Kolumne

Krisenherd Doppelspitze: „Geteilte Arbeit darf nicht doppelte Arbeit sein!“

(Foto: Shutterstock-Stokkete)

Geteilte Chefposten liegen im Trend. Ein Ungleichgewicht der Doppelspitze kann einem Unternehmen aber massiv schaden, warnt Autorin Isabell Prophet. Aber es gibt Abhilfe.

Wie gehe ich mit meinem launigen Chef um? Wie setze ich Heimarbeit durch? Wäre eine Vier-Tage-Woche wirklich besser für uns? Und geht es mir besser, wenn ich aus der Stadt herausziehe? Mit solchen Fragen befasst sich die Autorin Isabell Prophet. Für t3n.de beantwortet sie regelmäßig die Fragen der Leser zu Glück und Arbeit.

Frage: Ein Kollege und ich leiten gemeinsam ein Großprojekt unserer Firma. Für ihn ist es der erste Leitungsposten, ich hatte schon ähnliche Projekte, aber keines in dieser Größenordnung. Er ist morgens als Erster da und findet abends den Absprung nicht. Wenn er mal nicht im Büro ist, ist er ständig erreichbar, klinkt sich über Slack in jeden Chat des Teams ein.

Erstens fühle ich mich kontrolliert, obwohl wir gleichgestellt sind. Zweitens habe ich Angst, dass es meiner Karriere schadet, wenn ich nicht ähnlich umfassend verfügbar bin. Das kann ich aber gar nicht leisten, weil meine Familie auf die Barrikaden gehen würde. Und drittens: Dadurch, dass er immer da ist, nimmt unser Team ihn mehr als Chef wahr als mich. Soll ich mich (wenigstens zeitweise) auf das Rennen einlassen?

Antwort: Bitte nicht. In ein Rennen um die längste Arbeitszeit einzusteigen, wäre das wirklich schlimmste, was du deinen Kollegen antun könntest – und dir selbst. Die Gründe dafür hast du selbst schon festgestellt: Ihr fühlt euch kontrolliert und ein Leben außerhalb des Jobs gibt es auch noch. Es würde euch auch wenig nutzen: Die Leistung steigt nicht proportional zur Arbeitszeit an. Im Gegenteil.

Ihr zwei habt recht unterschiedliche Vorstellungen davon, wie ihr an eure Position heran geht. Der Unterschied zwischen dir und deinem Kollegen scheint der Druck zu sein, unter dem ihr steht. Dein Druck schaut auf dein Leben insgesamt: Du willst Zeit mit deiner Familie verbringen, möglicherweise sogar noch mit Freunden oder Hobbys. Chefs dürfen das!

Es bleibt aber zu bedenken, dass ihr beide euch in eurer neuen Rolle als Leiter eines Großprojekts erst noch beweisen müsst und das verlangt einen gewissen Einsatz von euch, der über den hinausgeht, den ihr vorher gezeigt habt. Genau das versucht dein Kollege gerade – und schießt dabei übers Ziel hinaus. Sein Druck kommt eher von innen: Er will unbedingt alles geben. „Alles“ ist in diesem Fall aber zu viel.

Hinter der Konkurrenz steckt oft Unsicherheit

In Teams kann es schnell zur Konkurrenz kommen, vor allem, wenn Posten regelmäßig neu verhandelt werden. Bei projektbasierten Jobs ist das zwangsläufig Fall. Das Problem: Besteht die Konkurrenz auf Chefebene, dann gebt ihr sie an eure Leute weiter.

Du beobachtest schon jetzt ein Ungleichgewicht in eurem Team und das ist tatsächlich gefährlich. Wenn eine Doppelspitze nicht zusammensteht, droht Grüppchenbildung und plötzlich stehen sich die zwei Teile eures Teams gegenüber wie einst Grundschüler beim Völkerball. Wollt ihr euer Team zusammenhalten, dann müsst auch ihr zusammenwachsen. Ihr müsst also ein Verständnis für einander entwickeln. Du für ihn und er für dich.

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