Interview

Warum diese Gründerinnen wegen „Die Höhle der Löwen“ fast pleitegingen

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Rieger: Wenige Tage nach dem Dreh erhielten wir von der Produktionsfirma einen weiteren Anruf. Die bot uns an, mit einem Kamerateam nach Hannover zu kommen, um eine Homestory zu drehen. Das sind diese mehrminütigen Einspieler vor der Ausstrahlung eines Auftritts in „Die Höhle der Löwen“, in denen das Startup noch mal ausführlich vorgestellt wird. Das Kamerateam hat dann unsere Backstube besucht und meine Mutter gefilmt, die das Rezept an uns weitergegeben hat.

t3n: Ein gutes Zeichen, dass euer Auftritt auf jeden Fall ausgestrahlt wird.

Vázquez Bea: Absolut, ja. Da sprach bis zu diesem Zeitpunkt nichts dagegen. Zumal die Produktionsfirma uns auch noch mal gesagt hat, wie super sie die Geschichte finden und wie gut sie in die Vorweihnachtszeit passt. Wir haben keinen Moment daran geglaubt, dass unser Auftritt noch gestrichen werden könnte.

Rieger: Genau. Deshalb haben wir auch schon mit den Vorbereitungen in der Produktion begonnen. Wir wollten ja pünktlich zur Ausstrahlung auch lieferfähig sein.

t3n: Wie sahen die Vorbereitungen konkret aus?

Rieger: Wir haben ungefähr 300.000 einzelne Lebkuchen produziert. Problematisch waren vor allem die Versandkartons für die vielen unterschiedlichen Lebkuchengrößen. Anders als beispielsweise bei einer App reicht es eben nicht, bloß Serverkapazitäten für die Sendung anzumieten, sondern wir mussten die Verpackungen vorab einkaufen und die Lebkuchen mit wochenlangem Vorlauf einpacken und lagern, um später nur noch abverkaufen zu müssen.

Vázquez Bea: Für ein junges Startup wie unseres ist das natürlich sehr kostspielig. Wir sind ja kein Unternehmen wie Lindt, das mal eben eine Million Verpackungen bestellt. In unserer Größenordnung war es schwierig, gute Preiskonditionen mit den Lieferanten auszuhandeln. Als Startup ohne lange Historie lassen sich auch nur wenige auf eine Vorfinanzierung ein, wir mussten oft in Vorkasse gehen. So haben wir Verbindlichkeiten von rund 150.000 Euro aufgebaut.

Rieger: Zusätzlich zu den laufenden Kosten. Extra für den Auftritt haben wir beispielsweise zusätzliche Mitarbeiter eingestellt, die die Website überarbeitet haben und im Nachgang der Sendung auch Kundenanfragen bearbeiten sollten. Als die neue Staffel von „Die Höhle der Löwen“ dann begann und wir Mitte Oktober immer noch keine Rückmeldung von der Produktionsfirma hatten, wurden wir aber langsam unruhig.

t3n: Erfährt man nicht vor Staffelstart, ob der eigene Auftritt gezeigt wird?

Rieger: Nein. Von der Produktionsfirma hieß es, dass wir das spätestens drei Wochen vor Ausstrahlung der jeweiligen Folge erfahren. Das hat wohl damit zu tun, dass die einzelnen Folgen immer erst kurz vorher final geschnitten und abgenommen werden. Entsprechend haben wir so geplant, dass unser Lager bis Ende Oktober fertig gefüllt ist und noch Serverkapazitäten für unsere Website angemietet.

Vázquez Bea: Wir haben dann sicherheitshalber auch noch mal eine Whatsapp an einen Mitarbeiter der Produktionsfirma geschickt, der uns noch etwas vertröstet hat. Drei Tage später kam dann endlich eine E-Mail.

t3n: Mit einer schockierenden Nachricht.

Vázquez Bea: Ja. Die Juristin aus dem Produktionsteam schrieb uns, dass wir doch nicht in der Staffel dabei sind – kurz und knapp.

t3n: Wie hat sich die E-Mail angefühlt?

Vázquez Bea: Ich habe die E-Mail noch drei Mal gelesen und es immer noch nicht geglaubt. Ich hielt das für einen Scherz. Wir haben dann sofort bei der Produktionsfirma angerufen.

Rieger: Das war natürlich zwecklos. Der Vertrag, den Startups mit der Produktionsfirma schließen, sieht eben vor, dass der Sender sich am Ende noch gegen eine Veröffentlichung des Auftritts entscheiden kann. Uns war vor der Absage nicht bewusst, dass es bereits mehreren Startups so gegangen ist und sie auf Vorrat produzieren. Trotzdem, der ganze Aufwand vorher: Der Dreh, die Homestory, der viele Zuspruch des Produktionsteams, die Vorbereitungen – alles umsonst. Wir waren völlig geschockt.

Vázquez Bea: Und hatten plötzlich ein ernsthaftes finanzielles Problem.

t3n: Inwiefern?

Rieger: Wir hatten Verbindlichkeiten von mehr als 150.000 Euro, die wir ohne den geplanten Umsatz aus der Sendung unmöglich tilgen konnten. Wegen einer E-Mail drohte uns quasi die Insolvenz.

t3n: Aber war es nicht auch blauäugig, sich wegen einer einzigen Sendung derart zu verschulden?

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3 Kommentare
Patrick
Patrick

Das ist anscheinend richtig übel gelaufen. Die beiden Frauen haben meiner Meinung nach, so wie es geschildert wurde, alles richtig gemacht. Bei manchen Deals muss man in Vorkasse gehen. Die Intransparenz und das gute Zusprechen von Fernsehsender mit einer anschließenden Absage ist üblich.

Weiter machen!

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Daniel
Daniel

Liebes t3n Team,

Ihr hättet in Euren Artikel ruhig öfter auf das Lenchen Startup verlinken können.

Dafür hättet Ihr Euch ein paar Löwen Links sparen können ;-)

Liebe Grüße Daniel

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manney
manney

Also auch wenn mir der Lebkuchen der Lenchen sehr gut geschmeckt haben, muss ich sagen, dass es mir überhaupt nicht zusagt, wie groß das Thema hier aufgebauscht wird.
Ich bin seit zehn Jahren Unternehmerin und jeder gute Steuerberater gibt seinen Firmen-Kunden etwas mit auf den Weg:

Sie können nicht mit Geld rechnen, das Sie in der Zukunft haben werden könnten. (Konjunktiv Fut.1)

Und nur eine Vorab-Kalkulation auf einem „was wäre wenn“ aufzubauen ist aus unternehmerischer Sicht unklug und wenig richtungsweisend. Es macht den Eindruck, dass die Frauen nur billige Werbung schalten wollten.
Alle Hoffnungen in eine Sendung zu setzen, dort aber einen Vertag unterschreiben, in dem beim Kleingedruckten steht, dass sich die Produktionsfirma vorbehalten darf, den Spot/ die Szenen nicht auszustrahlen, und hinterher an die Presse gehen, weil der Spot eben nicht ausgestrahlt wurde und man sich als geschädigt sieht, obwohl niemand versichert hat, dass der Umsatzsegen überhaupt eintritt ist meiner Meinung nach ziemlich anmaßend.

Womit ich bei dem neuerlichen Wiso-Auftritt der beiden im ZDF bin: Sie versuchen alles um ins Fernsehen zu kommen. Das macht ein Start-Up kein bisschen sympathisch, weshalb ich dort auch nie wieder einkaufen werde.

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