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Kreative Bewerbung: 9 kleine Tricks, die jeden Personaler verblüffen

Kreative Bewerbung. (Grafik: Shutterstock)

Nur wenige Augenblicke bleiben, um Personaler von sich zu überzeugen. Mit einer kreativen Bewerbung können Jobsuchende ihre Chancen erheblich steigern. Wir zeigen, welche Tricks helfen.

Beginnen wir mit einer kleinen Schätzfrage, liebe Bewerber: Wie lange nehmen sich Personaler wohl Zeit für die Sichtung eurer Unterlagen? 20, zehn oder fünf Minuten? Alles falsch: Deutlich weniger! Im Durchschnitt sind es gerade einmal 60 bis 120 Sekunden, wie eine Umfrage des Institute for Competive Recruiting unter mehr als 250 Personalern ergab. Die Zahlen zeigen: Für Bewerber ist es extrem wichtig, auf Anhieb aus dem Stapel an Bewerbungsmappen hervorzustechen.

Kreative Bewerbung: So klappt’s garantiert

Selbst wer über das passende Profil verfügt, Berufserfahrung vorweisen kann und mehrere Jahre im Ausland gewesen ist, hat die Einladung zum Vorstellungsgespräch noch lange nicht sicher. Das Salz in der Suppe ist deshalb die Kreativität, die Bewerber bei der Formulierung und Gestaltung ihrer Unterlagen an den Tag legen. Worauf es ankommt? Wir haben neun nützliche Tipps zusammengetragen.

Schreib auf, was du nicht kannst

Bewerber wollen sich nur von ihrer Schokoladenseite zeigen. Karriereratgeber predigen schließlich immer wieder, im Lebenslauf nur die fachlichen und persönlichen Stärken in den Vordergrund zu stellen. Statt „Mir kommt kein gerader Satz auf Englisch über die Lippen“ schreiben wir brav: „Ich verfüge über gute Englischkenntnisse“. Dabei kann auch die Angabe von Schwächen wertvolle Pluspunkte einbringen.

Im Lebenslauf darf auch stehen, was Bewerber nicht können. (Foto: Shutterstock)

Im Lebenslauf darf auch stehen, was Bewerber nicht können. (Foto: Shutterstock)

Karriereberaterin Svenja Hofert beispielsweise wagte mit einem Kunden, einem kaufmännischen Leiter Mitte 40, ein Experiment: Die im Lebenslauf dargestellte Rubrik „Was ich kann“, die die Stärken auflistete, wurde vom Bewerber zusätzlich um den Abschnitt „Was ich nicht kann“ ergänzt. „Selbstdarstellerisch präsentieren, programmieren, verhandlungssicher Französisch sprechen“, gab er dort an.

Das Ergebnis: Rund 25 Prozent der insgesamt 50 adressierten Personaler luden Hofers Kunden zum Vorstellungsgespräch ein. Im Vergleich mehr als bei klassischen Bewerbungen mit der alleinigen Angabe von Stärken (15 bis 20 Prozent). Zudem habe es im späteren Gespräch durchweg positive Reaktionen gegeben, sagt Hofert: „Die Personaler waren über so viel Ehrlichkeit überrascht.“

Nutze Cliffhanger im Anschreiben

Cliffhanger kennen wir normalerweise aus Kriminalromanen: Mit ein oder zwei kurzen, aber knackigen Sätzen am Kapitelende wird der Leser zum Umblättern genötigt. Aber in einer Bewerbung? Was hat der Unfug dort bitte verloren? Immerhin wird uns in Ratgebern immer wieder vorgebetet, uns an formale Standards zu halten.

Dennoch lassen sich Personaler mit einem Cliffhanger garantiert verblüffen. Wie wäre es zum Beispiel mit folgendem Satz: „Sie wollen wissen, wie ich mein China-Projekt in einer kritischen Phase doch noch zum Erfolg gelenkt habe? In meiner anhängenden Projektliste erfahren Sie mehr.“ Der Clou: Vor allem im Anschreiben, wo auf wenig Platz möglichst viel Informationen untergebracht werden müssen, kann so ein Satz überzeugen. Er stärkt das eigene Profil und bleibt im Gedächtnis. Zwei entscheidende Voraussetzungen für eine Einladung zum Vorstellungsgespräch.

Beginne mit einem furiosen ersten Satz

Auch sonst kann man sich für eine kreative Bewerbung prima an literarischen Handwerkszeugen bedienen. Idealerweise gleich im ersten Satz des Anschreibens. Schon der Journalist und Sprachkritiker Wolf Schneider sagte: Beginne furios!

Also: Statt Personaler mit Floskeln wie „Mit großem Interesse habe ich Ihre Stellenanzeige im Wittlager Kreisblatt gelesen“ oder „Hiermit bewerbe ich mich um eine Stelle als Schlafforscher“ zu langweilen, sollten Bewerber lieber direkt mit der Tür ins Haus fallen und zeigen: Ich habe mich über das Unternehmen informiert und bin überzeugt, genau auf diese eine Stelle zu passen!

Ein tolles Beispiel liefert Nora Feist von der PR-Agentur Mashup Communications: Auf eine Stellenausschreibung antwortete eine Bewerberin im ersten Satz des Anschreibens so: „Facebook-Junkie? Head of Headlines? Social-Media-Addict? Bingo! Begeisterungsfähig und neugierig wie ich bin, fühle ich mich vom innovativen und wegweisenden Profil von Mashup magisch angezogen und bin hochmotiviert, ein Teil Ihres Teams zu werden.“ Ach ja: Wichtig ist natürlich, dass Bewerber bei den Formulierungen authentisch bleiben und ihre Motivation auch überzeugend im Vorstellungsgespräch untermauern können.

Nutze eine horizontale Timeline als Lebenslauf

Eine kreative Bewerbung geht über Cliffhanger und furiose erste Sätze hinaus. Vor allem der sonst so standardisierte Lebenslauf bietet dank unzähliger Vorlagen und Templates viele Möglichkeiten zur kreativen Gestaltung. Statt einer schlichten Tabelle kann man das persönliche Profil zum Beispiel mit einer Infografik aufpeppen.

Eine kreative Bewerbung lässt sich zum Beispiel mit einem horizontalen Lebenslauf erzielen. (Foto: Resume.up)

Eine kreative Bewerbung lässt sich zum Beispiel mit einem horizontalen Lebenslauf erzielen. (Foto: Resume.up)

Der Dienst Resume.up beispielsweise verwandelt den Lebenslauf in einen horizontalen Zeitstrahl. Einmal mit dem Facebook- oder Linkedin-Account verknüpft, werden die einzelnen Stationen und Qualifikationen als bunte Balken illustriert. Gerade in der Kreativbranche lassen sich so wertvolle Pluspunkte sammeln.

Der Bewerbungsexperte Branko Woischwill rät aber dazu, einen solchen Zeitstrahl nur bei Initiativbewerbungen zu nutzen, um sich eine erste Tür zu öffnen. Der Hinweis, dass man die klassischen Unterlagen gerne noch nachreiche, reicht dann aus.

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10 Kommentare
Stefan
Stefan

Hier gibt es auch 7 tolle Bewerbungsvorlagen, die sich extrem aus der Masse abgrenzen: https://shop.psd-tutorials.de/produktdetails/bewerbungsvorlagen-modern-kreativ-und-professionell–209

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mauwi
mauwi

Eine weitere Möglichkeit ist es, ein „Pre-Project“ für das Unternehmen zu machen und so sein Engagement und Arbeitsweise darzustellen. Näheres hier: https://medium.com/p/6f49a65f5491

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Bernd Burkert

Mein Tipp #1 wäre: Versetzt euch in die Lage des Empfängers!
Das gilt übrigens auch für dieses Kommentarfeld, das praktich mit Tablet kaum zu nutzen ist.
Merke: Wenn Du willst, dass jemand etwas tut, stell keine Hindernisse in den Weg!

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Christopher

Das sind einige schöne Beispiele, die teilweise sicherlich vor allem durch den damit erzeugten Überraschungseffekt erfolgreich waren. Bei den meisten der genannten Beispiele handelt es sich um Bewerbungen für Jobs in einem kreativen Umfeld. Dadurch lässt sich eine gelungene kreative Bewerbung sowohl optisch als auch inhaltlich problemlos als erste Arbeitsprobe bewerten.

Ich denke im Allgemeinen sollte man als Bewerber(in) aber auch bedenken, dass kreative Bewerbungen nicht ausschließlich positiv bewertet werden müssen – auch wenn diese nach meinem Empfinden durchaus absolut erfrischend sein können.

Die Bewerbung im Corporate Design (Beispiel 6) ist für mich ein spannender Mittelweg zwischen „langweiligem“ Standard und überzogener Kreativität. Mit dem Design macht man dann im Prinzip nichts falsch (ein Unternehmen wird das eigene Corporate Design wohl eher selten kritisieren) und verleiht der Bewerbung rein optisch ein hohes Maß an Individualität. Wenn man dann noch inhaltlich auf die Anforderungen eingeht und mit entsprechenden Qualifikationen und Fähigkeiten punkten kann, dann ist das sicherlich eine spannende Alternative.

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Sven
Sven

Zunehmend Sinnlos bei größeren Unternehmen. Aufgrund der zunehmenden Zahl an Online-Bewerbungs-Systemen, ist nicht mehr viel mit Kreativität. Selbst wenn noch „Papierbewerbungen“ möglich sind, werden die Daten beispielsweise von einer Praktikantin in einer Datenbank erfasst.
Die Vorselektion übernimmt dann der Rechner mit den abenteuerlichsten Algorhytmen. ;-)

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Bewerbungs-Fluten managen
Bewerbungs-Fluten managen

In der HR-Vorlesung hiess es, das auch gelernte Personaler einen halben Tag für die Formulierung eines Anschreibens brauchen.
Lebenslauf usw. müssen einen guten Eindruck machen, aber das Anschreiben ist der erste Haken der das Abrutschen der Bewerbungsmappe in den „Absage“-Stapel verhindert. Man will ja im „unbedingt Einladen“ oder „vielleicht Einladen“ Stapel landen.
Wenige Bewerbungen die die wie Faust aufs Auge passen sind also wohl besser als erzwungenermaßen 50 Bewerbungen pro Woche wegschicken zu müssen. Da macht man sich dann natürlich Freunde wenn man 0815 gleich erkennen lässt das man nicht wirklich dort arbeiten will. Arbeitgeber wissen ja das man Abzüge kriegt wenn man sich nicht ständig bewirbt und dadurch bei einfacheren Stellen ein anscheinend gewolltes Rauschen existiert statt mal die Ursachen zu regeln und für Effizienz zu sorgen…

@Bert Burkert: Genau. Die haben 100-500 Bewerbung auf dem Tisch die sie durchchecken müssen. Oft ja auch nur eine HR-Abteilung die das für die Fachabteilung erledigt welche dann von den Bewerbern überrascht werden… Auf der anderen Seite hat man kleine Firmen wo der Chef noch selber einstellt, dafür (und für vieles andere) leider keine Schulung oder zumindest Checklisten als Unterstützung hat, obwohl der iPad auf dem Tisch liegt. Ohne Abmahnungen hätte ich das längst realisiert damit die Passenden die passenden Stellen besetzen. Erwartet man von der EM/WM-Fußball-Nationalmannschaft oder dem Management des eigenen Arbeitgebers ja auch.

@Sven: Danke für den Hinweis das die Bewerbungs-Plattformen Vorgänge in vielen Branchen und Teilaspakten der Firma verändern (z.b. bei Autohändlern). Schade das oft kaum Hintergründe berichtet werden :-( Da könnte man ohne viel Arbeit viele Artikel und Berichte wie diese über Studien deutlich aufwerten.
Aber auch die digitalen Systeme taugen wenig und helfen der HR-Abteilung oft nicht wirklich und Papier wie bisher wäre oft nicht viel langsamer und ist oft haptisch schneller.

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keramlive
keramlive

ich persönlich finde die Bewerbungsvorlagen auch sehr kreativ und schlicht.
http://topdesign24.com/bewerbung-deckblatt-2016

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Persephone
Persephone

Hm , die Tipps finde ich jetzt nicht so der Burner.
Bei seinen Fähigkeiten soll der Bewerber darauf achten, keine Floskeln und Lufthülsen zu verwenden, sondern sich so gut und präzise zu beschreiben, wie es für ihn nur irgend möglich ist. Da werde ich einen Kehricht tun, mir so ein nichtsnutziges Defizit-Sprüchelchen in den Lebenslauf zu schreiben. Mag ja sein, dass es unter euch Männer so funktioniert aber wenn diese Fähigkeiten Voraussetzung für die Stelle ist, brauche ich mich erst gar nicht darauf zu bewerben. Auf der anderen Seite macht es noch weniger Sinn, mit Schwächen zu kokettieren, die nichts mit der ausgeschriebenen Stelle zu tun haben. Ich kann es mir jedenfalls nicht vorstellen, dass eine PTA , die sich beim Hautarzt oder als Bankkauffrau bei der örtlichen Raffeisen bewirbt, eher zum Vorstellungsgespräch eingeladen wird, wenn in ihren Unterlagen steht: Was ich nicht kann: Traktor fahren, Cocktails mixen, verhandlungssicher Südkoreanisch sprechen. Was anderes ist es nämlich nicht.

Ein Cliffhanger in der Bewerbung als Karrierelift, der zur ausgeschriebenen Stelle passt und nicht erfunden ist. Gibt es das denn überhaupt? Der Leser wird hier jedenfalls, über den weiteren Verlauf der Geschichte im Dunklen gelassen.. Den Cliffhanger können wir getrost in die Tonne kloppen, der bringt uns nichts ein.

„Facebook-Junkie? Head of Headlines? Social-Media-Addict? Bingo!
Hier muss ich sagen, habe ich nicht verstanden. Liegt wahrscheinlich daran, dass ich den Text der ausgeschriebenen Stelle nicht kenne. Der angegebene Link funktioniert auch nicht.

Gestalte die Bewerbung nach dem Corporate Design
Genau, das machen wir jetzt alle, nur leider kann ich gar nicht viel erkennen und drauf klicken bringt nichts.

Über horizontale Lebensläufe kann jeder denken was er will. Für mich sehen sie aus wie gewollt und nicht gekonnt, da helfen auch keine bunten Kringel.

MERKE: Gute Rat ist eben teuer!

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Karl Marks
Karl Marks

#1 ist doch überhaupt nicht repräsentativ.

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Martin

Fakt ist – man muss sich von der Masse abheben. Da ist eine besondere Bewerbung schon hilfreich und grundsätzlich besser als ein schnödes A4 Anschreiben mit Lebenslauf. Sofern alles seriös bleibt und nicht albern wird, zeigt eine individuelle Bewerbung die eigene Kreativität, Selbstbewusstsein und Mut eines Bewerbers. Von daher finde ich die Tipps gut!

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