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Feature

Von künstlicher zu künstlerischer Intelligenz

Waltz Binaire und Tro zeigen auf der Digitalkonferenz Next, wie sie mithilfe von künstlicher Intelligenz Kreativität antreiben. (Foto: shutterstock/ Liu zishan)

Computer können kreativ sein. Inzwischen ist die Technik so weit, dass auch künstliche Intelligenz (KI) Kreativität antreiben kann. Auf der Digitalkonferenz Next in Hamburg haben Kreative gezeigt, wie sie KI in kreative Prozesse integrieren. 

„Man kann mit einem Computer Kunst und Schönheit schaffen.“ Diesen Grundsatz hat bereits Steve Levy, einer der Urväter der Hacker, 1984 in der Hackerethik festgehalten. Etwa 40 Jahre später wird in einem ganz neuen Licht über diesen Grundsatz diskutiert. Auf der Digitalkonferenz Next in Hamburg haben Künstler, Entwickler und Visionäre gezeigt, wie sie mithilfe von künstlicher Intelligenz Kunstwerke schaffen.

Eine Reihe an Vorträgen auf der Digitalkonferenz Next, die 2018 dem Motto „Digital Fix – Fix Digital“ folgt, widmete sich dem Phänomen der kreativen künstlichen Intelligenz. Algorithmen und Machine Learning entscheiden bereits in vielen Lebensbereichen. Sie machen Prozesse der Arbeitswelt effizienter, schlagen vor, was der Mensch lesen, hören, sehen könnte.

Eine KI, deren einziger Zweck es ist, sich selbst zu entdecken

Christian Mio Loclair beschäftigt sich mit einem völlig anderen Aspekt von KI. Er ist Art Director bei bei Waltz Binaire, einem Berliner Design-Studio, das interdisziplinäre Projekte mit modernen Technologien entwickelt. In seinem Vortrag „Artificial Poetry“ zeigt er, wie sein Team mithilfe von künstlicher Intelligenz audiovisuelle Erlebnisse und digitale Erzählungen kreiert.

Ein Beispiel: das Projekt „Narciss“, ein hüllenloser Roboter, der seine Gedanken beschreibt, während er sich selbst betrachtet. Der Roboter ist eine künstliche Intelligenz, die auf Googles bekanntes Tensorflow-Framework aufsetzt. Wenn der Art Director über seine „Schöpfung“ spricht, verwendet er poetische Worte: Die KI befähige den Roboter, seinen digitalen Körper und seine Existenz selbst zu erforschen und in lyrische Vermutungen zu übersetzen, behauptet er.

Loclair, der selbst den Robotertanz beherrscht, geht mit seinen Arbeiten der Frage nach, ob künstliche Intelligenz als Spiegel des Menschen agiert und so selbst Diskussionen und Diskurse erschaffen kann.

Akustische Markenführung: Musik, die Emotionen transportiert

Ein anderes Beispiel, das zeigt, wie künstliche Intelligenz mit Kreativität verbunden werden kann, ist Sonic DNA der Düsseldorfer Musikagentur Tro. Das Unternehmen ist darauf spezialisiert, die Botschaft und Emotionalität von Marken in Musik und Sound zu übersetzen. Beispiel: Wenn ein Autohersteller zu der Agentur kommt und einen Song bestellt, der nach James Bond klingt, dann identifiziert die KI die Struktur des Songs und sucht nach Liedern, die ähnlich klingen und auf Eigenschaften der Automarke passen. Diesen akustischen Fingerabdruck nennt das Unternehmen Sonic DNA.

Weltmeister EX5 - TVC 75s from TRO MUSIC SERVICES / TRO GmbH on Vimeo.

„Wir wissen genau, wie wir ein Sound-Logo gestalten müssen, das auf das emotionale und akustische Profil einer Marke passt“, sagte Ric Scheuss, Leiter für Corporate Sound & Music bei Tro bei seinem Next-Vortrag „Sonic DNA: how technology fuels creativity“.

Laut Lead Digital hat Tro den Dienst des Übersetzens von Musik in Gefühle als erstes Unternehmen zur Martkreife gebracht. „Wir liefern erstmals unbestechliche Daten fürs Soundfinding, und machen den Prozess damit deutlich effizienter“, beschreibt Vincent Raciti aus dem Entwicklerteam von Sonic DNA gegenüber Lead Digital. Das Unternehmen besitzt beispielsweise detaillierte Informationen zu aktuellen Vorlieben chinesischer Musikkonsumenten.

„Kunst kann ein sehr wichtiges Werkzeug sein, um den Menschen spielerische Einblicke zu geben, wie künstliche Intelligenz funktioniert“

Ric Scheuss von Tro glaubt, dass kreative künstliche Intelligenzen verbreitete Ängste eindämmen kann: „Kunst kann ein sehr wichtiges Werkzeug sein, um den Menschen spielerische Einblicke zu geben, wie künstliche Intelligenz funktioniert. Viele Leute denken, künstliche Intelligenz ist eine Gefahr für die Gesellschaft.“

Zwar sieht Scheuss viele Chancen in der Technologie, gleichzeitig betont er aber auch, dass am Ende immer noch der Mensch die Verantwortung trägt: „Am Ende werden wir diejenigen sein, die entscheiden, was eine künstliche Intelligenz in Zukunft machen wird. Ob sie Kunst macht oder Menschen tötet.“

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2 Reaktionen
LRRM

Guter Kommetar!

Es gilt auch hier: Bullshit in - Bullshit out, und alles was dazwischen passiert wird immer noch vom Menschen geschrieben. Auch wenn die Algorithmen sich selbst neu schreiben können, werden sie das immer nur im Rahmen dessen machen was ein Mensch konzipiert hat. Hier wird der Begriff KI im Sinne von Intelligenz gebraucht, gemeint ist aber ML und damit eigentlich automatisierte statistische Analayse. Das hat dann doch nicht ganz so viel mit Intelligenz (was auch immer damit gemeint ist) zu tun.

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J.Georg Brandt

Ich befürchte ein wenig, dass sich die Autorin - ebenso wie manche der zitierten "Pioniere" - in den Begriffen nicht sonderlich gut auskennt - oder diese Begriffe absichtlich so schleift, dass sie vermarktungsfähig sind.
Kunst ist sicherlich ebenso eingebunden in einen Kunstmarkt und damit Verwertungs- und Kapitalisierungsprozessen unterworfen wie Design für Werbung.
Ein anderer Aspekt von Kunst ist jedoch die absolute Unverfügbarkeit für eine verdinglichte Verwertung. Und exakt dieses Verständnis fehlt leider der Autorin und den zitierten "Pionieren": Sie sagen Kunst, meinen aber Verwertungsdesign.
Das sollte man bitte auch so benennen. Mit "Kreativität" hat das möglicherweise am Rande zu tun, was vorgestellt wurde - wenn ich dies auch bezweifle, wenn ich lese, dass manches aufgesetzt ist auf einer Entwicklung von Google ...
Mit Kunst hat das in der zweiten von mir beschriebenen Weise nichts zu tun.

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