Kolumne

Krisenherd Doppelspitze: „Geteilte Arbeit darf nicht doppelte Arbeit sein!“

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Du schreibst, dass du dich kontrolliert fühlst. Das musst du ansprechen. Ihr zwei seid gleichberechtigt. Er hat also gar kein Recht, deine Arbeit zu kontrollieren. Im Idealfall sollte er es auch nicht für nötig befinden, schließlich hast du mehr Erfahrung als er. Dahinter steckt erst einmal ein sehr menschliches Bedürfnis: Er will auf keinen Fall Fehler machen – oder übersehen. Er will sich beweisen.

Deiner Beschreibung nach klappt das ziemlich gut – zu gut. Wenn seine Autorität die deine im Team überstrahlt, dann kann das deiner Karriere tatsächlich schaden.

Ohne Verhandlung keine Zusammenarbeit

Die Arbeitszeit ist dabei noch das geringste Problem. Besser wäre es, wenn dein Co-Chef ein gutes Mittelmaß findet. Dienst nach Vorschrift ist für Chefs unangemessen. Doch wer von früh bis spät in der Firma ist, lebt seinen Leuten einen Arbeitsstil vor, der auch für sie ungesund ist.

Für deinen Kollegen ist die Chef-Rolle neu, für dich die Größe des Projekts und seine Bedeutung für das Unternehmen. Es ist also gar nicht so falsch: Ihr müsst euch beweisen. Es lohnt sich durchaus, mal etwas länger zu bleiben oder einmal öfter nachzufragen. So lange es nicht in Kontrollzwang ausartet, denn der zerstört die Motivation der besten Mitarbeiter.

Im Extremfall führt das dazu, dass eure Leute immer zweimal kontrolliert werden und die eigentliche Chefarbeit gar nicht mehr gemacht wird. Ihr steht dem Team vor, weil ihr einen Blick fürs Ganze haben sollt.

Ihr solltet eure Aufgaben vollkommen neu verhandeln. Eine Doppelspitze für ein Projekt lohnt sich nicht, wenn beide sich um alles kümmern. So wird aus geteilter Arbeit doppelte Arbeit. Dann habt ihr bei doppelten Personalkosten auch noch Reibungsverluste hinzu gewonnen. Besser: Teilt die Zuständigkeiten sinnvoll auf und vereinbart, in welchen Fällen ihr einander vertretet. Über die Abläufe in euren Bereichen könnt ihr euch regelmäßig auf dem Laufenden halten, zum Beispiel mit einem täglichen Kaffee-Date am Nachmittag.

Eine gute Absprache beendet die Zeit der Unsicherheit für euch beide, aber auch für euer Team. Wichtig: Haltet euch daran. Das bedeutet, einen Mitarbeiter auch mal abweisen zu müssen, wenn der sich nicht an den zuständigen Vorgesetzten gewandt hat. Im Idealfall gibt das deinem Kollegen schon die Sicherheit, seine Arbeitszeit auf ein normales Maß zu reduzieren. Ferndiagnose: Vermutlich will er derzeit einfach nichts verpassen. Eine klare Aufgabenverteilung verhindert das.

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