Interview

Warum diese Gründerinnen wegen „Die Höhle der Löwen“ fast pleitegingen

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Rieger: Nein, auf keinen Fall. Nach allen Fakten, die uns vorlagen, konnten wir ohne weiteres mit einer Ausstrahlung rechnen. Und sich gar nicht auf die Sendung vorbereiten ist ja erst recht keine Option, als Unternehmen willst du auch keine Lieferprobleme haben oder einen Onlineshop, der nicht erreichbar ist. Außerdem standen den Verbindlichkeiten ja genau kalkulierte Umsatzerwartungen gegenüber.

t3n: Was heißt das genau?

Rieger: Wir hatten das Jahr 2017 mit einem Umsatz von circa 65.000 Euro abgeschlossen und planten für 2018 – ohne die Löwen – mit realistischen 140.000 Euro. Also eine Verdopplung des Umsatzes. Als sich dann die Teilnahme an der Sendung ergab, haben wir mit einer halben Million Euro Umsatz kalkuliert. Und das war schon das Worst-Case-Szenario, wenn beispielsweise der Server abraucht oder wir Lieferprobleme haben. Optimistisch hatten wir deshalb gar mit 900.000 Euro Umsatz gerechnet. Und auch das war nicht aus der Luft gegriffen, sondern von Erfahrungen anderer Startups aus der Sendung gedeckt.

t3n: Nun war diese Rechnung trotzdem hinfällig. Wie ging es weiter?

Vázquez Bea: Wir haben unter anderem die Produktion erst einmal gestoppt und unser Gehalt gekürzt. Uns war aber schnell klar, dass es ohne den Goodwill unserer Lieferanten und Investoren nicht geht.

Rieger: Wir haben dann beispielsweise mit einem Verpackungshersteller die Vereinbarung getroffen, die Rechnungen über einen Zeitraum von sechs Monaten abstottern zu können. Das Problem war ja auch, dass Lebkuchen ein Saisongeschäft ist. Im ersten Halbjahr 2019 konnten wir also nicht mit vielen Einnahmen rechnen, was unsere Verhandlungsposition nicht verbessert hat. Derartige Gespräche mit Lieferanten waren einige nötig. Am Ende hat es zwar knapp gereicht, auch weil ein Investor noch mal ein Darlehen gewährt hat. Rechnungen stottern wir immer aber immer noch ab. Hinzu kommen hohe Lagerkosten für die vielen Verpackungen und Kartons.

t3n: Habt ihr zwischendurch auch mal ans Aufgeben gedacht?

Vázquez Bea: Es ist nicht so, dass wir uns sofort mit dem Insolvenzantrag auf dem Weg zum Amtsgericht gesehen haben. Aber die Überlegung zum Aufgeben gab es tatsächlich: Wir liefen ja bereits vor der Absage durch die Produktionsfirma auf dem Zahnfleisch, haben Nachtschichten eingelegt, unsere Familien vernachlässigt. Und wenn dann so eine bittere E-Mail kommt und du weißt: Die Nachtschichten werden bleiben und die Familien weiterhin leiden – das schafft wenig Zuversicht.

Rieger: Andererseits sind wir auch Gründerinnen. Da gehört es in Krisensituationen dazu, dass man versucht, die eigene Firma zu retten.

t3n: Wo steht eure Firma heute?

Rieger: Ein bisschen Saure-Gurken-Zeit besteht weiterhin. Wir können immer noch keine großen Sprünge machen. Die Auftragslage ist aktuell aber sehr gut und man kann wohl sagen, dass wir das Gröbste überstanden haben. Wir machen im Plan eben so weiter, wie wir es ursprünglich auch ohne DHDL vorhatten – nur eben langsamer, dafür aber auch deutlich nachhaltiger. Rückblickend, mit der Erfahrung aus dem letzten Jahr ist es für unser Unternehmen und uns der weitaus bessere Weg.

t3n: Ihr würdet also nicht noch mal an „Die Höhle der Löwen“ teilnehmen?

Vázquez Bea: Nein, auf keinen Fall.

t3n: Vielen Dank für das Gespräch.

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3 Kommentare
Patrick
Patrick

Das ist anscheinend richtig übel gelaufen. Die beiden Frauen haben meiner Meinung nach, so wie es geschildert wurde, alles richtig gemacht. Bei manchen Deals muss man in Vorkasse gehen. Die Intransparenz und das gute Zusprechen von Fernsehsender mit einer anschließenden Absage ist üblich.

Weiter machen!

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Daniel
Daniel

Liebes t3n Team,

Ihr hättet in Euren Artikel ruhig öfter auf das Lenchen Startup verlinken können.

Dafür hättet Ihr Euch ein paar Löwen Links sparen können ;-)

Liebe Grüße Daniel

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manney
manney

Also auch wenn mir der Lebkuchen der Lenchen sehr gut geschmeckt haben, muss ich sagen, dass es mir überhaupt nicht zusagt, wie groß das Thema hier aufgebauscht wird.
Ich bin seit zehn Jahren Unternehmerin und jeder gute Steuerberater gibt seinen Firmen-Kunden etwas mit auf den Weg:

Sie können nicht mit Geld rechnen, das Sie in der Zukunft haben werden könnten. (Konjunktiv Fut.1)

Und nur eine Vorab-Kalkulation auf einem „was wäre wenn“ aufzubauen ist aus unternehmerischer Sicht unklug und wenig richtungsweisend. Es macht den Eindruck, dass die Frauen nur billige Werbung schalten wollten.
Alle Hoffnungen in eine Sendung zu setzen, dort aber einen Vertag unterschreiben, in dem beim Kleingedruckten steht, dass sich die Produktionsfirma vorbehalten darf, den Spot/ die Szenen nicht auszustrahlen, und hinterher an die Presse gehen, weil der Spot eben nicht ausgestrahlt wurde und man sich als geschädigt sieht, obwohl niemand versichert hat, dass der Umsatzsegen überhaupt eintritt ist meiner Meinung nach ziemlich anmaßend.

Womit ich bei dem neuerlichen Wiso-Auftritt der beiden im ZDF bin: Sie versuchen alles um ins Fernsehen zu kommen. Das macht ein Start-Up kein bisschen sympathisch, weshalb ich dort auch nie wieder einkaufen werde.

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