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Analyse

Kurssturz der Internetaktien: Droht Amazon, Facebook und Co. jetzt der große Crash?

(Grafik: Shutterstock)

Binnen Wochen haben Internetaktien den Großteil ihrer Jahresgewinne abgegeben. Nach dem enormen Zuwachs in den vergangenen zehn Jahren haben Internetaktien viel zu verlieren, mahnt Nils Jacobsen.

Es geht gut, bis es schiefgeht. Eine Dekade lang konnten Anleger mit den Internet- und Techaktien wenig falsch machen. Wer seit dem Ende der Finanzkrise Anfang 2009 eine oder mehrere FANG-Aktien oder Apple und Microsoft einsammelte und bis zum Sommer gehalten hatte, dürfte auf exorbitanten Gewinnen sitzen, wie sie ein Anleger selten in seiner Börsenkarriere erlebt. Seit den Tiefstkursen in der Finanzkrise 2008/2009 haben die hoch kapitalisierten Digitalstars in der Spitze bis zu ihren Allzeithochs wie folgt zugelegt:

  • Microsoft: 600 Prozent
  • Alphabet: 1.000 Prozent
  • Facebook: 1-100 Prozent
  • Apple: 1.800 Prozent
  • Amazon: 5.000 Prozent
  • Netflix: 14.000 Prozent

Längster Bullenmarkt seit dem Zweiten Weltkrieg droht zu Ende zu gehen

Die Zugewinne sind umso bemerkenswerter, wenn man sie mit den Leitindizes vergleicht: Der Nasdaq-100-Index der US-Techbörse hat in der vergangenen Dekade in der Spitze um 470 Prozent zugelegt, der marktbreite S&P 500 lediglich um 250 Prozent. Doch selbst die Kursgewinne in den Leitindizes haben längst ein historisches Niveau erreicht: Im Februar dieses Jahres verzeichnete der Dow Jones-Index seine längste Serie an Zugewinnen seit dem Zweiten Weltkrieg.

Dass der Bullenmarkt eher früher als später sein jähes Ende findet, wird von Marktauguren seit Jahren prophezeit. „Bereiten Sie sich darauf vor, dass der Markt um 40 bis 55 Prozent crashen könnte“, warnte etwa Business-Insider-Chefredakteur Henry Blodget – vor fünf Jahren.

Entsprechend überfällig scheint die große Korrektur, die im Februar ihre ersten Vorboten sendete und im Oktober nun tatsächlich begonnen haben könnte. In den vergangenen Wochen scheint der Wind an den Weltbörsen angesichts der Verschärfung des Handelsstreits zwischen den USA und China und der zunehmend restriktiven Geldpolitik der amerikanischen Notenbank nun nämlich gedreht zu haben.

Die Vorzeigeunternehmen der Digitalwirtschaft reagierten auf das veränderte Börsenklima besonders sensitiv und sind massiv unter Druck geraten, weil Anleger nach den exorbitanten Zugewinnen der vergangenen Jahre viel zu verlieren haben.

Amazon, Facebook und BAT-Aktien haben besonders massiv an Wert eingebüßt

Tatsächlich haben Internetaktien im Oktober so schwach performt wie seit dem Finanzkrisen-Crash 2008 nicht mehr. Seit den Jahreshochs haben die FANG- und Tech-Aktien wie folgt verloren:

  • Apple:  - 7 Prozent
  • Microsoft: - 8 Prozent
  • Alphabet: - 16 Prozent
  • Amazon: - 20 Prozent
  • Netflix: - 29 Prozent
  • Facebook: - 33 Prozent
  • Alibaba: - 33 Prozent
  • Baidu: - 34 Prozent
  • Tencent: - 45 Prozent

Während Apple und Microsoft, inzwischen in dieser Reihenfolge auch wieder die wertvollsten Konzerne der Welt, mit überschaubaren Verlusten wie ein Fels in der Brandung dem Abwärtstrend trotzen, fällt der Abverkauf bei den chinesischen BAT- und FANG-Aktien besonders massiv auf.

Während Alibaba, Baidu und Tencent die Hauptopfer des von der Trump-Administration angezettelten Handelsstreits zwischen den USA und China sind, wirkt die schwache Reaktion der US-Internet-Stars auf die in der letzten und vorletzten Woche vorgelegten Zahlenwerke alarmierend.

Netflix und Amazon enttäuschen

Streaming-Pionier Netflix etwa konnte mit einer deutlichen Steigerung der Abonnentenzahlen die Wall Street-Erwartungen deutlichen übertreffen und zunächst zweistellige Kursgewinne verbuchen – Freitag notierte die Aktie trotzdem schwächer und bei unter 300 US-Dollar auf dem tiefsten Stand seit April.

Auch Amazons Siegesserie, die den E-Commerce-Pionier im September zum nach Apple zweiten Billionen-Dollar-Konzern geführt hatte, riss im Oktober jäh ab. Tatsächlich hat der wertvollste Internetkonzern der Welt seit dem Sprung über die Billionen-Bewertungsmarke binnen sechs Wochen mehr als 200 Milliarden Dollar an Wert verloren – allein 66 Milliarden Dollar davon am Freitag nach Vorlage der jüngsten Quartalsbilanz. Der Hauptgrund: Der Ausblick auf das Weihnachtsquartal blieb mit einem in Aussicht gestellten Umsatzanstieg von nur zehn bis 20 Prozent deutlich unter dem Vorjahreswachstum von 38 Prozent zurück.

Für Anleger stellt sich nach den wunderbaren Vorjahren nun die Frage, inwieweit die Wette auf Tech- und Internetunternehmen, die größtenteils mit deutlich höheren Bewertungsmultiplen gehandelt werden (das KGV von Amazon und Netflix beträgt auch nach dem jüngsten Kurssturz über 100), in Zeiten einer abkühlenden Konjunktur wieder rückabgewickelt wird. JP Morgan etwa taxiert das Risiko, dass die USA binnen der nächsten zwei Jahre in eine Rezession stürzen, auf 60 Prozent.

Bevor es so weit ist, dürften Tech- und Internetinvestoren in der kommenden Woche besorgt dem nächsten Showdown an der Wall Street entgegensehen: Am Dienstag und Donnerstag legen mit Facebook und Apple erneut zwei Schwergewichte der Digitalwirtschaft ihre Quartalsbilanzen vor.

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