Analyse

Le Tote kauft Lord & Taylor: Wieso Pureplayer Kaufhäuser retten

Das Fashion-Startup Le Tote kauft das Traditionskaufhaus Lord & Taylor. Im Bild: Lord & Taylor-Filiale im Einkaufszentrum Palisade Centers im US-Bundesstaat New York, (Foto: John Arehart / Shutterstock.com)

Le Tote, ein Fashion-Startup kauft die milliardenschwere Kaufhauskette Lord & Taylor. Wieso der Deal nicht nur passt, sondern zukunftsweisend ist.

Le Tote kauft Lord & Taylor, das ist in etwa so als würde ein kleiner, gut laufender Fashion-Onlineshop H&M kaufen. Noch verrückter dürfte sein, dass es aller Wahrscheinlichkeit nach nicht nur ein sinnvoller, sondern ein zukunftsweisender Deal ist. Es zeichnet sich ein Trend ab: Die erfolgreichen digitalen Händler gehen auf Einkaufstour, entkernen alte angestaubte Ketten und stülpen ihnen digitale Konzepte über. Der Einzelhandel ist nicht tot, er wird nur überrannt von der digitalen Avantgarde, weil er selbst nur schwer tragfähige, neue digitale Geschäftsmodelle entwerfen kann.

Bekommt Le Tote das Kaufhaus Lord & Taylor hinterhergeworfen?

Das US-Startup Le Tote ist seit 2012 am Markt und vermietet für Beträge von 69 bis 119 US-Dollar monatlich Kleidung und Accessoires an weibliche Kunden. Der Dienst ist eine Kombination aus Curated Shopping und Abo-Commerce. Kundinnen bekommen eine Outfit-Auswahl zusammengestellt, die sie noch einmal selbst korrigieren können, in dem sie Teile austauschen, sobald ausgeliehene Kleider zurückgesandt werden, kommt das nächste Outfit. Le Tote steht mit einer Bewertung von 180 Millionen noch dem Konkurrenten Rent the Runway gegenüber, der mit mehr als einer Milliarde US-Dollar bewertetet wurde. Der Konkurrent bietet Designer-Outfits mit deutlich weniger Kleidungsstücken und einer höheren Gebühr ab 159 US-Dollar an, wie das Handelsblatt schreibt.

Le Tote: Das Fashion-Startups vermietet Kleidung und Accessoires im Abonnement.

Le Tote: Das Fashion-Startups vermietet Kleidung und Accessoires im Abonnement. (Screenshot: Le Tote)

Neben dem hochwertigeren Segment, hat Rent the Runway einen Vorteil: fünf Läden in New York, Washington, San Francisco, Chicago und Los Angeles. Jetzt hat Le Tote auf einen Schlag 38 Kaufhäuser in bester Lage dazugewonnen.

Der Deal wirkt etwas abstrus, denn ein vergleichsweise kleines Startup erwirbt eine Kaufhauskette mit Milliardenumsatz vom kanadischen Handelsriesen Hudsons Bay Company (HBC) – noch dazu auf Kredit in Raten, die erste Zahlung soll 75 Millionen betragen, der Rest kommt über zwei Jahre. Die Hintergründe machen klar, wieso HBC die Kette scheinbar verramscht. Lord & Taylor hat über eine Milliarde US-Dollar Umsatz erwirtschaftet, für die Muttergesellschaft allerdings keinen Gewinn eingebracht. Erst 2017 hat Lord & Taylor als Teil eines Sanierungsplans einen Flagship Store in New York an das Coworking-Unternehmen WeWork verkaufen müssen. Le Tote bekommt keine Immobilien, nur die Marke, das Inventar und 38 Filial-Standorte. Nach drei Jahren wollen HBC und Le Tote neu bewerten und festlegen ob HBC einige Standorte zurücknimmt, oder nicht. Und HBC hat eine Minderheitsbeteiligung an Le Tote bekommen

Le Tote hat hier zwar ein Schnäppchen gemacht, aber für HBC ist der Deal vernünftig. Im besten Fall wirft die Minderheitsbeteiligung zukünftig mehr Ertrag ab als Lord & Taylor bisher verbrannt hat, die Mieteinnahmen sind erstmal gesichert und bringen weiteren Ertrag ein. Im schlimmsten Fall holt sich HBC die lukrativsten Standorte wieder zurück.

Wie Le Tote Lord & Taylor nutzen wird

Vermutlich wird Le Tote die Standorte erstmal unverändert weiterbetreiben, aber zügig den eigenen Service in die Standorte integrieren. Eine Shop-in-Shop-Lösung für die Abwicklung der Le-Tote-Abos ist möglich, außerdem ist intensive Werbung für das Abo in den Filialen zu erwarten. Le-Tote-Kunden werden auf das Sortiment von Lord & Taylor zurückgreifen und vor Ort Kleider leihen und zurückgegeben können.

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