswehr, in dem gearbeitet wird wie ein Startup“

Die Zusammenarbeit mit Startups ist nur ein Teil der Mission. Mit dem Cyber Innovation Hub hat Yon ein agiles und kollaboratives Umfeld geschaffen. Mission zwei lautet also, „Lean Startup als Methode weiter zu etablieren. Es gibt einen Grund, warum Startups immer häufiger rechts und links an großen Konzernen vorbeiziehen. Diesen Grund versuchen wir zu verstehen und zu meistern und ihn als Fähigkeit in das Portfolio der Bundeswehr einzubringen, damit auch die Bundeswehr diese agilen Vorteile für sich nutzen kann.“ Auf diesem Feld ist Deutschland neben den USA Pionier – mittlerweile haben auch weitere Länder wie Großbritannien oder Frankreich Digital Innovation Units in ihr Militär integriert. Doch nicht nur das Militär sollte von Innovation Hubs profitieren.

Zukünftig sollen auch weitere Behörden Innovationseinheiten aufbauen: „Man sieht den Trend auch in den USA und UK. Auch die Verwaltungen im zivilen Bereich haben so etwas und das hat super funktioniert. Meine Prognose ist, dass wir Digital Innovation Units in der Verwaltung in den nächsten zwei bis fünf Jahren explodieren sehen.“ Yon zieht Parallelen zur freien Wirtschaft, wo sich das Konzept von Digital Innovation Units schon seit längerer Zeit bewährt: „Der einzige Weg, Veränderung in eine so große Organisation zu bringen ist, diesen geschützten Raum zu haben, dieses Gewächshaus, wo eine kleine Pflanze erst einmal wachsen darf, bevor sie gleich weggeredet wird.“ Trotz aller Erfolge ist Yon mit seinem Cyber Innovation Hub innerhalb der Bundeswehr auch auf Widerstand gestoßen. Er spricht offen über Mobbing in der Bundeswehr und wie er mit anonymen Strafanzeigen umgegangen ist – die ganze Story auch im Podcast auf iTunes, Soundcloud oder Spotify.

Mission 3: „Die Innovationstreiber, die Furchtlosen, für die Bundeswehr gewinnen“

Doch was wäre eine Innovationseinheit ohne talentierte Innovationstreiber? „Wir sagen in der Startup-Welt: Team ist wichtiger als Business-Plan. Wir wollen genau diese Innovationstreiber für die Bundeswehr gewinnen – die Furchtlosen, die über Erfahrung gelernt haben, die vielen Hürden, die es in der Innovation gibt, zu überkommen. Deshalb besteht mein Team zur Hälfte aus Soldaten, zu anderen Hälfte aus Serienunternehmern, ehemaligen Chief Digital Officern und ähnlichen Talenten aus dem digitalen Ökosystem.“ Wie er diese für die Bundeswehr gewinnen konnte? „Die sind interessiert, weil sie verstehen, dass die Bundeswehr unglaublich anspruchsvolle Herausforderungen zu meistern hat, auch technologische – das macht ja Spaß! Jeder der einen Anspruch an sich selbst hat, hat Lust auf große Herausforderungen.“

„Wir müssen Diversity in Deutschland auf die nächste Ebene bringen“

Verbunden mit der Frage nach dem geeigneten Personal ist auch immer das Thema Diversity. Trotz der dreifachen Herausforderung – „Bundeswehr, Unternehmer und IT-Ecke“ – ist es Yon gelungen, dass sein Team zu 39 Prozent aus Frauen besteht, im Führungsteam sind es sogar 43 Prozent. „Ich finde es total wichtig, ein gender-diverses Team zu haben, wir müssen aber Diversity in Deutschland auf die nächste Ebene bringen.“ Yon meint damit: „Wenn ich mir ein x-beliebiges Ministerium oder einen Dax-30-Vorstand ansehe: Wie viele Startup-Unternehmer oder Wissenschaftler sind da eigentlich vertreten? Wir haben eine Gesellschaft, die sehr monolithisch in diesen Karrieresäulen aufgebaut ist. Ich würde mir wirklich wünschen, dass wir da mehr Durchlässigkeit reinbringen.“

Yon erzählt außerdem von seiner lehrreichen Zeit als Serial Entrepreneur und wie man mittels positiver Kommunikation „Technologien auf die nächste Ebene bringen kann“. Auch, dass es auch manchmal schwer ist, sich als Serienunternehmer zu motivieren, Neues anzufangen „und wenn man ganz ehrlich ist, aus Ego-Gründen. Denn wenn du mal etwas erreicht hast, alles was du neu anfängst, fängst du klein an. Das ist nicht wie die Konzernkarriere.“

„Wir stehen gerne zur Verfügung, um Erfahrungen zu teilen“

Am Ende der Fahrt appelliert Yon für die digitale und kulturelle Transformation des Verwaltungshandelns: „Ich glaube, dass Digital Innovation Units genau wie in der Wirtschaft auch im Verwaltungshandeln der richtige Weg sind, um das gemeinsam zu schaffen, um einen Schritt nach vorne zu machen. Deswegen, liebe Politiker, liebe Kollegen und Kolleginnen in der Verwaltung, wir stehen gerne zur Verfügung, um Erfahrungen zu teilen. Ich würde mir wünschen, dass dieses Konzept auch ins Verwaltungshandeln Einzug findet.“

Für eine weitere Fahrt im Changerider nominiert er er den holländischen General Wilfried Rietdijk, der mit seinen innovativen Ideen überzeugt und dem Ruf eines Changemakers vollständig gerecht wird.

Ihr kennt ebenfalls Querdenker, Gamechanger und unermüdliche Optimisten, die für den digitalen Wandel einstehen? Nominiert sie als Changerider-Mitfahrer!

Diese und alle weiteren Folgen sind als Video oder ausführliche Gespräche im Podcast auf iTunes, Soundcloud oder Spotify verfügbar.

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