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Digitale Gesellschaft

Künstliche Intelligenz: Wird Google jetzt schlauer als der Mensch?

Künstliche Intelligenz. (Screenshot: YouTube)

Google hat kürzlich im Rahmen seiner regelmäßigen Einkaufstouren erneut zugeschlagen und mit DeepMind eine britische Firma erworben, die Maschinen das Denken beibringt. Das klingt zunächst spektakulär, erinnert dann aber doch eher eine Story aus zahlreichen Science-Fiction-Filmen. Schöne Grüße von „SkyNet“, dem „Terminator“ und „Matrix“? Könnte man meinen, doch zunächst stehen andere Ziele im Vordergrund. Will Google wirklich intelligenter werden als wir Menschen? Und wohin kann das führen? t3n-Kolumnist Björn Tantau wagt eine Analyse.

Der Traum von der künstlichen Intelligenz

Nicht vieles fasziniert die Menschen so sehr wie das Thema der künstlichen Intelligenz. Eigenständig denkende Maschinen, die sich nach unseren Wünschen bauen und konfigurieren lassen. Roboter, die uns die Arbeit im Haushalt abnehmen. Computer, die eigenständig nach der besten Lösung suchen und diese dann auch konsequent anwenden. Pure Science-Fiction?

Was in Filmen wie „I, Robot“ schon vor Jahren sehr plastisch auf der Leinwand vorgeführt wurde, ist wohl einer der kommenden logischen Schritte in der Evolution solcher Maschinen. Bei Google fallen die Visionen von Isaac Asimov auf fruchtbaren Boden. Schon 1950 schuf er die Geschichte von intelligenten Robotern, die selbstständig Problemfälle lösen können. Eigentlich ein idealer Zustand: Je weniger sich Menschen mit Problemen herumschlagen müssen, die auch eine Maschine erledigen kann, desto mehr Zeit bleibt für subjektiv wichtigere Dinge.

Szene aus „I, Robot“: Google unternimmt große Schritt in Sachen künstliche Intelligenz und Roboter-Technik. (Screenshot: YouTube)
Szene aus „I, Robot“: Google unternimmt große Schritt in Sachen künstliche Intelligenz und Roboter-Technik. (Screenshot: YouTube)

Für Google geht es zunächst darum, die eigene Suchmaschine zu verbessern. Innovationen auf diesem Gebiet strahlen auf alle anderen Geschäftsbereiche aus, wovon sich Google wirtschaftliche Vorteile verspricht. Konkret will Google seine User noch besser verstehen, um mit seiner Suchmaschine tatsächlich die beste aller möglichen Antworten zu liefern. Das ist aktuell noch lange nicht der Fall und wenn Google in der Lage ist, die Frage eines Menschen wirklich zu verstehen, kann der Suchmaschinenriese auch wie ein Mensch antworten – je nachdem, wie gut Google diesen Menschen kennt.

Google ist alles andere als perfekt

Aktuell sieht der Alltag noch so aus: Obwohl Google sich selbst immer mehr Daten zusammensucht, um die Anfragen seiner User zu beantworten, muss man als Mensch doch immer noch selbst im Ergebnis recherchieren. Welche Antwort ist die richtige Antwort? Und wenn es um ein komplexes Thema geht, muss man sich die gesamte Antwort oft aus vielen Quellen zusammensuchen. Das ist anstrengend und kostet Zeit. Würde Google die Fragen wirklich verstehen, gäbe es auch genauere Antworten.

Mehr noch: Google könnte die Masse aller Fragen sammeln und hätte dann einen noch viel wertvolleren Datenschatz als alle Menschen auf der Welt zusammen. Damit wäre Google nicht intelligenter als der Mensch, würde aber Milliarden von Fragen kennen und passend dazu auch die entsprechenden Antworten ausgeben. Nicht vorstellbar, was man mit solchen Erkenntnissen anstellen könnte. Google würde zum universellen Echtzeit-Lexikon mutieren. Immer, überall, jederzeit.

Was für einzelne Personen extrem komfortabel wäre, ergäbe in der Masse fast schon eine Bedrohung. Lassen wir mal unsere Fantasie spielen: Was passiert, wenn Google aufgrund der genauen Kenntnis einer Person die richtige Antwort gibt, die fragende Person aber mit dieser Antwort nicht einverstanden ist? Intelligent zu sein bedeutet nicht, auch emotionale und moralische Aspekte einbeziehen zu können. Google wäre immer noch eine Maschine. Dieser Maschine hätte man zwar das Denken beigebracht, nicht aber das Abwägen von nicht greifbaren „Metriken“, wie zum Beispiel Ängsten.

Gefährliche Entwicklung?

Und was würde außerdem passieren, wenn sich Menschen zunehmend mehr auf die Antworten einer solchen intelligenten Maschine verlassen als auf das eigene Urteilsvermögen? Spätestens dann kann es wirklich gefährlich werden, weil man die eigene Mündigkeit in die Hände einer Maschine abgibt. Alles reine Spekulation? Schaut man sich an, wie der Drohnen-Krieg der Amerikaner im Nahen Osten passiert, dann bekommt das Szenario Leben eingeflößt. Maschinen, die von Menschen einen Auftrag aufgrund verknüpfter, digitaler Informationen bekommen, fliegen Ziele an um sie zu zerstören und achten bei ihrer Mission nicht darauf, ob gerade eine Schulklasse neben dem Objekt steht oder nicht. Eine von Menschen ferngesteuerte Drohne würde gegebenenfalls abdrehen. Aber diese Handlung beziehungsweise Entscheidung wurde weitestgehend ausgelagert in den letzten Jahren. Aber das nur mal am Rande.

Drohnen fliegen Einsätze aufgrund verknüpfter, digitaler Informationen – oft mit unabsehbaren Kollateralschäden. (Bild: USAF Photographic Archives)
Drohnen fliegen Einsätze aufgrund verknüpfter, digitaler Informationen – oft mit unabsehbaren Kollateralschäden. (Bild: USAF Photographic Archives)

Für die Qualität von Google als Suchmaschine wäre diese Entwicklung natürlich ein Meilenstein. Die Erleichterungen im Alltag und die praktischen Anwendungen, die dadurch möglich werden, sind fast grenzenlos. Man könnte den eigenen Tag viel besser planen, wenn man von Google mehr und genauere Informationen bekäme. „Google Now“ ist bereits ein großer Schritt in diese Richtung, zum aktuellen Zeitpunkt aber noch mit viel Verbesserungsbedarf.

Die Entwicklung echter künstlicher Intelligenz wäre für Google ein extremer Erfolg, der dann auch auf bereits bestehende Projekte einzahlen könnte. Man denke nur an die bereits autonom fahrenden Autos, an denen Google weiterforscht. Wenn ein solches Auto auch noch vorausschauend denken könnte, würden sich Unfälle und somit Todesopfer vermeiden lassen. In diesem Punkt ist die Entwicklung eindeutig wünschenswert.

Künstliche Intelligenz zum Wohl der Menschheit

Trotz solcher Vorteile bleibt ein fader Beigeschmack und die Szenen aus vielen Science-Fiction-Filmen tauchen vor dem inneren Auge auf, wenn man an ein intelligentes Google denkt. Was passiert, wenn sich intelligente Maschinen oder Computer nicht so verhalten wie geplant? Ein eigenständig denkender Mensch lässt sich auch nicht vollständig kontrollieren, warum sollte das dann bei Maschinen und Computern anders sein? In den drei „Matrix“-Filmen wird genau gezeigt, wie ein mögliches Szenario aussehen kann. Natürlich, das ist Science-Fiction. Aber waren die Atombombe, der Flug zum Mond und Smartphones nicht auch irgendwann mal Science-Fiction?

Wenn Google die Entwicklung der künstlichen Intelligenz vorantreibt, wird die Entwicklung für den Einsatz dafür einem schmalen Grat gleichen. Was darf gemacht werden, was nicht? Soll eine intelligente Maschine in einem Krankenhaus „arbeiten“ und dort Leben retten? Darf man sich auf rationale und logische Entscheidungen einer solchen Maschine verlassen, auch wenn sie gegen persönliche Grundsätze verstoßen? Was passiert, wenn ein Mensch auf Basis der Antworten einer solchen Maschine eine Entscheidung trifft, die sich später als fatal herausstellt?

Das Thema wirft viele Fragen auf, allerdings gibt es auch bereits heute ganz eindeutig Antworten. Die Evolution künstlicher Intelligenz sollte immer und ausnahmslos für das menschliche Wohl eingesetzt werden und nicht dagegen. Eine Entscheidung sollte nie in letzter Instanz auf den Annahmen einer (intelligenten) Maschine basieren und es muss immer möglich sein, den Stecker ziehen zu können. All das sind Dinge, die selbstverständlich sein sollten. Im dritten Film der „Terminator“-Reihe klappt das alles nicht – inklusive des Versuchs, den Stecker zu ziehen.

Fazit? Google ist nicht allein!

Übrigens wollte auch Facebook bei DeepMind zuschlagen und die Firma übernehmen. Diese Runde ging zwar an Google, trotzdem wird deutlich, dass sich offensichtlich alle großen IT-Konzerne für das Thema der künstlichen Intelligenz interessieren und so lässt sich vermuten, dass auch Unternehmen wie Apple oder Microsoft an dem Thema dran sind.

Sie alle wollen die eigenen Kunden und Nutzer besser verstehen, um diesen Leuten dann auch entsprechend bessere Produkte anbieten zu können. Nicht nur Google will Fragen besser verstehen, auch Apple hat für seine iPhones ein Interesse daran, dass Siri ganz genau weiß, worauf sie antworten muss. Bei allen Konzernen herrscht ein gewisser Druck durch die Börsennotierung. Auf der Jagd nach Gewinnen und Dividenden wollen sie immer wieder neue Produkte und Innovationen auf den Markt werfen, um entsprechend die Oberhand zu behalten.

Aktuell stehen wir am Anfang dieser Entwicklung. Was in Zukunft passiert, weiß heute niemand. Sicher ist aber, dass sich der technische Fortschritt nicht aufhalten lässt. Und wer nun letztendlich den großen Durchbruch bei der künstlichen Intelligenz schafft, macht keinen Unterschied. Bei allen Innovationen muss man sich stets vor Augen halten, dass Konzerne wie Google, Facebook, Apple, Amazon oder Microsoft nicht aus Nächstenliebe handeln. Sie alle haben finanzielle Interessen und wollen Geld verdienen. Manchmal um jeden Preis.

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2 Reaktionen
Hendrik

Boston Dynamics arbeitet ja für das Pentagon, und Google wird sich diese Einnahmequelle bestimmt nicht entgehen lassen. Mal sehen was da über das nächste Jahrzehnt vom Rollband laufen wird ... Die ersten richtigen Kampfmechs gibt es bald bestimmt. Meiner Meinung nach gefährlich ... vor allem wenn die Künstliche Intelligenz den Selbsterhaltungstrieb lern.

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