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Legale Angebote lassen Film- und Musikpiraterie weltweit zurückgehen

(Foto: Daniel Krason/Shutterstock)

Einer Studie zufolge ist die Film- und Musikpiraterie weltweit stark zurückgegangen. Dafür sind demnach aber weder teure Kampagnen noch drastische Strafen verantwortlich – sondern legale Angebote.

Legale, zumeist kostenpflichtige Angebote wie Netflix, Spotify oder Kindle Unlimited haben dafür gesorgt, dass die Film- und Musikpiraterie weltweit stark zurückgegangen ist. Kampagnen, Strafen und die Schließung von illegalen Plattformen sind dafür weniger verantwortlich. Das hat jedenfalls die Studie „The Decline of Online Piracy: How Markets – Not Enforcement – Drive Down Copyright Infringement“ der Forscher João Quintais und Joost Poort von der Uni Amsterdam ergeben. Für die Studie haben die Wissenschaftler 35.000 Menschen in 13 Staaten, darunter Deutschland, befragt und Studien ausgewertet.

Musikpiraterie und mehr: Legale Angebote als Gegenmittel

Das Ergebnis der Studie lässt sich laut ORF.at wie folgt zusammenfassen: Je geringer das Onlineangebot an Filmen, Musik, Games oder E-Books in der jeweiligen Landessprache ist, desto höher ist der Anteil von illegal beschafftem Content. Zudem spielt auch das Pro-Kopf-Einkommen eine große Rolle. Wo das Einkommen geringer ist, ist der Anteil an der Nutzung von illegalen Angeboten geringer. In Deutschland, den Niederlanden, Schweden oder Großbritannien lag der Piraterie-Anteil 2017 mit 29 bis 38 Prozent deutlich unter jenem von Spanien (64 Prozent) oder Brasilien (67 Prozent).

Die Schließung von populären illegalen Tausch- oder Streaming-Plattformen wie Megaupload oder Kino.to sorgt laut der Studie zwar für ein kurzfristiges Ansteigen der Umsätze der Content-Industrie, schon kurze Zeit später haben die Content-Piraten aber neue illegale Angebote für sich entdeckt. Auch drakonische Strafen wie jene, die im Urheberrechtsgesetz Hadopi in Frankreich vorgesehen sind („Three-Strikes-Out“), zeigen laut den Untersuchungen der Amsterdamer Forscher nur wenig Wirkung. Nachzuweisen war demnach ein Rückgang lediglich beim Inkrafttreten des Gesetzes im Jahr 2009.

Interessant ist derweil, dass die Gruppe der Film- und Musikpiraten nahezu deckungsgleich mit jener der Käufer von Inhalten oder Streaming-Abonnenten ist. Darüber hinaus sind die Ergebnisse der Studie sicher nicht sonderlich überraschend. Die von Google finanzierte Studie dürfte dem Konzern wahrscheinlich künftig als Argumentationshilfe gegen weitere Regulierung durch die EU-Kommission (Stichwort: „Digital Services Act“) dienen, wie ORF.at mutmaßt. Die deutsche Content-Industrie scheint derweil schon eine entsprechende Kampagne zu planen, wie aus Unterlagen von Netzpolitik.org hervorgeht.

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4 Kommentare
Micha
Micha

Das wird sich wieder ändern, wenn jeder Anbieter seinen eigenen Streamingdienst hat.
Niemand hat Lust 6 Abos zu bezahlen. Dann werden viele wieder illegal laden.

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Naderio

In die Karten spielt der Theorie auch noch die immer größere Verbreitung von Glasfaser Anschlüssen.
Aber da man Abos auch fast immer Monatlich kündigen kann, denke ich dass ist ein akzeptabler Kompromiss der Anbieter.
Ich will dort was sehen, also buche ich einen Monat.

Vielleicht kommen auch die Prepaid „Watch-Cards“ oder so :)

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johannes
johannes

“ Wo das Einkommen geringer ist, ist der Anteil an der Nutzung von illegalen Angeboten geringer.“

müsste es nicht „legalen“

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Dirk
Dirk

Nachdem nun so gut wie alle Dorf-Videotheken dicht gemacht haben und die Streaming-Dienste Maxdome und Co neue Filme nur noch als Kaufoption anbieten, wird der illegale Download wieder zu nehmen! Wer will denn 12-17€ ausgeben, wenn man den Film nur einmal anschauen will! Bei Musik sieht das schon anders aus, wenn man das Album mag, kauft man sich es auch und hört es sich öfter an!

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