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Mac App Store startet: Werden künftig alle PCs zum iPhone?

Am morgigen 6. Januar startet Apple seinen Mac App Store und will damit das Erfolgsmodell von iPhone und iPad auf die Mac-Plattform übertragen. Für die Nutzer kann das ein Komfortgewinn sein. Für so manchen Entwickler ist es eine Chance. Aber wollen wir wirklich, dass am Ende alle PCs abgeschlossen wie das iPhone sind?

Mac App Store: Vorbild iPhone und iPad

Auch wenn man schon lange vor dem iPhone auf Handys Programme installieren konnte, hat erst Apples App Store den großen Durchbruch gebracht. Und egal, wie man zu Apple steht: Es kommt eben alles zusammen, was es Nutzern und Entwicklern einfach macht. Man mag gar nicht von einer „Installation“ reden, so einfach funktioniert es, sich eine neue App zu besorgen. Das Bezahlsystem hängt auch gleich mit dran. Und da es für iPhone, iPod touch und iPad offiziell nur den App Store als Anlaufstelle für Programme gibt, brummt dieser eine einzige Laden entsprechend.

Der Mac App Store kann dabei (zunächst) nicht so radikal sein wie sein Vorbild: Weiterhin können Mac-Nutzer Programme aus anderen Quellen laden. Die Frage ist nur: Wie lange wird das noch so sein? Der Mac App Store hat das Potenzial, die Plattform abzuschließen - auf jeden Fall durch die Hintertür.

Diese Hintertür ist: Bequemlichkeit.

So wird der neue Mac App Store aussehen (Quelle: apple.com)

Bequemlichkeit könnte den Durchbruch bringen

Indem sie die neuen Versionen der „iWork“-Programme per Mac App Store anbieten, wird Apple die Nutzer wohl an die neue Möglichkeit heranführen. Weitere Aktionen werden folgen. Auch ohne größere hellseherische Fähigkeiten ist wahrscheinlich: Sehr bald haben sich viele Mac-Nutzer an den Komfort des Stores gewöhnt. Endlich gibt es einen zentralen Platz, an dem man nach nützlichen Programmen suchen kann. Das Bezahlen geht mit dem in der Regel bereits vorhandenen Account super simpel. Und der Installationsprozess ist so nahtlos wie auf iPhone und iPad: kaufen, warten, Programm benutzen. Fertig.

Wer als Entwickler Mac-Nutzer erreichen will, wird also um den Mac App Store bald gar nicht mehr herumkommen. Um in diesen Store zu kommen, hat Apple allerdings einige Hürden aufgestellt. Und manche davon geben einem zu denken.

Mac App Store: bedenkliche Hürden

Apples Gedanke beim Mac App Store ist dabei offensichtlich nicht, den Store um jeden Preis so groß wie nur möglich zu machen, um viel zu verdienen. Es sollen nur solche Programme zugelassen werden, die auch Apples Vorstellungen und Richtlinien dazu entsprechen, wie eine Mac-Applikation auszusehen und zu funktionieren hat.

Einerseits ist das sehr begrüßenswert. Auf dem Mac gibt es einige grausam schlecht gemachte Programme, die in der Regel lieblos von anderen Plattformen übernommen wurden. Die Optik entspricht nicht dem Erwarteten und vor allem die Bedienung ist irritierend anders. Gewohnte Tastaturkürzel und Handgriffe funktionieren beispielsweise nicht.

Andererseits stellt sich natürlich die Frage, ob wir wollen, dass der Hersteller des Betriebssystems in dieser Form mitbestimmt, was auf den Rechner kommt und was nicht. Apple wird sich auf die Position zurückziehen, dass man ja jederzeit aus dem Netz Programme laden kann. De facto aber wird es so sein, dass nur noch eine Minderheit der Nutzer diesen Weg einschlägt - sofern es nicht um illegale Kopien der Programme geht. Aber von denen hat der Entwickler ja logischerweise auch nichts.

Zudem gibt es in Apples Richtlinien zum Mac App Store auch Haken und Ösen, die bedenklich sind. So soll ein über den Store heruntergeladenes Programm keine eigene Update-Technologie einsetzen. Für den Nutzer gut, weil die Updates dann so bequem wie von iPhone und iPad bekannt laufen und alles an einem Platz ist. Für den Entwickler aber ist das eine erste Einschränkung, auf die weitere folgen könnten. Könnten, nicht müssen. Aber wer einmal wie Apple mit solchen Einschränkungen angefangen hat, den reizt es vielleicht bald schon, noch mehr Kontrolle auszuüben.

Nicht zuletzt sind die Kriterien für Zulassung oder Ablehnung eines Programms wieder einmal teils nebulös formuliert. Wir dürfen uns schon auf entsprechende Schlagzeilen „freuen“...

Vorbild für den Mac App Store sind die erfolgreichen App Stores auf dem iPad (Foto) und dem iPhone/iPod touch.

Gewinnt geschlossen am Ende doch gegen offen?

Die relative Offenheit der Mac-OS-X-Plattform im Vergleich zur iOS-Plattform bietet dabei einen entscheidenden Vorteil: Jemand anderes könnte eine Konkurrenz zum Mac App Store aufmachen. Die Frage ist nur: Kann irgendjemand ernsthaft Apple im eigenen Terrain die Stirn bieten? Ähnlich ist es doch mit Windows: Ein Windows App Store könnte zum Standard werden, selbst wenn Microsoft ihn aus kartellrechtlichen Gründen nicht ins Betriebssystem integriert. Geprüfte Apps, virenfrei, leicht installiert und bezahlt - viele Normalnutzer wären sofort dabei.

Im Grunde muss man es so sehen: Jeder Download aus einem solchen App Store fördert den Weg hin zu geschlossenen Systemen und weg vom offenen Modell, das wir auf unseren PCs bislang kennen.

Dem durchschnittlichen Computernutzer wird es herzlich egal sein. Und wie geht es euch damit?

Weiterführende Quellen zum Mac App Store:

Mac App Store - Sneak Peek - pocketcyclone.com

Der neue Mac App Store - apple.com

Apple startet Mac App Store am 6. Januar - t3n.de

UPDATEMac App Store bereits gestartet

[Update 07.01.2011: Mac App Store schon gehackt]

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6 Reaktionen
Ulf

Und, @Torsten Adler, welche Apps muss man denn besitzen? Mir sind keine bekannt.

Ulf

Na ja, ich würde mir da erst mal nicht all zu viele Sorgen machen. Apple setzt auf sehr viel Open-Source-Software und das Szenario, das ihr hier beschreibt, würde Open Source quasi zunichte machen. Daran will ich erst mal nicht glauben und hoffe, dass Apple Mac OS X nicht dicht machen wird. Und wie pharno und ich ja schon schrieben, es gibt eine Art App Store auch unter Linux, Ubuntu bspw., andere Wege sind aber weiterhin erlaubt. Also alles prima :-). Nicht gleich den schwarzmalen, abwarten und Kaffee trinken.

pharno

Linux hat auch einen "app store" und? Es ist trotzdem das offenste Betriebssystem das ich kenne.
Und so nen app store giebts glaub ich auch für windows

Torsten Adler

Bei iPods und iPhones muß man manche Apps besitzen, egal ob man will oder nicht. Wenn Apple meinen Mac mal ebenso beherrscht wie meinen iPod touch, dann ist Mac für mich Vergangenheit.

Lars

Den normal-sterblichen Nutzer, eben nicht wie wir Power/Profi-User, interessiert geschlossen oder offen nicht. Der will mit zwei Mausklicks seine Software installieren. Wenn sie dann auch noch vom Hersteller geprüft ist und sich zentral updated, dann ist das nur noch ein weiterer Vorteil für den Nutzer. Die meisten Nutzer sind doch eh von App-Mani auf dem Smartphone so angefixt, dass der Einsatz auf dem Desktop für sie nur eine logische Fortsetzung ist. Daher wäre meine Befürchtung, dass sich geschlossene Systeme durchsetzen und für die Hersteller rentieren werden.

Ulf

Lasst uns nur hoffen, dass Apple den Weg außerhalb des App Stores nicht dicht macht. Eigentlich ist die Idee total klasse, unter Ubuntu gibt es so was ja auch schon mit dem Software Center. Nur sollte bei einem vollwertigen Computer nicht der andere Weg verboten werden. Bei den iOS-Geräten ist das ja schon wieder eine ganz andere Geschichte. Für Entwickler ist der App Store aus meiner Sicht ein Segen, keine eigenen Abrechnungsverfahren, Seriennummernprobleme, Updateserver, etc. Außerdem werden potentielle Kunden durch diese „Sammelstelle“ viel eher auf die Software aufmerksam. In den Weiten des Internets findet man ja sonst nix…

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