Interview

Flugtaxi-Erfinder: „Ich würde sogar meine Mutter in das Ding setzen“

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Das wird Anfang bis Mitte der 2020er-Jahre passieren. Natürlich ist das noch einige Jahre hin, aber es wird schneller gehen, als viele Menschen jetzt noch glauben. Übrigens schließen sich der Breitbandausbau und die Entwicklung von Flugtaxis auch nicht aus. Wir brauchen beides, um das Land digital voranzubringen.

t3n.de: Im vergangenen Jahr haben Sie einen weltweit beachteten, unbemannten Jungfernflug mit dem Lilium-Jet absolviert. Was ist seitdem passiert?

Was wir damals gezeigt haben, war ein lebensgroßer Prototyp mit zwei Sitzen. Seitdem haben wir das Flugzeug in allen erdenklichen Manövern getestet. Wir kennen jetzt die Technologie und sind nun dabei, aus dem Prototyp ein serienreifes Flugtaxi mit fünf Sitzen zu bauen. Nach der Zulassung wollen wir damit auf den Markt gehen.

t3n.de: Apropos Zulassung – oft wird in Deutschland ja eine Überregulierung beklagt. Ist das nicht ein Problem für Sie?

Ich finde nicht, dass wir ein überreguliertes Land sind. Sobald Menschen zusammenleben und es neue Technologien gibt, muss man sie sogar regulieren.

t3n.de: Das müssen Sie erklären.

Bei Lilium haben wir das Henne-Ei-Problem: Es gibt eine neue Technologie, jedoch in manchen Aspekten keine Regulierung dafür. Die werden wir aber brauchen. Mein Wunsch als CEO vom Lilium ist nicht: „bloß keine Regulierung“, sondern ich möchte klare Regeln sowohl für den Luftraum als auch bei Lärmstandards und Landeplätzen. Sonst funktioniert es nicht.

t3n.de: Trotzdem müssen Sie für ihre Idee viel Lobbyarbeit betreiben.

Das ist richtig. In Gesprächen mit Behörden vernehmen wir jedoch keine Ängste. Es gibt viel Begeisterung für das Projekt und die Bereitschaft, uns Steine aus dem Weg räumen zu wollen.

t3n.de: Wie wird der Lilium-Jet in Vergleich zu anderen Transportmitteln bei der Sicherheit dastehen?

Extrem gut. Eines unserer großen Ziele war, dieselbe Sicherheitsstufe zu erreichen wie in der Passagierluftfahrt. Dafür setzen wir nicht nur auf dieselben Entwicklungsprozesse, sondern auch auf technologische Redundanzen. Es gibt kein Bauteil im Lilium-Jet, das nicht mindestens zweimal vorhanden ist. Fällt beispielsweise eine Turbine aus, übernimmt eine andere den Job.

t3n.de: Und wenn es trotzdem zu ernsten Zwischenfall kommt?

Natürlich gibt es keine hundertprozentige Sicherheit. Nichts ist absolut sicher, auch nicht unsere Atomkraftwerke. Sollte der Ernstfall eintreten, verfügt der Lilium-Jet aber über einen Fallschirm an Bord, der das Flugzeug sicher zu Boden bringt.

t3n.de: Also würden Sie den Jet auch Menschen mit Flugangst empfehlen?

Absolut! Ich würde sogar meine Mutter und meine Kinder in das Ding reinsetzen. Das Ziel hatte ich schon vor Augen, als ich die Firma gegründet habe. So erklärt sich eigentlich von selbst, wie man das Flugzeug bauen muss.

t3n.de: Wie viele Stunden pro Woche arbeiten Sie?

Das kommt darauf an. Zählt das Grübeln unter der Dusche auch dazu? Wenn ja, schätze ich mal bis zu 75 Stunden pro Woche.

t3n.de: Das sind fast elf Stunden pro Tag. 

Das Unternehmen würde auch 500 Stunden von mir vertragen. Natürlich ist eine gesunde Balance zwischen Arbeit und Freizeit immer eines der größten Probleme, die man als Selbstständiger bewältigen muss. Mittlerweile schaffe ich es, mir wenigstens einen Tag in der Woche frei zu nehmen. Dafür musste ich lernen, mich selbst zu stoppen und viele Teile meiner Arbeit auf andere Schultern zu verteilen. Aber das ist auch wichtig. Ich würde niemandem empfehlen, dem Klischee vom Unternehmer nachzueifern, der bis zum Umfallen arbeitet oder unterm Schreibtisch schläft.

t3n.de: Klingt nicht so, als sei Elon Musk Ihr Vorbild.

Doch, nur messe ich meine Vorbilder nicht an ihren Arbeitszeiten.

t3n.de: Wer sind Ihre Vorbilder?

Gottlieb Daimler, Carl-Friedrich Benz und Otto Lilienthal. Das waren Menschen, die einfach nur eine Idee hatten mit dem Ziel, die Welt besser zu machen. Ohne sich bremsen zu lassen. Auch Elon Musk gehört für mich dazu.

t3n.de: Und Sie treibt dasselbe an?

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