E-Commerce

Das Revival der gedruckten Kunden-Magazine: Was sie dem digitalen Handel bringen

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Saturn, Elektronikfachmarkt und Onlineshop

(Screenshot: Saturn)

(Screenshot: Saturn)

TURN On heißt die Content-Offensive von Saturn: Eine Kombination aus digitalen Medien mit einem Blog und einem gedruckten Kundenmagazin. Online und Offline verzahnt Saturn mit einer eigens konzipierte Augmented-Reality-App und erreicht so eine digitale Verlängerung des Magazins. Im Magazin werden dem Leser durch Symbole zusätzliche digitale Angebote, wie Videos, Fotogalerien, Links oder weiterführende Inhalte. Ein Unterschied zu anderen Content-Strategien: Umfangreiche Inhalte wie Ratgeber werden im Magazin quasi nur angeteasert und online voll zugänglich gemacht.

„Produkte erhältlich auf Saturn.de“, das liest man recht häufig –Preise hingegen sind im Magazin nicht abgedruckt. Da für die Media-Saturn-Gruppe Eigenmarken entwickelt wurden, werden auch immer wieder selbst produzierte Produkte mit in das Magazin aufgenommen. Überhaupt rücken die Inhalte Produkte stark in den Mittelpunkt, Saturn schafft es aber noch, die Gratwanderung zwischen Magazin und Magalog zu meistern. Information und Inspiration sollen im Vordergrund stehen, betont Thorsten Eder von Saturn im Interview.

TURN ON, das Magazin: Ein Einblick

(Screenshot: Saturn)

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Interview mit Thorsten Eder (Head of Digital Marketing und CRM Saturn)

(Foto: Saturn)

(Foto: Saturn)

t3n.de: Print ist tot, tönt es von allen Dächern. Wieso bringt Saturn da noch ein Kundenmagazin in gedruckter Form heraus?

Thorsten Eder: Totgesagte leben ja bekanntlich länger. Und ich gehe sogar noch einen Schritt weiter: Print ist sehr lebendig, schauen Sie doch nur die t3n als ein Beispiel dafür an. Ich denke, mit Medien ist es wie mit dem Handel. Unser CEO Pieter Haas sagt immer: „Früher galt das Digitale als das, was den stationären Einzelhandel umbringen wollte. Heute ist es unser Freund.“ So ähnlich ist das bei Medien. Sofern man beides gut miteinander verzahnt – und genau das ist unser Ansatz mit TURN ON. Wir schlagen eine Brücke zwischen digitaler und realer Welt.

t3n.de: Welchen Mehrwert soll TURN ON den Kunden von Saturn bieten?

Thorsten Eder: Media-Saturn versteht sich als Navigator durch eine immer komplexer werdende digitale Welt. Die Marke Saturn richtet sich dabei besonders an technikbegeisterte Kunden. Wenn man Navigator für technikbegeisterte Kunden sein will, ist ein Angebot wie TURN ON quasi eine logische Konsequenz. TURN On soll unsere Kunden inspirieren, auf Trends hinweisen und die neuesten Produkte vorstellen.

t3n.de: Kannst du uns etwas zur Content-Marketing-Strategie von TURN ON erzählen?

Thorsten Eder: Zum Anspruch eines Navigators gehören nicht nur die passenden Inhalte, sondern auch, dass diese unseren Kunden dort erreichen, wo er sich gerade befindet. Was bringt einem ein Leuchtturm, den niemand sieht? Insofern verbreiten wir die Inhalte intensiv auf unseren eigenen Kanälen: auf unser Webseite, auf youtube, aber auch in den Saturn-Märkten, zum Beispiel auf Tablets und durch Auslegen des Magazins. Parallel dazu bauen wir im Web permanent Reichweite auf: Wir spielen die Inhalte an die drei Millionen Fans und Follower von Saturn und TURN ON aus.

t3n.de: Wie verknüpft TURN ON Vertrieb oder konkrete Produkte mit Inhalten?

Thorsten Eder: Im Fokus von TURN ON stehen Information und Inspiration. Wir denken, dass Handel in Zukunft wesentlich mehr sein wird als das Verkaufen von Hardware. Wie bieten daher genauso die digitale Entertainment-Plattform „Juke“ an wie Services, die bis zur Installation eines kompletten Smart Homes beim Kunden daheim reichen. Um das zu verkaufen, ist Vertrauen das A und O. Und hier spielt TURN ON eine wichtige Rolle.

t3n.de: Heißt das, das Magazin erzeugt nachvollziehbar zusätzliche Abverkäufe?

Thorsten Eder: Die konsequente Ausrichtung auf technikbegeisterte Kunden insgesamt zahlt sich aus. Dabei spielen viele Faktoren unserer Multichannel-Strategie eine Rolle und TURN ON ist einer davon.

t3n.de: Dürfen wir nach einem Fazit fragen? Was habt ihr bisher mit dem Magazin bei euren Kunden konkret erreicht?

Thorsten Eder: Unser wichtigster Contenthub TURN-ON.de hat bereits ein Jahr nach dem Start ein Besuchervolumen von monatlich rund 2,5 Millionen Visits erreicht. Das liegt weit über den Zielen, die wir uns am Anfang gesetzt hatten, und zeigt uns, dass wir offensichtlich vieles richtig machen.

t3n.de: Was ist für die Zukunft von TURN ON geplant?

Thorsten Eder: Nach der erfolgreichen Startphase unserer digitalen Plattform werden wir nun in den nächsten Gang schalten. Wir wollen noch viel mehr Leuten erklären, wie Technik ihr Leben besser machen und bereichern kann. Dafür haben wir 2016 jede Menge Neuigkeiten in petto, nicht nur online, sondern auch in den Märkten und für das Printmagazin.

Das Revival der Kunden-Magazine im digitalen Handel: Die wichtigsten Erkenntnisse

  1. Das Magalog ist tot. Allzu offensichtlich als Content getarnte Produktkataloge funktionieren nicht mehr.
  2. Produktinszenierungen sollten deshalb eher ohne einen aufdringlichen Call-to-Action gestaltet werden. Eindeutige, wiederaufzufindende Produkbezeichnungen oder Artikelnummer reichen.
  3. Content ist King, man mag es nicht sagen, da es zu abgedroschen klingt, aber interessante Inhalte führen dazu, dass die Magazine lange beim Kunden präsent bleiben und überhaupt erst in die Hand genommen werden. Ohne Unterhaltung kein Effekt!
  4. Digitale Verlängerungen sind Pflicht, Kunden sollten barrierefrei zwischen den Kanälen springen können.
  5. Werden mehrere Kanäle mit dem selben Content bespielt, muss dieser kanalspezifisch aufbereitet werden. beispielsweise kann auch ein Kanal als Verlängerung des anderen genutzt werden um dort umfangreichere Inhalte zu spielen.
  6. Magazine dienen immer auch dem Branding, das so direkt im Wohnzimmer des Kunden präsent ist.
  7. Magazine verkaufen! Alle in diesem Artikel aufgeführten Print-Magazine sorgen für teilweise riesige Effekte: Trafficsteigerungen, Abverkaufssteigerungen und vor allem: Die Erschließung von neuen Kundengruppen.
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Dein t3n-Team

Ein Kommentar
Franziska Bücker

Tausend Dank für dieses spannende Interview, dass auch unsere Erfahrungen bestätigt. Print ist an Wertigkeit kaum zu überbieten und wird noch lange einen berechtigten Platz im Marketing haben.

Antworten

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