Analyse

Login-Dienst Verimi: Ein typisch deutscher Fehlstart

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Keine Angebote, die von einer breiten Masse genutzt werden, keine Vielfalt, kein wuchtiger Aufschlag. Sondern zwei Startups, eine Bank und eine App – und nur die Deutsche Bank zeigt Flagge mit einem Verimi-Button unter dem regulären Button auf ihrer Website. Die anderen Verimi-Partner haben die Verimi-Features zum Zeitpunkt unseres Tests nur über die App verfügbar gemacht.

Zum Zeitpunkt des Starts war nur im Onlinebanking der Deutschen Bank ein Verimi-Button zum Login zu finden. (Screenshot: Deutsche Bank)

Verimi weist im Gespräch mit t3n.de zu Recht darauf hin, dass die Integration der Deutschen Bank technisch und regulatorisch ein komplexer Fall ist. Ob die Anbindung des Finanzinstituts aber wirklich die Strahlkraft besitzt, die Verimi ihr zugesteht, ist fraglich: Trotz der hohen Kundenzahl der Bank handelt es sich um eine geschlossene Benutzergruppe. Es stellt sich die Frage: Welchen Login soll ein interessierter, neuer Nutzer denn ausprobieren? Wer nicht schon ein Konto bei dem Finanzinstitut hat, der findet schlicht nur wenig zum Testen.

Verimi: Minimalismus an der falschen Stelle

Verimi verweist darauf, dass man mit einem „Minimum Viable Product“ (MVP) an den Start gegangen sei. „Seit Dezember befand sich das Produkt im Friendly-User-Test. Zuvor haben wir unseren Prototypen in verschiedenen Umgebungen getestet, um die Usability und Nutzerführung zu verbessern“, schreibt Verimi in einer Stellungnahme. Das Unternehmen sieht sich als agile Organisation und will sich sukzessive schnell weiterentwickeln. Schon im kommenden Monat sollen weitere Partner freigeschaltet werden. Welche das sind, gibt Verimi auf Nachfrage nicht an, in der App findet sich jedoch unter anderem ein Hinweis auf die Zeitung Die Welt, die Allianz, Daimler, Miles and More sowie die Partner Postbank und Telekom.

Auf die Frage, wieso Verimi nicht auf eine Signalwirkung gesetzt habe und mit vielen großen Namen gestartet sei – um die ewigen Unkenrufe bei zögerlichen Starts von deutschen Diensten zu vermeiden und den Nutzer gleich zu Beginn zu überzeugen –, erklärte der Login-Dienst: „Sicherlich gibt es unterschiedliche Auffassungen, wie man mit einer Plattform starten sollte. Eine Strategie ist, mit vielen großen Namen und einer technisch einfachen Anbindung zu starten.“ Verimi habe sich für einen anderen Weg entschieden, nämlich mit einem großen Partner und einem der regulatorisch und technisch komplexeren Fälle live zu gehen: dem Onlinebanking der Deutschen Bank. Man wolle dann zügig weitere Partner und Gesellschafter aufschalten.

Das ist zwar nachvollziehbar, aber sinnvoll ist es nicht. Verimi hätte dem Nutzer besser demonstrieren sollen, dass sich das Ausprobieren des Dienstes lohnt. Im Sinne eines echten MVP hätte das bedeutet, die schwierigen Integrationen und Features erst einmal zu streichen – und stattdessen für ein breites Angebot zu sorgen. Das Vertrösten auf später dagegen nährt wieder den Zweifel, ob deutsche Konzerne die Digitalisierung wirklich verstanden haben. Die Chance auf einen fulminanten Start hat Verimi jedenfalls vertan.

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