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Nach Kritik an China: DDoS-Angriff und Hasskommentare gegen Notepad++-Entwickler

Uiguren protestieren in München. (Foto: dpa)

Was passieren kann, wenn man sich als Open-Source-Entwickler kritisch gegenüber der chinesischen Regierung äußert, zeigt ein aktueller Fall. Nach Kritik an der Situation der uigurischen Minderheit in China wird das GitHub-Projekt von Notepad++ mit Hunderten chinesischen Trollbotschaften überschwemmt.

Probleme beim Speichern, fehlerhafte CSS-Darstellung, der Wunsch, ein neues Features einzuführen: Das sind die Beiträge, die sich normalerweise im Issues-Tab auf der GitHub-Seite von Notepad++ finden lassen. Seit sich Don Ho, der Autor des quellfreien Text-Editors, jedoch kritisch gegenüber der chinesischen Regierung und deren Behandlung der uigurischen Minderheit geäußert hat, ist hier nichts mehr normal. Statt Programmfehlern finden sich auf GitHub jetzt Hunderte, teils wütende chinesische Kommentare.

Während die einen den chinesischen Staat in Schutz nehmen, richten sich andere Kommentatoren direkt an Ho und sind dabei beleidigend und bisweilen sogar rassistisch. In mehreren Beiträgen wird der Entwickler beispielsweise als Banane bezeichnet, was eine in Teilen Asiens verbreitete Beleidigung mit rassistischer Konnotation ist. Der Begriff soll andeuten, dass jemand nur äußerlich Asiate sei, innerlich aber ein Westler. „Sie sind sehr beleidigend, nur wenige versuchen, mit Argumenten zu diskutieren“, kommentiert Ho die Beiträge auf Nachfrage.

GitHub-Issues zu Notepad++: Nach Verbesserungen oder neuen Features wird derzeit nicht gefragt. (Screenshot: Github / t3n)

GitHub-Issues zu Notepad++: Nach Verbesserungen oder neuen Features wird derzeit nicht gefragt. (Screenshot: GitHub / t3n)

Bei Beleidigungen bleibt es indes nicht: Die Website des Editor-Projekts befindet sich mittlerweile unter einem DDoS-Angriff. Wirklich überrascht ist Ho von den heftigen Reaktionen allerdings nicht. „Es ist nicht das erste Mal. Im Jahr 2008, während das Notepad++-Projekt noch auf SourceForge war, gab es ähnliche Probleme, bedingt durch unseren Boykott der Olympischen Spiele in Peking“, erklärt uns der Entwickler.

Notepad++: Ho taufte neuste Software-Version „Free-Uyghur-Edition“

Auslöser für die Attacken war ein Beitrag auf der Notepad++-Website, in dem Ho die neuste Version des Editors vorstellte. Um auf die zunehmende Überwachung der Uiguren in der chinesischen Xinjiang-Region aufmerksam zu machen, taufte er Version 7.8.1 des populären Text-Editors die „Free-Uyghur-Edition“. Außerdem verlinkte er Quellen über die Situation der Uiguren und forderte seine Leser auf, mehr Menschen über das Verhalten der chinesischen Regierung in der Xinjiang-Region aufzuklären.

Schon in dem Blogbeitrag merkte Ho an, dass seine Parteinahme sicherlich Auswirkungen auf die Popularität von Notepad++ haben werde. Das könne aber kein Argument dagegen sein. „Das Problem ist, wenn wir uns nicht mit Politik beschäftigen, beschäftigt sich die Politik sich mit uns. Wir können uns dafür entscheiden, nicht zu handeln, wenn Menschen unterdrückt werden, aber wenn wir an der Reihe sind, unterdrückt zu werden, wird es zu spät sein und es wird niemand für uns da sein.“

Chinas Hightech-Überwachung der Xinjiang-Region

In einer gemeinsamen Erklärung vor der UN warfen erste heute 23 Staaten, darunter die Bundesrepublik, China die Unterdrückung der Uiguren vor. In der Erklärung werden dem Regime in Peking Massenverhaftungen und Massenüberwachung vorgeworfen. Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch geht davon aus, dass sich in der Xinjiang-Region mehr als eine Million Menschen in Umerziehungslagern befindet.

Auch massenhafte Videoüberwachung inklusive KI-Systemen zur Gesichtserkennung sollen in der Region zum Einsatz kommen. Die USA haben die Situation in der Region erst kürzlich als Grund dafür genannt, eine ganze Reihe chinesischer KI- und Kamera-Firmen zu sanktionieren. Ihnen wirft Washington die Beteiligung an Menschenrechtsverletzungen vor.

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