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Kommentar

Lernen von Lukas Podolski: Warum ein Low Performer goldwert für das Team sein kann

(Foto: Shutterstock)

Lukas Podolski gilt als der Klassenclown der Nationalmannschaft. Doch selbst wenn er nicht spielt, zählt der Rheinländer zu einem der wichtigsten Spieler im deutschen EM-Kader – weil er für gute Stimmung sorgt. Davon können auch Unternehmen lernen.

(Screenshot: Youtube)

Lukas Podolski und die Entwicklung des Teamgeists

Wie sich ein Aufreger-Thema mit einem Satz beenden lässt, hat Lukas Podolski in der vergangenen Woche bewiesen. Es fing alles mit einer harmlosen Szene an: Ein Mann greift sich in die Hose. Nun war dieser Mann nicht irgendwer, sondern Bundestrainer Joachim Löw, und er tat es auch nicht irgendwo, sondern während des ersten Deutschland-Spiels gegen die Ukraine. Das Video des #Hosengate ging viral, statt über das Ergebnis diskutierte man übers Eier kraulen.

Bis sich Lukas Podolski zwei Tage später in die DFB-Pressekonferenz setzte. Ein Reporter sprach den ewigen Kölner auf die Szene an. Doch statt mit vorgefertigtem PR-Blabla antwortete der Nationalspieler aus dem Bauch heraus: „Das ist für uns kein Thema. 80 Prozent von euch und auch ich, wir kraulen uns auch mal an den Eiern.“ Lachen, Klatschen – Thema erledigt. Und alles nur dank eines authentischen Satzes.

Es sind genau solche Momente, die erklären, warum Lukas Podolski noch im Kader der Nationalmannschaft steht. Galt er einst als großes Talent, so haben ihn viele Medien inzwischen abgeschrieben, die „Zeit“ bezeichnete ihn gar als „Maskottchen“. Glaubt man den Kritikern, dann ist „Prinz Poldi“ bei dieser Europameisterschaft nur dabei, weil Jogi Löw ihn schätzt. Der Galatasaray-Profi zählt nicht zu den Leistungsträgern der Mannschaft, Spieler wie André Schürrle und Mario Götze haben seine früheren Positionen längst übernommen. Schon vor der EM galt Podolski damit als sicherer Bankdrücker.

Auf dem Platz mag man den Wert des Rheinländers für die DFB-Elf vielleicht bezweifeln. Doch neben dem Platz ist er unabkömmlich für die Mannschaft. Das lässt sich noch an einem zweiten Beispiel belegen: Als Bastian Schweinsteiger gegen die Ukraine nach langer Verletzungspause eingewechselt wurde und zum 2:0 traf, da rannte er nicht zu Jogi Löw, auch nicht zum Mannschaftskapitän – er rannte zu Lukas Podolski.

Natürlich kann man die Reaktion Schweinsteigers damit begründen, dass die beiden quasi seit ihrem ersten gemeinsam DFB-Spiel miteinander befreundet sind. Und das würde auch stimmen. Aber auch das ist ein Poldi-Phänomen: Er scheint in jedem Nationalteam seit 2006 derjenige zu sein, mit dem alle können.

Jogi Löw bezeichnete ihn einst in einer Pressekonferenz gewohnt nüchtern als „eine Persönlichkeit“. Wenn man es etwas blumiger fasst als der Bundestrainer, könnte man sagen: Podolski sorgt für die Stimmung im Team. Genau wie auf der Pressekonferenz. Und mit dieser Eigenschaft ist er wichtiger für das Team als ein hochtalentierter Dribbelkünstler.

Von dieser Erkenntnis können auch Unternehmen lernen. In vielen Firmen werden die Mitarbeiter heute als High Performer und Low Performer definiert, also Mitarbeiter, die viel leisten, und Mitarbeiter, die nicht so viel leisten. Diese Sichtweise lässt allerdings außen vor, dass auch ein Low Performer einen Mehrwert erbringen kann – ganz abseits seiner messbaren Leistungen.

Besser als jeder künstlich heraufbeschworene Happiness-Beauftragte

In der klassischen Theorie sind Low Performer als Menschen definiert, die nicht so viel leisten wie andere Mitarbeiter. Sie erledigen ihre Aufgaben vielleicht nicht ganz so gut wie ihre Kollegen, erreichen ihre Ziele nicht immer und entwickeln sich nicht so stark weiter. Doch mit dieser Bewertung kommen Firmen nicht weit.

Auch wenn die Aussagen objektiv auf einen Low Performer hindeuten, sollten sich Unternehmen auch die sozialen Fähigkeiten ihrer Mitarbeiter ansehen. Ist vielleicht besagter Low Performer derjenige, der genau weiß, wie es jedem Mitarbeiter geht? Der sich darum bemüht, dass die Kollegen auch außerhalb des Büros Zeit miteinander verbringen? Der sich um die Firmenevents kümmert? Der der Grund ist, warum die Betriebsfeier plötzlich bis drei Uhr morgens geht? Der mit einem flotten Spruch eine ernste Konferenz auflockern kann? Dann ist er vielleicht der Lukas Podolski des Teams.

Jedes Team braucht einen Lukas Podolski, der für gute Stimmung und Zusammenhalt sorgt. 

Wer einen solchen Mitarbeiter beschäftigt, sollte alles daran setzen, ihn zu halten. Denn auch wenn dieser Beschäftigte auf dem Papier wenig bringt, erreicht er damit etwas, das bei vielen Unternehmen nur noch mit Feel-Good-Managern und Happiness-Beauftragten künstlich erzielt werden kann: ein Zusammengehörigkeitsgefühl. Und genau das braucht jedes Team: Eine Persönlichkeit, die für gute Stimmung sorgt. Für Zusammenhalt. Für Teamgeist.

Dieses Gefühl lässt sich nicht in einer Excel-Tabelle errechnen. Es lässt sich auch nicht im Bewerbungsgespräch abfragen. Aber es ist relevant, um das eigene Unternehmen zu einem attraktiven Arbeitgeber zu machen. Wer seine Mitarbeiter halten will, wer neue hinzugewinnen will, der sollte sich einen Lukas Podolski im Team leisten.

Der Bundestrainer scheint das bereits erkannt zu haben.

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