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Analyse

Lohnungerechtigkeit: Jetzt sind die Gehälter vergleichbar – für einige von euch

Lohnungerechtigkeit: Neues Gesetz schafft mehr transparenz. (Foto: Yulia Grigoryeva)

Die Lohnungerechtigkeit zwischen Männern und Frauen beträgt bereinigt sechs Prozent. Ein neues Gesetz will die Lücke ganz verschwinden lassen: Ab heute sind die Gehälter vergleichbar.

Die Ungerechtigkeit ist mit einer Zahl versehen: sechs Prozent. Das ist die Differenz zwischen den Gehältern von Mann und Frau. Die Zahl, die das Statistische Bundesamt im Jahr 2014 errechnet hat, ist bereinigt – um Aspekte wie Teilzeitbeschäftigung, Branche, Berufswahl und Ausbildung. Diese Lücke soll nun im modernen Arbeitsleben des Jahres 2018 endlich verschwinden. Denn auf die Lebenszeit umgerechnet machen sechs Prozent Lohnunterschied eine ganze Menge aus – wie diese Beispielrechnung zeigt:

Bei einem monatlichen Bruttomonatslohn von 3.500 Euro beträgt die Lohnlücke der Frauen 210 Euro. Bei einem Jahresgehalt mit zwölf Monatslöhnen sind das schon 2.520 Euro. Für einen Zeitraum von zehn Jahren sind es 25.200 Euro und bei einem Zeitraum von 30 Jahren immerhin 75.600 Euro. Über ein gesamtes Arbeitsleben mit 45 Rentenbeitragsjahren verliert eine Frau in diesem Rechenbeispiel satte 113.400 Euro allein durch etwaige Benachteiligung – was nicht zuletzt auch enorme Auswirkungen auf ihre Rentenzahlungen hat.

Doch wie kann diese Lohnungerechtigkeit geschlossen werden?

Neues Gesetz bekämpft Lohnungerechtigkeit

Unfaire Bezahlung: Neues Transparenz-Gesetz soll Lohnungerechtigkeit bekämpfen. (Foto: Yulia Grigoryeva)

Derzeit versucht die Politik mit dem „Gesetz zur Förderung der Transparenz von Entgeltstrukturen“ die Lohnungerechtigkeit zu bekämpfen. In Kraft trat das Gesetz schon im Juli 2017. Doch ab dem 6. Januar 2018 greift erst der wichtigste Teil: Angestellte in Unternehmen mit mehr als 200 Mitarbeitern haben ab sofort einen „individuellen Auskunftsanspruch“ gegenüber dem Arbeitgeber. Frauen und Männer können erfahren, was eine Gruppe von mindestens sechs vergleichbaren Kollegen des anderen Geschlechts im Mittelwert verdient.

Achtung: Mittelwert bedeutet nicht Durchschnitt. Gemeint ist der Median, also der mittlere Wert. So fallen Ausreißer nach unten wie oben nicht ins Gewicht. Der Standardweg zur Auskunft führt über den Betriebsrat. Die Anfrage kann einfach gestellt werden – dafür reicht beispielsweise eine E-Mail, damit er aktiv wird. Kann der Mitarbeiter selbst keine Vergleichsgruppe nennen, muss der Arbeitgeber mindestens sechs Kollegen des jeweils anderen Geschlechts ausmachen, die gleiche oder gleichwertige Arbeit leisten. Die Löhne sind nicht namentlich zugeordnet – so will es der Datenschutz.

Transparente Gehälter: Gut oder schlecht?

Kritiker sehen bereits Streitpotential aufkommen: Allein „gleiche“ oder „gleichwertige“ Arbeit lädt zum Spekulieren ein, meint Corinna Budras auf FAZ.net. Sie schreibt: „Das (Anm. Red.: Gesetz) legt den Blick auf die Strukturen frei, die längst nicht mehr so klar gegliedert sind wie früher, als Tätigkeiten am Fließband noch mit einem genauen Preisschild belegt werden konnten. Je kreativer, eigenständiger und verzweigter der Aufgabenbereich, desto schwieriger ist die Berechnung des wahren Werts einer Leistung.“

Sie glaubt, dass die neue Transparenz für Ärger sorgen wird. Dass Offenheit jedoch mancherorts sogar zu einem glasklaren Vorteil führen kann, hat Buffer-CEO Leo Widrich in einem Spiegel-Online-Interview erzählt: „Wir kriegen jeden Monat 1.500 bis 2.000 Bewerbungen. Und von vielen bekommen wir die Rückmeldung, dass sie zu uns wollen, weil sie das Gefühl haben, über unsere Firma mehr zu wissen als über ihren derzeitigen Arbeitgeber.“ Buffer legt sowohl die Löhne als auch E-Mails offen und lebt Transparenz vor.

Unternehmen könnten sich künftig erklären müssen

Unternehmen könnten sich somit künftig häufiger erklären müssen. Denn Lohnunterschiede die auf subjektive Einschätzungen des Vorgesetzten basieren, öffnen Tür und Tor für Diskussionen. Buffer-CEO Leo Widrich löst das übrigens durch ein für alle Mitarbeiter nachvollziehbares, ausgeklügeltes System: „Das Gehalt berechnen wir mit einer Formel, in die Berufserfahrung, Art des Jobs und Arbeitsort einfließen“, verrät er. Verhandelbar sei darin nur die Berufserfahrung und die werde jeweils mit dem Faktor 1,1 bis 1,3 bewertet.

Übrigens, in unserer Reihe „Was ist eigentlich...“ erklären wir genauer, warum es mehrere Versionen des Gender-Pay-Gaps gibt und wie sie berechnet werden. Lies auch: Was ist eigentlich der Gender-Pay-Gap?

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