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Künstliche Intelligenz: „Das könnte wie das atomare Wettrüsten werden“

(Foto: Shutterstock / Jinning Li)

Algorithmen könnten künftig unser Leben bestimmen. Das wirft auch ethische Fragen auf. Skype-Mitgründer Jaan Tallinn sieht vor allem drei Kernprobleme der künstlichen Intelligenz. 

„Künstliche Intelligenz ist entweder eines der besten Dinge, die uns je passiert, oder eines der schlimmsten Dinge, die uns je passiert.“ Jaan Tallinn meint das völlig ernst. Stärker kann man Prognosen zu smarten Maschinen seiner Meinung nach nicht eingrenzen. Denn eigentlich weiß keiner so genau, was passieren wird, wenn Algorithmen intelligenter werden als wir.

Der Skype-Mitgründer vergleicht den derzeitigen Stand der künstlichen Intelligenz (KI) mit dem Flugverkehr. „KI ist ein Flugzeug auf der Startbahn und die Startbahn wird kürzer“, erklärt der estnische Programmierer auf dem Pioneers Festival in Wien. Und das Flugzeug brauche mehr fähige Menschen, die sich mit künstlicher Intelligenz und ihren Folgen beschäftigen.

„Wir müssen auch über die Nebenwirkungen nachdenken.“

Tallinn ist einer von ihnen. Mit dem von ihm mitgegründeten Future of Life Institute versucht er, sich den ethischen Fragen rund um künstliche Intelligenz zu nähern. Zu den Unterstützern des Projekts zählen auch Stephen Hawking und Elon Musk. „Wir dürfen nicht spielerisch an das Thema herangehen“, sagt Tallinn auf der Startup-Konferenz. „Wir müssen auch über die Nebenwirkungen nachdenken.“ Auf dem Pioneers Festival nennt er drei Kernprobleme, die künstliche Intelligenz hervorrufen könnte.

Künstliche Intelligenz: Drei Probleme

Jaan Tallinn spricht beim Fireside-Chat auf dem Pioneers Festival über künstliche Intelligenz. (Foto: t3n)

1. Die Wirtschaft wird von Maschinen bestimmt

Wenn Roboter unsere Arbeitsplätze übernehmen, was passiert dann? Diese Frage beschäftigt die gesamte Wirtschaft. Tallinn warnt: „Künstliche Intelligenz will nichts vom Menschen.“ Wenn man Personen von der Produktion entferne, stelle sich die Frage, was passiert. Denn KI habe vielleicht gar kein Interesse daran, dass der Mensch etwas konsumiert. Das würde das gesamte ökonomische System aus der Bahn werfen. „Wenn du Menschen aus dem ökonomischen Kreislauf herausnimmst, wirst du dann überhaupt noch einen Kreislauf haben?“, fragt Tallinn. Das ist nicht nur eine Frage des Arbeitsplatzes, sondern stellt auch die Frage des Konsums infrage.

2. Algorithmen könnten über Algorithmen entscheiden

„Der kritische Moment ist, wenn du den ersten künstlichen Entwickler hast“, erklärt Tallinn. Denn dann stellt sich die Frage, welcher Algorithmus über welchen Algorithmus entscheidet. Das sei reine Spieltheorie, meint der Skype-Mitgründer. Er nennt das Beispiel des Gefangenendilemmas. Die Theorie besagt, dass zwei Gefangene einer Straftat beschuldigt werden und sich entscheiden müssen, ob sie sie gestehen oder nicht. Das wiederum hat Einfluss auf die Höhe ihrer Strafe. Was in solch einem Fall die korrekte Entscheidung sei? Das kann niemand sagen. Algorithmen müssten aber in einer solche Situation eine Entscheidung treffen.

3. Wir verlieren die Kontrolle

„Meine Sorge ist, dass wir Leute haben, die es gut meinen, die aber eine Technologie entwickeln, die schwer zu kontrollieren ist“, sagt Tallinn. Es gebe zwei Szenarien: Error- und Terror-Szenarien. In dem einen Szenario gibt es vielleicht Fehler in der Programmierung, die dramatische Konsequenzen haben. In dem anderen werden die Technologien für gefährliche Zwecke ausgenutzt. „Error-Szenarien sind wahrscheinlicher als Terror-Szenarien“, sagt er.

Auf die Frage, ob das Militär eine Technologie wie die künstliche Intelligenz nicht ausnutzen könne, gibt er aber auch zu bedenken: „Es wird vielleicht ähnlich wie das Wettrüsten um die Atombombe.“ Die Staaten könnten versuchen, sich gegenseitig mit künstlicher Intelligenz lahmzulegen. Am Ende muss man einfach die Nebenwirkungen kennen, bevor man die Technologie einsetzt, argumentiert Tallinn. Auch mit der Atombombe gab es ungeklärte Fragen, etwa ob die nuklearen Waffen nicht die Atmosphäre und damit die Erde zerstören. Das sei ein gutes Beispiel, so der Skype-Mitgründer: Das sollte man besser vor dem Einsatz klären.

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