Analyse

Konkurrenz aus China kommt: JD.com und Alibaba greifen den deutschen Onlinehandel an

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In Sachen Lieferlogistik haben JD.com und Alibaba in China das Meiste selbst in der Hand. (Bild: TonyV3112 / Shutterstock)

Umgekehrt könnte JD.com natürlich auch Unternehmenspartnerschaften schließen, die bestimmte Sektoren in China unterstützen können. Eher am Rande wurde vor einigen Tagen bekannt, dass Liu mit JD.com auch den Einstieg ins Versicherungsgeschäft plant und hierfür die Allianz als Partner gewonnen hat. Dabei dürfte es allerdings eher umgekehrt darum gehen, der Allianz zu einem erfolgreichen Geschäft im Reich der Mitte zu verhelfen (an dem JD.com natürlich auch gut verdienen würde).

Alibaba und JD.com: Komplettes Ökosystem für den Handel

Ein weiterer Name, der im Zusammenhang mit chinesischem Handel zwangsläufig fallen muss, ist Alibaba. Die waren in den letzten Jahren auf dem europäischen Markt deutlich präsenter als JD.com, hatten eine Repräsentanz und traten insbesondere bei Konferenzen und gegenüber anderen Handelspartnern in Erscheinung. Doch auch deren Bemühungen fokussierten sich in der Vergangenheit eher auf chinesische Zielgruppen: eine Kooperation hier, eine Bezahlmöglichkeit für chinesische Touristen auf Europareise dort. Auch das ändert sich gerade.

Alibaba ist ebenso wie JD.com bekannt dafür, nicht nur Onlinehandel zu betreiben, sondern gleich auch das passende Ökosystem drumherum aufzubauen: der Bezahldienst Alipay, das soziale Netzwerk Wechat mit Bezahlfunktion (via Tencent), dazu umfangreiche Auswertungsmöglichkeiten der Daten der Nutzer, die selbst Amazon noch neidisch werden lassen dürften. Und auch in anderer Hinsicht ist JD.com deutlich weiter als Amazon: Das Unternehmen hat, wohl auch mangels Alternative, die gesamte Logistikinfrastruktur für China in der eigenen Hand.
Hierzulande werden beide Unternehmen dagegen auf große Logistikpartner setzen, was diese nicht nur im Hinblick auf die Auftragsvolumina vor große Herausforderungen stellen wird. Selbstbewusst ist Richard Liu, der JD.com-Vorstandschef, auch in diesen Verhandlungen: „Wir treten hier nicht als ein einfacher Kunde von DHL auf, sondern als strategischer Partner. Wir sind dazu in intensiven Gesprächen, aber eine finale Entscheidung steht noch aus.“

Nach Medieninformationen baut Alibaba bald ein Logistikdrehkreuz im belgischen Lüttich auf und plant über einen Logistikpartner ein Lager in der Nähe von Prag, das aufgrund seiner geografischen Lage ideal für den deutschen Markt erreichbar wäre (und dem Unternehmen sicherlich weniger Probleme im Hinblick auf Mitbestimmungsrechte bereitet als die deutschen Lager für Amazon). Das Ziel von Alibaba-Gründer Jack Ma ist klar: Man wolle mittelfristig Waren binnen 72 Stunden in jeden Winkel der Welt liefern können. Und gerade im logistisch gut entwickelten Mitteleuropa wird es gar nicht so lange dauern.

JD.com und Alibaba könnten Handel in Deutschland „überrollen“

Für die kleineren deutschen Händler ist das – im Gegensatz zu den ganz großen wie Amazon, Zalando oder Otto Group – zunächst einmal keine schlechte Nachricht. Denn die fehlenden Alternativen gerade im Hinblick auf Handelsplattformen entwickeln sich aktuell zu einem Ungleichgewicht zugunsten Amazons. Mittelfristig besteht aber auch die Gefahr, dass der europäische E-Commerce regelrecht unter die Räder kommt. Denn die chinesischen Unternehmen, allen voran eben Alibaba und JD.com als Nummer 2 im Markt, wachsen Jahr für Jahr um weitere 50 Prozent, wie eine Studie der Unternehmensberater von Oliver Wyman ermittelt hat. Bis 2025 dürften sie einen Umsatz von 550 Milliarden Euro erzielen, was dann mehr wäre als die Top 10 im Onlinehandel zusammen realisieren.

Dabei liefern sich Alibaba und JD.com ein Rennen um die Vorherrschaft in China in der Digitalwirtschaft: Während in China aktuell zwei Drittel Marktanteil auf Alibaba entfallen und nur ein Drittel auf JD.com, kann JD.com deutlich höhere Zuwachsraten für sich verbuchen. Es wird ein spannendes Rennen bleiben, das sich in den nächsten Jahren insbesondere auch in den Industrieländern und nicht nur in den Emerging Markets entscheiden wird.

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2 Kommentare
Establihmentficker
Establihmentficker

Gut so………der rote Riese ist alle mal besser als der Yankee…….da beim Chinesen auch langfristige solide Rendite zählt.

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Stephan
Stephan

Das sehe ich nicht so. Leider kennen sie China zu schlecht.

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