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Ratgeber

So gehen Gründer in die Kooperation mit Konzernen – nicht alles, was Gold ist, glänzt

(Foto: Shutterstock)

Am Anfang sind die Hoffnungen riesig und die Erwartungen noch größer: Wenn Startups mit Konzernen zusammenarbeiten, gehen beide Seiten oft hochmotiviert an den Start. Nicht selten folgt auf die Flitterwochen dann die schnelle Ernüchterung und plötzlich verstehen sich die Turteltauben nicht mehr.

Woran liegt das, weshalb klaffen die Erwartungen so weit auseinander – und warum reden Startups und Konzerne so oft aneinander vorbei?

Kulturelle Unterschiede – agile Neugründungen gegen schwerfällige Branchengiganten

Dass in der Zusammenarbeit zwischen Neugründungen und Branchengiganten etwas schiefläuft, belegen die Zahlen: Laut eines Reports des weltweit agierenden Frühphasen-Venture-Fonds 500-Startups skalieren weniger als 25 Prozent aller Pilotprojekte von weltweit führenden Unternehmen überhaupt bis zur Marktreife. Viele Kooperationen sind schon von Anfang an zum Scheitern verdammt: Beide Kooperationspartner haben zu unterschiedliche Arbeitsweisen und -kulturen und können sich nicht aufeinander einstellen.

Startups sind von Natur aus schnell, flexibel und agil, setzen auf digitale Prozesse und können ihr Geschäftsmodell oft in wenigen Tagen umstellen. Große Konzerne hingegen sind wegen ihrer schieren Größe oft langsam. Das ist Segen und Fluch zugleich: Ihre Größe ist über Jahre aufgebaut, gibt ihnen Einfluss und Erfolg. Gleichzeitig führt das aber auch dazu, dass viele Prozesse und Strukturen nötig sind, um nicht im Chaos zu versinken und um wichtige Regularien zu erfüllen. So ist es aus Sicht eines Branchengiganten nicht ungewöhnlich, wenn sie für einen Startup-Deal mehr als sechs Monate benötigen – für ein nicht optimal vorbereitetes Startup bedeutet dies allerdings den Todesstoß. Sie sind zwar innovativ und treten mit dem Anspruch auf, den Markt von Grund auf umzukrempeln. Allerdings können die wenigsten mehrere Monate auf die Bezahlung einer Rechnung warten.

Oft kommt zu der Vielzahl an Prozessen noch ein innovationsfeindliches Denken in den Konzernen hinzu und eine gewisse Arroganz in Bezug auf die eigenen Prozesse. Dann sind Probleme vorprogrammiert. Denn auch dies gilt es bei der Kooperation zu beachten: Von welcher Seite aus im Unternehmen wird die Zusammenarbeit getrieben? Ist es lediglich eine neu ins Leben gerufene Innovationsabteilung mit drei Mitarbeitern, die sich intern auch noch gegen Skeptiker durchsetzen muss? Oder stehen Management, Führungskräfte und Team voll und ganz hinter der Suche nach Innovationen und sind offen für neue Ideen?

Gerade in Deutschland bedienen sich etablierte Unternehmen zudem oft bei den Ideen von Startups und versuchen, diese mehr schlecht als recht nachzubauen. Besonders in der Automobilbranche ist der Mythos des allwissenden deutschen Ingenieurs, der es deshalb eh besser kann, noch sehr mächtig. Das führt leider dazu, dass es in Deutschland kein optimales Ökosystem für Investments und Startups gibt: Konzerne sind es oftmals nicht gewohnt, bei Innovationen mit externen Technologien zu arbeiten und haben deshalb auch nicht den Willen, große Investitionssummen und -massen freizulegen. Für viele Startups sind die USA oder China, wo der Kapitalfluss sehr viel einfacher ist, viel verlockender.

Für Gründer: Macht eure Hausaufgaben!

Was also tun? Für Startups gilt: Macht eure Hausaufgaben! Schaut euch genau an, um welches Unternehmen es sich handelt und inwieweit es auf die Zusammenarbeit mit Startups überhaupt vorbereitet ist. Stellt euch dafür folgende Fragen:

  • Gibt es schon erfolgreiche Vorgängerprojekte oder seid ihr das erste Versuchskaninchen?
  • Erhaltet ihr Unterstützung aus dem C-Level des Unternehmens oder sprecht ihr mit Mitarbeitern, die eure Ideen gegen interne Skeptiker verteidigen müssen?
  • Steckt eine echte Strategie dahinter oder will der Konzern lediglich auch mal „irgendwas mit Startups“ machen?
  • Sitzen Leute aus den Fachabteilungen mit am Tisch, mit denen ihr inhaltlich in die Tiefe gehen könnt?
  • Oder versteht euer Gegenüber gar nicht, was ihr eigentlich warum genau so macht?

Gleichzeitig müsst ihr aber auch bei euch ansetzen:

  • Seid ihr überhaupt dazu bereit, mit einem großen Unternehmen zusammenzuarbeiten?
  • Könnt ihr auch Durststrecken überwinden und habt genügend finanzielles Backup, um die langen Prozesse zu überstehen?
  • Seid ihr wirklich realistisch in eurer eigenen Einschätzung oder überschätzt ihr euch selbst?

Außerdem: Nicht alles, was etabliert ist und nach eingefahrenen Strukturen riecht, ist auch automatisch schlecht. Seid offen, dazuzulernen und euch zu verändern. Gerade bei eher trockenen Themen wie der Buchhaltung könnt ihr von der jahrzehntelangen Erfahrung der Konzerne enorm profitieren und Einblick in gewachsene Strukturen erhalten.

Für Konzerne: Der Wille ist entscheidend

Für Konzerne gilt: Euer Wille ist entscheidend! Ohne die Offenheit für neue Ideen und Prozesse geht es nicht. Nicht alles, was man selbst macht und schon ewig so gemacht hat, ist auch automatisch besser. Gerade die Automobilbranche muss hier noch weiter umdenken und offener dafür werden, mit externen Technologien zusammenzuarbeiten.

Der Wille zum Wandel muss auf allen Ebenen gegeben sein – das Management muss geschlossen dahinterstehen und Führungskräften und Mitarbeitern mit Ressourcen und Kompetenzen den Rücken stärken. Nur so können Startups neue Ideen ins Unternehmen tragen und zu einem wirklichen Wandel beitragen. Und auch hier gilt: Vorbereitung ist alles! Das bedeutet auch, dass neben den Rahmenbedingungen wie verschlankten und beschleunigten Prozessen die Fachabteilungen mit am Tisch sitzen müssen. Denn sie wissen am besten, wo der Schuh drückt und können neue Ideen angemessener bewerten als Laien.

Die Zusammenarbeit mit Startups kann gleichzeitig auch Impuls sein, um in anderen Bereichen verfahrene Strukturen neu aufzurollen. So profitiert nicht nur die Abteilung von dem Projekt, die es letztendlich umsetzt: Das gesamte Unternehmen kann schlanker und agiler werden. Aus der Kooperation mit Startups entsteht so ein Kulturwandel, der das Unternehmen auf lange Sicht positiv beeinflusst.

Die Mühe lohnt sich – für beide Seiten

Für beide Seiten liegen die Vorteile einer Zusammenarbeit auf der Hand: Startups profitieren enorm von einem Schub an Glaubwürdigkeit, sobald ein großer Name hinter ihnen steht. Nebenbei unterstützt eine groß angelegte Kooperation die Skalierung und Internationalisierung des Geschäftsmodells massiv. Und Konzerne erhalten, neben Zugang zu innovativen Technologien, nicht zuletzt auch kulturelle Impulse für neue eigene Entwicklungen, Ideen und Lösungsansätze.

Dabei ist zwar nicht alles Gold, was glänzt. Beide Partner müssen ihre Hausaufgaben machen und genau überlegen, warum sie eine Zusammenarbeit eingehen wollen und ob sie darauf wirklich vorbereitet sind. Sind diese Grundvoraussetzungen jedoch erfüllt, sind Kooperationen zwischen Konzernen und Startups genau der Treiber für Innovation, der der deutschen Wirtschaft lange gefehlt hat. Offene Innovation muss man wollen – doch wer es richtigmacht, kann nur gewinnen.

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