Marketing

Like-Button-Streit eskaliert: Datenschützer mahnt ab

Im Streit um die Verwendung des Facebook Like-Buttons wird es ernst in Schleswig-Holstein. Der Leiter des Unabhängigen Landeszentrums für Datenschutz (ULD), Thilo Weichert, mahnt Staatskanzlei, Wirtschaftsministerium und Privatwirtschaft deshalb ab. Aufgrund der „unsicheren Rechtslage“ werde die IHK Schleswig-Holstein einen Musterprozess anstrengen, schreiben die Lübecker Nachrichten. Auch die Behörden zeigen kein Einverständnis.

Like-Button-Verwendung: Mögliche Bußgelder gegen Privatwirtschaft

Bereits im August hatte das ULD allen Website-Betreibern Schleswig-Holsteins eine Frist gesetzt, Facebook-Like-Buttons wegen des Verstoßes gegen europäisches Datenschutzrecht von ihren Websites zu entfernen. Stein des Anstoßes ist dabei im Wesentlichen der Vorwurf, Facebooks Like-Button leite Nutzerdaten selbst dannweiter, wenn nicht auf den Button geklickt, sondern nur die Website besucht wurde. Diese veranschlagte Frist ist nun abgelaufen und Weichert ist Willens, Maßnahmen zu ergreifen. Den zehn abgemahnten Unternehmen der Privatwirtschaft drohen demnach Bußgelder in Höhe von bis zu 50.000 Euro, sollten die Facebook-Plugins nicht bis Ende des Monats verschwunden sein. Öffentliche Behörden könnten laut ULD nicht zu Bußgeldzahlungen oder Löschungen des Plugins gezwungen werden. Es gäbe lediglich die Möglichkeit, eine förmliche Beanstandung aussprechen und den Fall der zuständigen Aufsichtsbehörde zu melden. Sven Polenz, ULD, erklärt: „Die öffentlichen Stellen bekommen jetzt die Gelegenheit, Stellung zu nehmen und gesetzeskonforme technische Lösungen vorzuschlagen, die uns vielleicht unbekannt sind.“

Facebooks Like-Button führt einmal mehr zu kontroversen Diskussionen, wie das Beispiel in Schleswig-Holstein zeigt. Foto: Foto: Ksayer1 / flickr.com, Lizenz: CC-BY-SA

Widerstand gegen das Like-Button-Verbot

Mit Einsicht der Betroffenen ist unterdessen nicht zu rechnen. Die Staatskanzlei erklärt in Person von Regierungssprecher Knut Peters, das soziale Netzwerk habe sich besonders in Krisenzeiten bewährt. Als Beispiele nennt er die Bekanntmachung von winterbedingten Schulausfällen und die Verbreitung von Informationen über das EHEC-Virus. Auch Ministerpräsident Peter Harry Carstensen macht seinen Standpunkt im Bezug auf das Gebaren des ULD gegenüber dem Schleswig-Holsteiner Zeitungsverlag unmissverständlich deutlich: „Drohgebärden sind nicht nur kontraproduktiv, sie sind auch rechtlich fragwürdig.“. Die IHK Schleswig-Holstein signalisiert, sie werde im Disput um die Verwendung des Like-Buttons nicht nachgeben und auch ein Verfahren nicht scheuen.

Weiterführende Links:

Bildnachweis für die Newsübersicht: Foto: Ksayer1 / flickr.com, Lizenz: CC-BY-SA
Bitte beachte unsere Community-Richtlinien

Wir freuen uns über kontroverse Diskussionen, die gerne auch mal hitzig geführt werden dürfen. Beleidigende, grob anstößige, rassistische und strafrechtlich relevante Äußerungen und Beiträge tolerieren wir nicht. Bitte achte darauf, dass du keine Texte veröffentlichst, für die du keine ausdrückliche Erlaubnis des Urhebers hast. Ebenfalls nicht erlaubt ist der Missbrauch der Webangebote unter t3n.de als Werbeplattform. Die Nennung von Produktnamen, Herstellern, Dienstleistern und Websites ist nur dann zulässig, wenn damit nicht vorrangig der Zweck der Werbung verfolgt wird. Wir behalten uns vor, Beiträge, die diese Regeln verletzen, zu löschen und Accounts zeitweilig oder auf Dauer zu sperren.

Trotz all dieser notwendigen Regeln: Diskutiere kontrovers, sage anderen deine Meinung, trage mit weiterführenden Informationen zum Wissensaustausch bei, aber bleibe dabei fair und respektiere die Meinung anderer. Wir wünschen Dir viel Spaß mit den Webangeboten von t3n und freuen uns auf spannende Beiträge.

Dein t3n-Team

8 Kommentare
Christian

„Facebook-Streit: Weicherts Vorgehen unzulässig?“ titelt die Print-Ausgabe der Kieler Nachrichten von heute. Bis „kurz vor der Amtsanmaßung“ reicht die Kritik aus der Politik. Andere Experten bestritten die Zuständigkeit des ULD nach dem Telemediengesetz (TMG). Die Kieler Nachrichten selbst haben ihre Facebook-Seite kürzlich abgeschaltet:

https://fbcdn-sphotos-a.akamaihd.net/hphotos-ak-snc7/302690_238926152823199_123061381076344_611837_1782327566_n.jpg

(oder http://www.facebook.com/infsocblog)

Antworten
Marco

Warum nehmen denn nicht einfach alle unseren Button?

Antworten
nik
nik

„das soziale Netzwerk habe sich besonders in Krisenzeiten bewährt. Als Beispiele nennt er die Bekanntmachung von winterbedingten Schulausfällen und die Verbreitung von Informationen über das EHEC-Virus“

Was hat das bitte mit dem Like-Button zu tun? Für diesen Zweck würde auch ein Hinweis oder ein Link auf die Profilseite bei FB reichen. Vielleicht sollte man einfach mal nichts sagen, wenn man keine Ahnung hat.

Antworten
Daniel W.

Ein geeigneter Ersatz für den Like-Button könnte es sein, einfach einen grafischen Facebook-Button mit der Fanpage des Unternehmens zu verlinken. So gehen die Likes letztlich nicht verloren und man kann einen Counter als App anlegen, den man in seine Site einbinden kann. Alternativ gab es vom Heise Verlag vor iniger Zeit einen 2 Click-Buton, der wohl auch mit dem deutschen Datenschutz konform ist.

Antworten
eyepie
eyepie

Kann man denn den Button nicht auf dem eigenen Server hosten, so daß der Code vom Facebook-Server nicht geladen werden muß?

Antworten

Melde dich mit deinem t3n Account an oder fülle die unteren Felder aus.