Kommentar

Warum Kritik am Black Friday arrogant ist

Black-Friday-Shopping. (Foto: Shutterstock/Ververidis Vasilis)

Vorweihnachtszeit ist Schnäppchenzeit. Klimaschützer und Konsumkritiker finden das allerdings nicht witzig. Arrogant – findet Redakteurin Vicky Isabelle Bargel. Ein Kommentar.

Vergangene Woche war Black Week, gekrönt vom Black Friday. Heute ist Cyber-Monday und die Schnäppchenjagd geht weiter. Doch: Des einen Schnäppchenmarathon ist des anderen Shoppinghölle. Die Konsumkritik, die dabei aufkommt, scheint in diesem Jahr so laut wie nie zuvor. Dass diese Form der Verurteilung von Weihnachtsshopping dabei eigentlich wahnsinnig abgehoben ist, interessiert allerdings die wenigsten.

Ich erinnere mich noch gut an das erste Black-Friday-Video aus den USA, das ich vor einigen Jahren gesehen habe. Man sieht eine riesige Menschenmenge aggressiv in eine Walmart-Filiale stürmen. Der Tenor im Internet unter dem Clip lautete fast einstimmig: Herrje, was für Trottel. Für manchen mag es vielleicht lustig sein, über die Meute zu lachen. Meiner Meinung nach ist es aber vor allem elitär. Denn ganz ehrlich: Wer diese Leute auslacht oder die Menschen zum Teil sogar brutal aburteilt, die da am Black Friday günstig einkaufen, ist in meinen Augen vor allem eines – arrogant und empathielos.

Denn wenn man sich mal anschaut, wer da so über Schnäppchenjäger herzieht, zeichnet sich doch ein sehr deutliches Bild. Durchweg die obere Mittelschicht und Menschen mit akademischem Background äußern aufgebrachte Konsumkritik auf allen Kanälen. Eben jenen ist es aber auch herzlich wurscht, ob sie auf ihre Weihnachtseinkäufe zwanzig Prozent Rabatt bekommen oder nicht – sie können es sich schließlich leisten.

Wer zum Lunch ohne mit der Wimper zu zucken zwölf Euro für einen veganen Rote-Bete-Burger ausgibt, hat in meinen Augen nicht das Recht, die Schnäppchenjäger der Gesellschaft zu verurteilen. Und ich spreche hier nicht von einer eventuell angebrachten Gesellschaftskritik, ich spreche von einem wirklich ekelhaften Bashing der Käufer und Käuferinnen. Sprüche wie „Wer auf Black-Friday-Angebote reinfällt, ist dumm“ gehören da noch zu den harmloseren Kommentaren. Zum Teil geht der Hass gegen Black Friday, Cyber-Monday und Co. im Netz nämlich so weit, den Konsumenten die Schuld an sämtlichen Problemen unserer Menschheit zu geben, einschließlich Klimawandel und Ausbeutung der Arbeiter.

Minimalismus ist ein Trend, den man sich leisten können muss

Dass sich aber nicht jeder am Black Friday (oder wie heute am Cyber-Monday) das fünfte iPhone kauft, interessiert die wenigsten: Die Konsumkritik trifft die Falschen. Ich finde allerdings schon, dass uns das alle jucken sollte. Nicht jeder kann es sich in der Vorweihnachtszeit leisten, auf Angebote zu verzichten. Für viele sind Schnäppchen die einzige Chance auf etwas Cooles unterm Christbaum. Die Vorweihnachtszeit war für meine Mutti, alleinerziehend mit zwei Kindern, früher zum Beispiel immer die Saison aus der Hölle. Nicht nur, dass sie als Floristin in Arbeit ertrunken ist, sie fand auch die finanzielle Belastung der Besinnlichkeit unerträglich.

Wer jetzt sagt, man könne den ganzen Weihnachtsrummel ja auch freiwillig sausen lassen, hat meiner Meinung nach den Knall noch nicht gehört. Denn gerade wenn man schon nur verdammt wenig Kohle zur Verfügung hat, will man doch, dass die Kinder die Feiertage so normal wie möglich erleben können. Mit vernünftigem Weihnachtsessen und schönen Geschenken. Dieses Dilemma betrifft dabei auch nicht nur die alleinerziehenden Muttis der Nation, sondern ganz generell sozial Schwache und weniger gut betuchte Mitbürger und Mitbürgerinnen. Denn: Minimalismus ist ein Trend, den man sich leisten können muss. Er impliziert, dass man den Verzicht auf Konsum bewusst gestaltet und nicht, dass man sonst eh nichts mehr zu Essen im Kühlschrank findet.

Wer es sich leisten kann, bewusst inszenierte nackte Wohnungen mit dem Hashtag #minimalism auf Instagram zu posten, der soll das von mir aus gerne tun. Aber dann bitte, ohne dabei bissig nach unten zu treten, auf die Ärmsten der Gesellschaft. Die sind es nämlich, die vom Black Friday wirklich profitieren.

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18 Kommentare
xordinary
xordinary

Was für ein dämlicher Kommentar! Als wäre die dringend notwendige Anpassung unserer Konsumgewohnheiten und gelernten Wahrheiten eine Frage des Einkommens! Als wäre – in diesem Zusammenhang – auch nur das geringste dran an der Mär, dass man sich das Sparen leisten können muss! Was für ein Quatsch!

In Zeiten der Klimakatastrophe sollte sich JEDER ganz genau überlegen, ob er oder sie überhaupt etwas davon haben muss, was da angepriesen wird. Immerhin geht es dabei nicht um Grundnahrungsmittel, sondern zum allergrößten Teil um Dinge, die man bei MediaMarkt kaufen kann, also unnötigen Tand, den man sich bislang einfach geleistet hat.

Und wenn ich dann lese, dass die armen Armen ja wohl auch was Cooles unter der Tanne haben wollen, dann fällt mir echt nichts mehr ein. Gerade so, als gäbe es ein Recht darauf, die Welt mit zukünftigem Elektroschrott zu bescheren! Wenn hier jemand den Schuss nicht gehört hat, dann sind es Sie, Frau Bargel!

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Daniel
Daniel

Kann mich Ihnen nur anschließen, der Artikel ist kompletter Quatsch. Schade, dass so was hier überhaupt veröffentlicht wird. Frage mich, in welcher Welt Frau Bargel lebt …

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Andrea
Andrea

Bin ganz deiner Meinung.
Was wird denn notwendiges in der Black Week/Friday/Monday verkauft? Noch größere Fernseher? Rasierapparate die es bereits haufenweise günstig gibt? Videogames?

Hier wird doch ganz klar von der Industrie der Kaufrausch getriggert. Man muss sich nur mal von einem der größten Profiteure (amazon) die Startseite anschauen – lauter Kram, der auch so nach Weihnachten vergünstigt angeboten wird, a la Alexa & Co., Digitalthermometer, billige Pastamaker, Saugroboter und Uhren.

Davon hat man natürlich nie genug… gerade als Geringverdiener.
Wobei: ein Folienschweissgerät für 119,99 EUR ist ja quasi geschenkt …. und sowas habe ich schon immer gewollt!

Traurig, dass die Autorin das so einseitig sieht.

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Thomas
Thomas

Das sehe ich auch so, schön die Kids zu Konsumjunkies erziehen. Schließlich sollen auch Sie Ihre Lebenszeit gegen möglich viel Geld und anschließend gegen Konsum eintauschen. Neuronal gesehen gibt es übrigens keinen Unterschied zwischen Geld ausgeben, Heroin oder Kokain, dieselben Hirnareale werden angesprochen und es laufen dieselben Denkmuster ab. Aber wehe man kritisiert das Problem: Dann wird auch noch als arrogant abgestempelt, das ist schon ziemlich verrückt.

Nur so‘n Tipp am Rande: Kinder ohne Geschenke an Weihnachten erziehen und stattdessen was Unternehmen mit der Familie, auch als Erlebnis bekannt, das muss nicht einmal was kosten. So etwas vergessen Kinder nicht und werden es dir spätestens in 30 Jahren danken.

Noch’n Tipp: Mach mal eine radikale Konsumdiät. Kein Kram kaufen, nicht schick essen, nur all das kaufen, was du wirklich brauchst. Du wirst massive Entzugserscheinungen bekommen, das ist normal bei einem kalten Entzug und wird dir spätestens an diesem Punkt stark zu denken geben. Wenn du über den Berg bist, verstehst du was ich meine, probiere es einfach mal aus. Und das Beste daran: Es kostet keinen Cent! ;)

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CK
CK

Gott sei Dank, es gibt Black Friday, Cyber Monday, Cyber Week…. Dann kann sich wirklich jeder ein Geschenk unterm Weihnachtsbaum leisten….

So ein Quatsch! Was für ein deplatzierter Kommentar.

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Daniel
Daniel

Ihr wunderbar erzogenen Konsumkritiker, die sich auf keinen Fall etwas leisten im Alltag. Zum Glück gönnt Ihr euch nie einen Coffee to go, geht immer Sommer nicht grillen mit Bio-Fleisch oder kauft niemals (nie!!) irgendetwas von irgendwelchen Marken. Ganz ehrlich: ihr habt den Knall nicht gehört. Genau Ihr seid die im Artikel genannten elitären ******, die sich hier über einen Kommentar echauffieren, gerade weil Ihr scheinbar die Wahl habt, welchen Laptop Ihr besitzt oder dass Ihr morgen hip ne Mate trinken könnt. Setzt doch mal die Scheuklappen ab, dann seht Ihr, dass an Black Friday etc nicht nur die für Euch verdammten Elektroartikel im Angebot sind, sondern auch Bettwäsche, Spielzeug und normale Haushaltswaren. So viele alleinerziehende Frauen und Männer sind dankbar für ein bisschen Ersparnis. Aber Hauptsache, Ihr könnt hier einen ach so schlauen Konsum kritischen Beitrag verfassen und danach dann das tolle Gewürz oder das Kokosöl für den Kaffee am Morgen online kaufen.

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Roland
Roland

Sicher gibt es viele Schnäppchen bei den Black+Cybertagen. Allerdings verfallen viele Leute hierbei in einen Kaufrausch (Schnäppchen-Trigger schraubt nachgewiesen Vernunftsdenken runter) und kaufen mehr als sonst.

Darum geht es ja auch: Mehr Umsatz generieren!
Was denn auch sonst? Den „armen“ Leuten ermöglichen, Geld zu sparen? Ha ha ha…

Btw: Ich gehöre nicht zu den gutsituierten Menschen, die nur Bio kaufen und sich alles leisten können
Btw2: Was für ein hanebüchener Artikel!

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David
David

Danke, Daniel. Wer aus armen Verhältnissen kommt, kann das nachvollziehen. Es ist einfach schade, dass die gebildete Elite und obere Mittelschicht keine Empathie für Ihre weniger glücklichen Mitbürger hat.

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Titus von Unhold
Titus von Unhold

„Danke, Daniel. Wer aus armen Verhältnissen kommt, kann das nachvollziehen. “

Ich komme aus ärmlichen Verhältnissen und ich habe ehrlich gesagt nur Verachtung für die ganzen Konsumopfer die wie hirnamputierte Zombies den Kapitalisten ihr teuerstes in den Rachen werfen. Und zwar nicht nur weil es aus ökologischen Gründen sinnlos ist und man sich über das Nachgeben der Triebe nur verächtlich machen kann, sondern weil der meiste Schrott an anderen Tagen sowieso günstiger ist. Preisvergleich lässt Grüßen.

Berni
Berni

Sich über ein Bashing der Käufer und Käuferinnen zu beschweren, aber dann selbst nur zu bashen finde ich etwas sarkastisch. Auch finde ich den ganzen Artikel viel zu verallgemeinernd. Mit Journalismus hat das in meinen Augen nichts mehr zu tun. Aber wie so oft scheint es mittlerweile in der Online-Welt mehr um Klickzahlen durch bewusstes Anecken zu gehen, als um wirkliche Inhalte (und wie so oft beweist dieser Kommentar, dass ich gerade auch wieder darauf reingefallen bin). Ich bin wirklich enttäuscht, dass sich t3n für diesen Weg entschieden hat…

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Michael E-R

Guten Morgen,
ich möchte hier mal einen anderen Blickwinkel reinbringen.
Zum einen verstehe ich den Ansatz der kritischen Kommentare über mir. Es ist definitiv nicht sinnvoll Menschen, für die man einen Erziehungsauftrag hat, in eine ungesunde Richtung hin zu unreflektiertem Konsum zu erziehen. Dafür gibt es meiner Meinung nach genügend gute Gründe was Nachhaltigkeit und dergleichen angeht.

Als Teilzeitalleinerziehender Vater, der von seinem Kind getrennt lebt, Unterhalt zahlt und mit dem Rest bestrebt ist ein anständiges Leben zu führen, kann ich jedoch auch den Ansatz von Fr. Bargel nachvollziehen, habe ich Ihn doch schon selber erlebt!
Ja, ich möchte meinem Kind etwas Wertiges schenken. Etwas voran es lange Freude hat. Mit geringem Budget ist es dann üblicherweise eher was „Kleines“. Doch wenn sich die Chance bietet, eine Sache zu erstehen, die größeren Umfang hat und preislich trotzdem zu stemmen ist – dann nehme ich das dankend an.

Womöglich kann auch an dieser Meinung jemand etwas anstößig finden – das kann ich nicht ändern.
Doch hier rumzulärmen und all jene zu verurteilen, die nicht Ihrer Meinung sind, macht sie in meinen Augen nicht besser als jene die sinnlos dem Konsum frönnen.

Just my 2 cents.

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dieter
dieter

Was für ein Niveau legt das blättchen tn3 mit Ihrer Praktikantin hier denn auf? Man kann ja anderer Meinung sein aber bitte noch so hohl wie hier…

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Roman
Roman

Warum muss Erziehung unterm Weihnachtsbaum aufhören? Wer sich gebrauchte Artikel kauft spart Geld UND denkt an die Umwelt. Kapitalismuskritik ist nicht so einseitig, wie der Artikel es verkaufen will. Minimaler leben bedeutet nicht zwangsläufig das der Spaß aufhört. Minimaler Leben macht sogar Spaß. Abgesehen davon dürften viele Artikel nur einen marginalen Spareffekt haben – es ist doch davon auszugehen, dass das was man angeblich spart, ein paar Wochen vorher noch günstiger bekommen würde. Der Sparpreis ist meistens doch nur ein Marketingtrick um die Verkaufszahlen anzurkurbeln. Wer richtig kauft, kann jeden Artikel zu relativ günstigen Preisen bekommen – ohne spezielle Aktionen, wie z.B. den Black Friday zu benötigen.

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Johannes
Johannes

Schlimmer Kommentar!

– Das Argument des fehlenden Geldes ist haltlos, denn kaum gebrauchte Artikel kosten immer noch nur die Hälfte der hier angepriesenen Schnäppchen. Warum? Weil alle ständig das neueste konsumieren wollen.

– Ich bin in einem Forum aktiv, indem viele Vertreter meines Hobbys nicht ganz arm sind. Hier habe ich eine Woche des Kaufrausches erleben dürfen, nur getrieben von dem Wunsch nach Konsum! Und heute konnte man von den gleichen Leuten Dinge lesen wie „ich muss mich ja noch zu Weihnachten beschenken“ – zack, wieder hunderte bis tausende Euro ausgegeben.

Der Kommentar klingt für mich nach einer Parole zur Wahrung der Konsumschutzgesetze.

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johannes
johannes

@Roman: Sorry, meine Aussage bezog sich auf den Artikel, nicht auf deinen Kommentar, ist versehentlich verrutscht. Ich stimme mit deiner Meinung überein.

Markus
Markus

Ich muss sagen ich bin bestürzt so einen Artikel in meinem News-Feed zu finden. Das Anheizen der Konsum-Sucht durch die Tech-Giganten unter dem Deckmantel der Barmherzigkeit zu legitimieren ist mehr als naiv. Sich dann noch als Kritiker dieses Systems als arrogant bezeichnen lassen zu müssen, zeug von sehr schlechtem Journalismus. Schade T3N.

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Dennis
Dennis

Der Artikel hat genau das provoziert, was er anspricht.
Hat also funktioniert.
:-)

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