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Leaks zu Wikileaks: Julian, der Troll

Julian Assange war mal eine Ikone der freien Welt. Das ist er heute nicht mehr. (Foto: dpa)

Wikileaks galt lange als Vorbild für investigative Enthüllungen. Ein Leak belegt nun aber einmal mehr, dass das Portal alles andere als unabhängig ist.

Noch vor wenigen Jahren verkörperte Julian Assange weltweit eine Ikone des Whistleblowings. 2008 erhielt der Wikileaks-Gründer den „Freedom of Expression“-Award, 2010 ernannte ihn die Zeitung Le Monde zum „Mann des Jahres“ und 2011 wurde ihm die Goldmedaille für Frieden und Gerechtigkeit von der Sydney-Peace-Foundation verliehen. Mit seiner Plattform ermöglichte er es Informanten, bis dahin geheime Daten weltweit zu veröffentlichen. Vor allem die Dokumente, die ihm im Jahre 2010 die Whistleblowerin Chelsea Manning zuspielte, brachten Assange und Wikileaks globale Aufmerksamkeit. Die kleine Plattform gegen die Weltmacht USA – es schien die perfekte Underdog-Geschichte.

Warum Wikileaks die Republikaner bevorzugte

Doch das Image des kleinen Enthüllungsportals, das problematische Hintergründe veröffentlicht, hat mittlerweile gewaltigen Schaden genommen. Nicht nur Julian Assange, gegen den Vergewaltigungsvorwürfe vorliegen, steht in der Kritik, sondern auch Wikileaks: Vor der US-Wahl 2016 publizierte das Portal etwa die E-Mails der demokratischen Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton. Beobachter werteten dies als versuchte Einflussnahme auf den Ausgang der Abstimmung, als Stimmungsmache gegen die frühere Außenministerin.

„Es wäre besser, wenn die Republikaner gewinnen.“

Dieser Verdacht erhärtet sich nun. Wikileaks hat offenbar nicht nur die Agenda der republikanischen Partei unterstützt, sondern gab den Anhängern auch noch Tipps, wie sie die demokratischen Kontrahenten trollen können. Das geht aus Chats hervor, die der Investigativseite The Intercept vorliegen. Sie stammen aus den Monaten Mai bis November 2015 und zeigen die Konversationen einer privaten Twitter-Gruppe, in der auch Wikileaks kommentierte. The Intercept geht davon aus, dass das Konto direkt von Julian Assange gesteuert wurde.

„Wir glauben, dass es sehr viel besser wäre, wenn die Republikaner gewinnen“, schrieb der offizielle Wikileaks-Account im November 2015 in die Gruppe. Zu dem Zeitpunkt war noch nicht entschieden, wer für die Partei bei der US-Wahl antreten würde, Donald Trump musste sich noch gegen andere Mitglieder wie Ben Carson oder Marco Rubio durchsetzen. Würde die Partei gewinnen, so mutmaßte damals der Verfasser, würden Demokraten, Medien und Liberale einen Block bilden, der ihre schlechtesten Eigenschaften zum Vorschein bringen werde. Wikileaks diffamierte Clinton weiter als „sadistische Soziopathin“.

Hillary Clinton zu schaden war ein erklärtes Ziel von Wikileaks. (Foto: Trevor Collens / Shutterstock.com)

Glaubt man den Chats, ging es Julian Assange auch um die Frage militärischer Aktivitäten. „Hillary hat eine größere Freiheit als die republikanische Partei, einen Krieg zu starten, und sie hat den Willen, das auch zu tun“, hieß es vom Wikileaks-Account. Um sie als Präsidentin zu verhindern, gab er den anderen auch gleich Tipps, wie sie in den sozialen Netzwerken trollen können: „Du könntest deinen Namen ändern und als Bild eine hübsche Blondine zeigen.“ Das würde bei resistenten Männern dafür sorgen, dass sie sich öffnen. Julian, der Troll.

Der Bericht verdeutlicht einmal mehr, wie sehr Wikileaks am Sieg Donald Trumps gelegen war. Als ein Mittel zum Zweck identifizierte die Plattform offenbar die sozialen Netzwerke. Wie groß der Einfluss des Portals auf die Wahl tatsächlich war, kann nachträglich vermutlich nicht mehr genau bestimmt werden. Dass die Plattform aber versucht hat, Einfluss zu nehmen, daran besteht spätestens jetzt kein Zweifel mehr.

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