Interview

Flugtaxi-Erfinder: „Ich würde sogar meine Mutter in das Ding setzen“

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Ja. Bevor ich Lilium gegründet habe, war mir die Schwierigkeit des Vorhabens bewusst. Ein Flugtaxi baut man ja nicht mal eben aus einer Bierlaune heraus. Aber ich habe mir immer gesagt: Das, was ich da bauen möchte, würde so vielen Menschen das Leben erleichtern, so viel wirtschaftliches Wachstum freisetzen. Ich könnte zu jederzeit überall hinreisen und viel mehr Freunde besuchen als früher. Zudem schont der elektrisch betriebene Jet noch die Umwelt. Also habe ich mich rangesetzt.

t3n.de: Bisher sind rund 100 Millionen Dollar in Ihre Idee geflossen. Wie viel Geld wird es am Ende brauchen, um Ihr kommerzielles Flugtaxi an den Start zu bringen?

Das kommt auf die jeweilige Phase des Unternehmens an. In den nächsten Jahren werden noch einmal mehrere hundert Millionen Euro in Lilium investiert werden müssen. Später, wenn wir auf dem Markt sind, sprechen wir irgendwann von Milliardenbeträgen.

t3n.de: Und trotzdem wird ein Flug mit Lilium später günstiger sein als ein normales Taxi?

Genau.

t3n.de: Wie kommt der geringe Flugpreis zustande? Immerhin kostet die Fertigung eines Jets sicher mehr als ein Sportwagen.

Der Lilium-Jet kostet ungefähr eine Million Euro im Bau, das ist richtig. Wie können wir trotzdem günstiger sein als ein Taxi? Ganz einfach: Ein Auto ist zwar zehn- bis 20-mal günstiger als ein Flugzeug, es kann aber auch nur ein Zehntel so viel Kilometer machen in seiner Lebenszeit. Flugzeuge können fünf bis sechs Millionen Kilometer zurücklegen, ehe man sie ausmustern muss.

Beim Personal ist das ähnlich: Ein Pilot ist zwar teurer als ein Taxifahrer aufgrund der Ausbildung, aber er fliegt bei uns ungefähr viermal schneller von A nach B. Das heißt er macht in derselben Zeit viermal so viel Kilometer und Umsatz. Unterm Strich kommen wir also günstiger weg – spätestens, wenn unsere Flugtaxis autonom fliegen.

t3n.deMit Volocopter gibt es in Deutschland ein ähnlich ambitioniertes Flugtaxi-Projekt, das unter anderem von Daimler finanziert wird. Beunruhigt Sie das?

Überhaupt nicht. Der Volocopter ist mit seiner Reichweite von knapp 30 Kilometern darauf optimiert, kurze Strecken im einfachen Schwebemodus zurückzulegen. Wir hingegen wollen mit dem Lilium-Jet größere Strecken bis zu 300 Kilometer in hoher Geschwindigkeit bedienen. Auf lange Sicht wird es im Flugtaxi-Markt sehr viele Wettbewerber geben. Und wenn ich ehrlich bin, wünsche ich mir das sogar.

t3n.de: Wieso?

Wir haben gerade eben noch über Carl-Friedrich Benz und Gottlieb Daimler gesprochen. Wenn Daimler-Benz die einzige Firma gewesen wäre, die Autos gebaut hätte, wäre das Auto niemals zum Standard-Transportmittel der Menschheit geworden. Genauso wird es bei den Flugtaxis sein. Der Markt ist viel zu groß, als dass ihn ein einziges Unternehmen wie Lilium alleine abdecken könnte.

t3n.de: Trotzdem arbeiten selbst große Konzerne wie Airbus oder auch Boeing an eigenen Flugtaxis. Wie stellen Sie sich dagegen?

Ich sehe darin kein Problem für uns. Als Startup können wir schneller an Geld kommen als die großen Luftfahrt-Konzerne. Wir sind agiler, innovativer und für neue Mitarbeiter interessanter. Natürlich beobachten wir den Markt und die Wettbewerber sehr genau. Viele werden uns nacheifern und ebenfalls in den Markt drängen. Solange wir am Ende aber die beste Technologie haben – und das haben wir derzeit –,  kann ich gut schlafen.

t3n.de: Sind Sie heimlich eigentlich schon mit dem Jet abgehoben?

Ich bin natürlich eingestiegen, aber nicht abgehoben. Das darf ich nicht. Ich möchte es mir mit den Behörden ja nicht verscherzen.

t3n.de: Danke für das Gespräch.

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