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Marketing

„Diese Twitter-App ist tot“ oder warum wir ein offenes Social-Media-Protokoll brauchen

Twitter-Apps von Drittanbietern sterben zunehmend aus. (Foto: Johannes Haupt)

Das zunehmende Aussterben von Twitter-Apps zeigt: Das Social Web braucht ein offenes Social-Media-Protokoll. Die Luca-Analytics-Kolumne von Luca Caracciolo.

Wir verlieren die Kontrolle über unseren Social Stream.

Eigentlich fing alles relativ harmlos an. Vor ein paar Monaten habe ich mir ein neues Smartphone zugelegt, bin von iOS auf Android umgestiegen. Für viel genutzte iPhone-Applikationen, die es für Android nicht gibt, musste ich Ersatz finden. Auch für Twitter. Nachdem ich zunächst auf die offizielle Twitter-App zurückgegriffen habe, um mich in Ruhe den anderen App-Baustellen widmen zu können, war es schließlich an der Zeit, einen probaten Ersatz für Tweetbot ausfindig zu machen – was gar nicht so einfach ist. Als ich schließlich auf Carbon für Twitter gestoßen bin und gerade meinen Twitter-Account einbinden wollte, der Schock: „Die Applikation kann zurzeit keine weiteren Nutzer authentifizieren.“ Nochmal probiert, gleiche Fehlermeldung. Kurz im Netz recherchiert und siehe da: Carbon für Twitter hat das von Twitter festgelegte Token-Limit erreicht. Das bedeutet, dass neue Nutzer die App nicht mehr verwenden können. Im Klartext: Diese App ist tot – denn wenn eine App keine neuen Nutzer mehr „reinlässt“, dann ist der Anfang vom Ende besiegelt. Wenn ein Party überfüllt ist und die Organisatoren die Schotten dicht machen, dann zieht die Party-Crowd eben weiter.

Carbon für Twitter hat das Token-Limit bereits erreicht, neue Nutzer können die App nicht mehr einsetzen.
Carbon für Twitter hat das Token-Limit schon erreicht, neue Nutzer können die App nicht mehr einsetzen.

Dabei nervt die offizielle Twitter-App. Irgendwie scheint in ihr ein Algorithmus verbaut zu sein, der bei zunehmender Nutzung Sponsored Tweets an prominenter Stelle (zweiter oder dritter Tweet im Stream) anzeigt. Und das ist doof, das will ich nicht. Ich möchte für mich relevanten Content lesen und keine Werbung. Lange Zeit gab es dafür einfache Lösungen: Clients beziehungsweise Apps von Dritt-Anbietern nutzen. Aber Twitter hat vor geraumer Zeit dieser Lösung einen Riegel vorgeschoben. Bis auf wenige Ausnahmen haben sämtliche Twitter-App-Anbieter für ihre Apps ein Token-Limit verpasst bekommen, um – sagen wir es einfach, wie es ist – auszusterben. Damit langfristig alle Twitter-Nutzer die offizielle App nutzen. Damit Twitter die volle Kontrolle über die Ansicht des Streams hat, wie er den Nutzern angezeigt wird. Damit die Werbekunden maßgeschneiderte Werbeplätze buchen können. Und Sponsored Tweeds sind da nur der Anfang.

Kontrollverlust im Social Web: Nichts neues, aber aktueller denn je

Andere Soziale Netzwerke wie Facebook und Google+ haben es zu diesem absolut positiv zu bewertenden App-Wildwuchs gar nicht kommen lassen. Vor allem bei Facebook sieht man die Folgen schon jetzt: Nicht nur die Werbung nervt, auch die Zusammensetzung des Streams ist nicht mehr durchsichtig. Längst bestimmt Facebook, welche Inhalte unserer „Freunde“ wir überhaupt zu Gesicht bekommen und welche nicht. Bei Twitter ist das noch nicht der Fall – und selbst wenn, hatten wir lange Zeit die Möglichkeit, auf alternative Twitter-Clients und Apps zurückzugreifen. Aber diese Ausweichmöglichkeit wird bald der Vergangenheit angehören. Und wer garantiert denn, dass nicht auch Twitter früher oder später einen Algorithmus einführt, der Tweets von unseren Followings filtert, um mehr Platz für Sponsored Tweets zu schaffen? Richtig geraten: niemand. Und was bedeutet das? Dass wir die Kontrolle über unseren Social Stream verlieren. Oder ehrlicher: längst verloren haben.

Was wir brauchen: Ein offenes Social-Media-Protokoll

Die Mär von der Kontrolle unserer Daten ist nicht neu, die Diskussion schon mehrfach geführt worden. Aber es schmerzt einfach enorm, zu sehen, wie Twitter – eine Plattform, die quasi mit dem Wildwuchs von Dritt-Apps überhaupt groß geworden ist – den genau gleichen Weg geht wie Facebook und Konsorten. Den Weg, den alle kommerziell betriebenen Social Networks gehen. Und dieser Weg ist falsch. Denn menschliche Kommunikation lässt sich nicht mit Werbung monetarisieren. Dafür ist sie viel zu kostbar. Ganz zu schweigen von der Leidenschaft gewisser Geheimdienste, zentralistisch organisierten Sozialen Netzwerken regelmäßig einen Besuch abzustatten, weil die Daten gebündelt bei einem Anbieter gespeichert sind. Snowden und so, da war ja was.

Dalton Caldwell baut mit App.net eine Social-Media-Plattform, die komplett ohne Werbung auskommt. Von der Idee her birgt App.net ein riesiges Potenzial. (Foto: Hardy Wilson)
Dalton Caldwell baut mit App.net eine Social-Media-Plattform mit offenen APIs, die komplett ohne Werbung auskommt. Von der Idee her hat App.net ein riesiges Potenzial. (Foto: Hardy Wilson)

Was wir deshalb brauchen, ist ein offenes Social-Media-Protokoll (SMP), in dem per se jeder seine Inhalte verlinken, reinschreiben, eintragen kann; in dem die Inhalte, die der Nutzer hochgeladen hat, unter seiner Kontrolle sind und nicht in den proprietären Systemen der Anbieter lagern; dass offen ist, so dass verschiedenste Dienste per API darauf zugreifen können. Nutzer rufen die per SMP erstellten Inhalte mit verschiedensten Clients ab, die dieses Protokoll verarbeiten können und die Möglichkeit bieten, neue Inhalten zu erstellen. Spannende Nutzungsszenarien entstünden dann über die Clients, die die Inhalte beispielsweise in besonderer Art und Weise darstellen. Neue Dienstleister würden entstehen, die besondere Formen der Protokollverarbeitung anbieten.

Wir dürfen soziale Kommunikation nicht in private Hände geben.

Die E-Mail etwa ist deshalb so erfolgreich, weil sie quasi universell nutzbar ist. Undenkbar ein Szenario, indem sich Gmail-Nutzer und Yahoo-Mail-Nutzer keine Nachrichten schicken könnten. Aber genau eine solche proprietäre Konstellation akzeptieren wir aktuell im Social Web. Nutzer wollen etwas mitteilen oder spannende Inhalte mit anderen teilen und müssten erst mal überlegen, in welchem Netzwerk sie posten. Und wer möchte schon 20 Netzwerke pflegen, um möglichst viele Menschen zu erreichen?

Soziale Kommunikation gehört heute zu den Grundpfeilern des modernen Webs. Sie ist so fundemantal, dass wir sie nicht in private Hände geben dürfen. Ähnlich wie vor 30 Jahre zuvor die E-Mail (SMTP) den Standard für elektronische Nachrichten schuf und das http-Protokoll zwecks Dokumentenaustausch den Aufstieg und den Siegeszug des Internets möglich machte, ist es unabdingbar, dass wir einen offenen Standard für die Übertragung und Verarbeitung sozialer Kommunikation schaffen. Facebook, Twitter und Co. würden dann zu SMP-Clients degradiert. Schlimm fände ich das nicht. Und es wäre ein leichtes, eine Alternative für einen Client oder eine App zu finden – unabhängig vom mobilen OS, das ich im Einsatz habe.

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9 Reaktionen
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egghat (@egghat)

Interessiert leider kein Schwein. Keine Clients? Keine Datensicherheit? Keine Kontrolle über die eigenen Daten? Alles proprietärer Mist?

Probleme für 0,01% der Bevölkerung. Der Rest nimmt jeden Scheiss, Hauptsache die Kumpels sind da und es kostet max. 1 Euro pro Jahr.

App.NET (join.app.net/from/sbsqvtdrdf), das bereits heute die Basis für einen Klon von Twitter, eines Blogsystem, und einen Instagram-Klon bietet, und die Basis für viele weitere soziale Dienste bietet, ist alles andere als ein durchschlagender Erfolg. Obwohl es bis zu 40 Verbindungen zu anderen nichts kostet, die Daten weiterhin dem User (und nicht dem Anbieter) gehören und das ganze werbefrei ist.

Diaspora vorher war auch nicht von Erfolg gekrönt. Und ich fürchte, da werden noch einige Ansätze folgen ...

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McH

Darf ich an dieser Stelle auf einen Beitrag von t3n verweisen: https://t3n.de/news/e-mail-zukunft-schicke-client-512204/
Dieser Ansatz zeigt, dass schon alles da ist. Ich selbst habe mit solchen Ansätzen schon ein paar Experimente betrieben und über "Mail" kann man sehr sehr viel machen und es wäre sogar von Natur aus abwärtskompatibel mit meinem Vater, der ausser Mail nichts in Haus lässt.
SMP > HTML > TXT

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Luca Caracciolo

@Jens: Vielen Dank für die Info, ist korrigiert.

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Mike

DSNP schlägt in genau diese Kerbe, wird aber anscheinend nicht mehr weiterentwickelt:
http://www.complang.org/dsnp/

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Jens Cramer

Nur eine kurze Berichtigung zu den angesprochenen Protokollen für Mail und Web. Das Protokoll für den Mailversand ist eigentlich SMTP (und nicht POP bzw IMAP) und wurde schon 1982 unter RFC gestellt - ist als schon 32 Jahre alt. HTTP entstand nicht vor SMTP und IMAP sondern erst knapp 10 Jahre später.

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Maik Seyring

Ich glaube zwar nicht daran, dass die jetzigen Ökosysteme sich solchen Ideen öffnen werden aber der User ist durchaus bereit etwas zu zahlen um seine kostbare Zeit nicht mit Werbung zu verschwenden. (siehe musik streaming, video streaming)

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Tobias Herkula

Solange dafür irgendwo ein Server stehen muss, muss das jemand bezahlen und entweder zahlt der Nutzer (siehe App.net) oder aber der Nutzer ist die Ware und wird irgendwann mit Werbung bombardiert...

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Christoph

Dieses Thema ist schon oft aufgekommen. Und es gibt ja immer wieder Ansätze für ein freies SMP. APP.NET ist an sich eine tolle Idee, aber es fehlt die kritische Masse um weitere Leute dahin zu bekommen. Zwei andere tolle Ansätze in dieser Richtung sind pump.io und tent.io . Aber auch hier herrscht das Henne-Ei Problem. Keine fertigen Implementierungen oder nur sehr rudimentär. Daher kaum Nutzer -> keine neuen Nutzer ...

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