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Wirbel bei Tor: Jacob Appelbaum verlässt das Projekt – nach heftigen Vorwürfen

(Foto: Tor Project)

Jacob Appelbaum war jahrelang das Aushängeschild für das Tor Project. Nun hat er das Projekt verlassen. Die Gründe dafür sind unklar, doch in den sozialen Medien werden heftige Vorwürfe laut.

Jacob Appelbaum verlässt das Tor Project. Die Gründe sind noch unklar. #FLICKR#
Jacob Appelbaum verlässt das Tor Project. Die Gründe sind noch unklar. (Quelle: Flickr)

Tor Project trennt sich von prominentem Fürsprecher

Auf den ersten Blick liest sich der Blog-Eintrag wie eine gewöhnliche Personalie. „Der langjährige Fürsprecher, Sicherheitsexperte und Entwickler Jacob Appelbaum ist von seiner Position beim Tor Project am 25. Mai 2016 zurückgetreten“, heißt es auf dem Blog des Projekts.

Die Nachricht ist eine Überraschung: Appelbaum vertritt das Anonymitätsnetzwerk Tor seit Jahren, er hat sich einen Namen als Sicherheitsexperte gemacht und arbeitet auch als Journalist, hat unter anderem Beiträge für den „Guardian“ und den „Spiegel“ verfasst. Auch an den Snowden-Enthüllungen war er beteiligt. Trotzdem äußert sich das Tor Project in seinem Blog nicht weiter zu der Personalie. Keine Danksagung, keine bösen Worte, nur ein Satz.

Auf Twitter sieht die Situation anders aus. Dort tummeln sich seit Freitagabend etliche Anschuldigungen gegen Appelbaum. So schreibt eine Parser-Entwicklerin in dem sozialen Netzwerk, dass das Tor-Statement ein schlechter Dienst an der Gemeinschaft des Projekts sei. Diese verdiene zu wissen, warum der Sicherheitsexperte das Netzwerk verlassen hat. Auf Nachfrage fügt sie hinzu: „Jake“ habe nun offenbar genug Menschen vergewaltigt, sodass es das Tor Project nicht mehr habe ignorieren können.

Die Tor-Chefentwicklerin Andrea Shepard schreibt Ähnliches. Es scheine, als sei ein Vergewaltiger ein Vergewaltiger zu viel. Auf Nachfrage von t3n.de schreibt sie von „mehreren Vorwürfen wegen sexueller Gewalt“ und verweist auf die Seite jacobappelbaum.net. Dort tummeln sich noch mehr Anschuldigungen gegen den früheren Fürsprecher des Tor Projects. Die Website beschreibt sich als Community von Menschen, die von Jacob Appelbaum „belästigt, plagiiert, gedemütigt und missbraucht wurden – sowohl sexuell, emotional als auch physisch“.

Auf der Website werden auch Erfahrungsberichte geteilt, allerdings anonym. So soll Appelbaum Menschen sexuell belästigt und missbraucht haben. Eine Frau schreibt: „Ich bin dankbar für die Leute, die dafür gekämpft haben, das Richtige zu tun, als sie von Jacobs Taten erfahren haben. [...] Das Tor Project sollte dafür anerkannt werden, wie es der Situation respektvoll und würdevoll begegnet ist.“

Die Anschuldigungen lassen sich nicht prüfen. Das Tor Project hat sich auf Anfrage von t3n.de bislang nicht zu den Hintergründen geäußert. Auf „Hacker News“ finden sich auch Befürworter von Appelbaum, die seine Arbeit loben und von einem Verlust für Tor sprechen. Einige sehen Ähnlichkeiten mit dem Fall Julian Assange. Auch der Wikileaks-Gründer war 2010 der Vergewaltigung beschuldigt worden. Jacob Appelbaum hat sich bislang nicht zu den Vorwürfen geäußert. Eine Anfrage von t3n.de ließ er unbeantwortet.

Update, 05. Juni 2016, 00:30 Uhr: Das Tor Project hat am Samstag doch noch ein Statement veröffentlicht. Die Geschäftsführerin, Shari Steele, meldete sich in einem Blog-Eintrag zu Wort. Darin schreibt sie: „Die Vorwürfe gegen Jacob Appelbaum waren für alle bei Tor nicht total neu.“ Sie deckten sich mit Gerüchten, die schon seit einiger Zeit die Runde machten.

Dass Appelbaum erst jetzt seine Position verließ, hänge damit zusammen, dass die neuen Anschuldigungen sehr viel ernster und konkreter seien als alles, was man zuvor mitbekommen habe. Steele weist aber auch darauf hin, dass man nicht genau wisse, was passiert sei, und dass man nicht alle Fakten habe. Das Tor Project hat deshalb eine Anwaltskanzlei beauftragt, die das Netzwerk nun berät. Vorerst will man den einzelnen Fällen nachgehen, soweit möglich. Opfer sollen sich bei Steele direkt melden.

Ein weiteres Statement zu den Vorwürfen plant das Tor Project nicht. Steele: „Aus Respekt für die involvierten Individuen planen wir nicht, die Ergebnisse unserer Nachforschungen zu veröffentlichen.“

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2 Reaktionen
Lisa Hegemann

Hallo Atze,

danke für deinen Kommentar. Als wir den Artikel am Samstag veröffentlichten, war noch nicht klar, ob die Vorwürfe begründet sind oder nicht. Es klang zunächst nach einem internen Zwist. Jetzt, da die Vorwürfe bestätigt sind, passt das natürlich nicht mehr ganz.

Allerdings muss man sagen: Auch wenn Appelbaum kein Entwickler war, so war er doch ein Aushängeschild für das Projekt, hat Tor nach außen vertreten. Er wurde als Teil des Teams wahrgenommen. Daher kann man seinen Abgang nicht außen vor lassen.

Viele Grüße aus dem t3n-Team!

Atze

Was heißt "Krach bei TOR"? Jake war nur so eine Art Pressesprecher / Evangelist für das Projekt, kein Entwickler. Von ihm hat man sich getrennt, weil er nicht mehr tragbar ist.

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