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Kurz nach Geldsegen: Buchhaltungs-Startup Zeitgold stellt Produkt ein und entlässt 75 Mitarbeiter

Das Zeitgold-Team 2017 in den Berliner Büroräumen. (Foto: Zeitgold)

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Fünf Jahre nach der Gründung und nur zwei Monate nach einer frischen Finanzierung mit einem Gesamtvolumen von 27 Millionen Euro stellt das Berliner Startup Zeitgold sein Hauptprodukt ein und entlässt 75 Mitarbeiter.

Zeitgold, mit insgesamt 50 Millionen Euro finanziert, ist am Ende. Die Mission, kleine und mittelständische Unternehmen vom Papierkram zu befreien, ist gescheitert. Im September wird die Software abgeschaltet. Die 75 zugehörigen Mitarbeiter an den Standorten Berlin und Tel Aviv werden entlassen.

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Übrig werden 30 Mitarbeiter bleiben. Die sollen an einem neuen Softwareprojekt namens Sorted arbeiten. Es soll Selbstständigen helfen, ihre Steuererklärungen zu erstellen und fristgerecht einzureichen. Das klingt wie eine Untermenge des größeren Zeitgold-Projekts.

Coronakrise bremst Wachstum zu deutlich

Die Entscheidung des Zeitgold-Managements überrascht insbesondere wegen der erst vor zwei Monaten erhaltenen deutlichen Finanzspritze über 27 Millionen Euro. Wie das Führungsteam in einer Mitteilung auf der Website erläutert, sei man nach einer mehrwöchigen Analyse „schlussendlich zu der schwerwiegenden, aber unvermeidlichen Einsicht gekommen“, dass man „für das derzeitige Hauptprodukt keine tragfähige Zukunft“ sehe.

Die Zeitgold-Software habe sich nicht in dem Umfang verkaufen lassen, wie es notwendig gewesen wäre, um wirtschaftlich „Zugkraft“ zu entwickeln, so die Gründer weiter. Neben schwächelnden Neuakquisitionen dürfte es im Zuge der Krise auch Kündigungen des Dienstes gegeben haben. Zeitgold äußert sich dazu nicht explizit.

Investoren bleiben an Bord, Mitarbeiter müssen gehen

Die Investoren sind nach Unternehmensangaben mit dem Schritt einverstanden und unterstützen das Unternehmen weiterhin. Betroffen sind also vornehmlich Mitarbeiter und Kunden.

Ersteren will Zeitgold helfen, Jobs zu finden. Eine Abfindung soll ebenfalls gezahlt werden. Kunden will Zeitgold helfen, zu einer anderen Lösung zu finden. Schon ab Juli sollen keine Gebühren mehr fällig werden.

Die Suche nach einer anderen Lösung könnte Kunden eventuell zu Candis führen. Das Berliner Startup hatte erst am Donnerstag bekanntgegeben, mit frischem Kapital in einer Größenordnung von 12 Millionen Euro ausgestattet worden zu sein. Die Idee hinter Candis ist auf den ersten Blick ganz ähnlich: Auch dieses Startup arbeitet an der Automatisierung von Buchhaltungsprozessen durch intelligente Software.

Das ist Zeitgold

Zeitgold wurde 2015 von den ehemaligen Sumup-Gründern Stefan Jeschonnek und Jan Deepen gegründet. Mit dem Fokus auf kleine und mittlere Unternehmen zunächst aus der Gastrobranche, in der auch Sumup groß geworden war, entwickelte das Startup eine KI-gestützte Software, die die Buchhaltung weitestgehend automatisieren sollte.

Dabei setzte Zeitgold auf eine Mischung aus maschineller und menschlicher Abwicklung. Nutzer sollten ihre Rechnungen, Mahnungen und sonstige Geschäftsunterlagen in einer Box ablegen, um dann von Zeitgold digitalisiert und KI-gestützt logisch abgelegt zu werden. Eine zugehörige Smartphone-App erleichterte den Umgang mit dem Dokumentenstapel, indem sie etwa Aufgaben erstellte oder an Zahlungsfristen erinnerte.

Die stark beratungsbedürftige Dienstleistung erwies sich als mit einem hohen Marketingaufwand verbunden. Für jeden neuen Kunden soll Zeitgold 300 bis 400 Euro Akquisitionskosten gehabt haben. In der Coronakrise erwies sich zudem der zu große Fokus auf die Gastrobranche, die lange geschlossen blieb, als problematisch.

Passend dazu: Investment trotz Corona: Buchhaltungs-Startup Zeitgold kassiert 27 Millionen Euro

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5 Kommentare
Michael Krai
Michael Krai

fragt doch mal bei bekannten von (bald ex-)mitarbeitern (diese dürfen sich durch nda nicht äußern) nach, wieviel davon wirklich ki und wieviel von den mitarbeitern per hand eingegeben wurde.
schon kommt man journalistisch der wahrheit über das ende es produkts näher …

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Nowis
Nowis

Dafür reicht es, Gründerszene (hat zuerst berichtet) zu lesen. Die Gründer sagen demnach selbst, dass sie zuviel manuell nachsteuern mussten.

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Dieter Petereit

Alle Berichte basieren auf dem verlinkten Beitrag auf dem Zeitgoldblog. Mehr gibt es dazu nicht.

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Andre
Andre

KI hin oder her…auch wenn ich gerne nahezu alles digital abwickeln möchte werde ich solche Dienste – erst Recht nicht mit sehr sensiblen Daten – niemals nutzen, da sie einfach nicht nachhaltig existent sind. Entweder verbraten sie 2 Jahre ihr Venture Capital, finden keine Anschlussfinanzierung, sind nicht groß genuge blablabla you name it…am Ende des Tages steht man dann da mit seinem Scheiß und kann sich ne neue Lösung suchen.

Dann bleibe ich doch lieber bei meiner Steuerberatungsgesellschaft, die es seit 30 Jahren gibt.

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dennis
dennis

Ach ja, wieder ein Start-Up, das Geld einsackt und gar nicht so Nett zu den Mitarbeitern ist und diese nun entlässt. Start-Up gehen einfach gar nicht und sind entgegen landläufiger Meinung keine Vereine, die den Menschen gut tun. Niemals!

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