Kommentar

Das Label „künstliche Intelligenz“ hat in deiner Werbung nichts verloren

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Der Kunde will keine KI, sondern dass die Dinge funktionieren

Marketing mit dem Label der künstlichen Intelligenz kann sogar schädlich sein. Für die meisten Konsumenten ist KI nur irgendeine Technik, die unsichtbar im Hintergrund werkelt und von der man gar nicht so genau weiß, was sie eigentlich tut. Irgendwie unheimlich. Prägend in Erinnerung bleibt sie nur, wenn Medien darüber berichten, dass KI angeblich Arbeitsplätze zerstört oder KI-gesteuerte Autos Menschen überfahren.

Künstlicher Intelligenz wird oft mit Misstrauen begegnet. Laut einer Studie des US-amerikanischen Software-Anbieters Pegasystems fühlen sich lediglich 30 Prozent der Kunden wohl, wenn sie mit einer KI interagieren. „Unsere Studie ergab, dass nur 25 Prozent der Konsumenten der Entscheidung eines KI-Systems über ihre Kreditwürdigkeit eher vertrauen als einer von Menschen getroffenen Entscheidung“, sagt Rob Walker, Vizepräsident bei Pegasystems. „Die Verbraucher bevorzugen es wahrscheinlich, mit Menschen zu sprechen, weil sie ein größeres Maß an Vertrauen in sie haben. Und weil sie glauben, dass es möglich ist, die Entscheidung zu beeinflussen.“ Geht es um eine Frage über Leben und Tod, steigt bei den Befragten die Ablehnung einer Entscheidung durch KI auf 86 Prozent. Und so etwas soll man anpreisen?

Das Buzzword „künstliche Intelligenz“ braucht man für Werbezwecke nicht. Es gibt sowieso nur zwei Sorten von Kunden: Der Anwender interessiert sich nur dafür, dass etwas zuverlässiger, schneller, präziser, effizienter funktioniert. Wie du das bewerkstelligst – ob mit Handbetrieb, künstlicher Intelligenz oder Fotosynthese – ist ihm ziemlich egal. Ihm brauchst du mit dem Schlagwort KI nicht kommen, es interessiert ihn nicht. Der Analytiker hingegen will es ganz genau wissen. Welche Tools, Algorithmen und Systeme sind für welchen Effekt verantwortlich? Ihm brauchst du mit dem KI-Label ebenfalls nicht kommen. Der Begriff ist ihm bestenfalls zu schwammig, wenn nicht sogar eine störende Verschleierung.

Transparenz schafft Vertrauen

Also raus damit aus dem Marketing-Vokabular. Dass du den KI-Begriff aus der Werbung streichst, heißt aber nicht, dass du ihn verheimlichen sollst. Er ist ein Fall für die Produktbeschreibung, die Details für die Specs. Wer wissen will, ob etwas „mit KI läuft“, soll die Antwort ganz transparent vorfinden. Das ist gerade dort wichtig, wo ein Kommunikationspartner oder Entscheider möglicherweise ein Mensch, möglicherweise aber auch eine KI ist. So wie bei Chatbots. Schlimmer als die latente Ablehnung gegenüber einer KI ist das Gefühl, mit einer KI abgespeist zu werden, wo man eigentlich einen Menschen erwartet hat.

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2 Kommentare
Natürliche Intelligenz
Natürliche Intelligenz

Ich stimme dir zu, dass der Begriff „KI“ inflationär und oft eher zur Verschleierung als zur Aufklärung verwendet wird.
Hinzufügen möchte ich noch, dass KI heute (von wissenschaftlichen Experimenten im Labor abgesehen) fast ausschließlich das Anwenden von Algorithmen beschreibt. Und zwar nach simplem „Wenn-dann“-Schema mit wenigen, oftmals nur einer Variable. Wenn also der Wind stark weht und die Jalousie einfährt, ist das KEINE Intelligenz. Stattdessen hat ein Sensor einen über dem Grenzwert liegendes Signal erfasst, woraufhin die Steuerung den Motoren das Einfahren befiehlt.
Und der Staubsaugerroboter ist NICHT intelligent, weil er ein Zimmer systematisch abfährt, ohne die Vase umzuwerfen. Vielmehr kartiert er mithilfe der Scanner den Raum und fährt dann eine zuvor einprogrammierten Route ab. Die Abstandssensoren helfen ihm, dabei nichts zu beschädigen.
All das ist nicht einfach zu entwickeln/programmieren. Aber trotzdem unendlich weit von Intelligenz im engeren Sinne entfernt.
„Intelligenz“ ist nämlich die Fähigkeit, bekanntes Wissen über Eigenschaften, Prozesse und Zusammenhänge auf einen unbekannten Fall sinnvoll, also zielführend, anzuwenden. Genau das schafft kein einziges mir bekanntes System, das mit KI wirbt.

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Sheldon
Sheldon

Das stimmt nicht ganz, denn künstliche Intelligenz ist nur ein Oberbegriff für eine Maschine die SCHEINBAR intelligente Handlungen ausführt und das kann sehr wohl nur durch simple Algorithmen passieren. In diesem Fall würde ich schon sagen, dass ein Staubsaugerroboter in diese Kategorie eingeordnet werden kann. Allerdings hat dir KI eine Unterkategorie, nämlich das maschinelle Lernen. Beim maschinellen Lernen ist es tatsächlich so, dass darunter nur Software fällt, die es der Maschine ermöglicht, zuerst aus vorhandenen Datensätzen zu lernen und das gesammelte Wissen dann auf einen unbekannten Fall anzuwenden. Hierfür wären wenn-dann Algorithmen zu wenig

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