Interview

So macht Ecosia Klimazerstörer in den Suchergebnissen sichtbar

CO2-Emissionen treiben den Klimawandel (Bild: pixnio.com)

Unternehmen, die ihr Geld mit fossilen Energieträgern machen, kennzeichnet die Suchmaschine Ecosia mit einem Kohlekraftwerk-Symbol. Wie das funktioniert und wie die Erfahrungen damit sind, erklären die Macher im Interview.

Der CO2-Sektor der Wirtschaft ist nach wie vor munter, stellt aber verständlicherweise ungern seinen Beitrag zum menschengemachten Klimawandel in den Vordergrund. Rohstoffunternehmen fördern und verteilen Öl, Kohle und Gas, Energieversorger gewinnen Strom daraus, Banken und Fonds investieren in den fossilen Sektor. Obwohl erneuerbare Energien immer effektiver werden und sich die meisten Staaten in Verträgen wie dem Pariser Abkommen zu Klimazielen verpflichtet haben, gehört bei vielen Unternehmen die Nutzbarmachung fossiler Energie noch immer zum Geschäftsmodell. Eine Untersuchung des Guardian hat ergeben, dass nur 20 Unternehmen für ein Drittel aller weltweiten CO2-Emissionen verantwortlich sind.

Kohlekraftwerk-Symbol kennzeichnet Klimasünder

Um die größten CO2-Produzenten und Förderer des Kohleabbaus besser sichtbar zu machen, kennzeichnet die Suchmaschine Ecosia seit Oktober 2019 rund 200 Unternehmen in den Suchergebnissen mit einem Kohlekraftwerk-Symbol. Ein Maus-Overlay-Text sagt dazu: „Suchergebnisse mit diesem Symbol zeigen dir Ergebnisse von Firmen, die mit fossilen Brennstoffen Geld verdienen und damit das Klima zerstören.“ Für die Kennzeichnung trägt Ecosia Daten aus verschiedenen Quellen zusammen.

Aus Deutschland sind unter den Trägern des Kohlekraftwerk-Symbols beispielsweise die Energiekonzerne RWE und EnBW sowie der zweitgrößte Zementhersteller der Welt, Heidelberg Cement.

RWE als Klimazerstörer: Markierung mit Kohlekraftwerk-Symbol.

Mit einem Kohlekraft-Symbol markiert Ecosia Klimazerstörer. (Screenshot: Ecosia/t3n)

Bei den betroffenen Unternehmen kommt die Kennzeichnung als Klimazerstörer nicht gut an. Eine Sprecherin von EnBW teilte t3n mit: „Die Kennzeichnung der EnBW mit einem Kohlekraftwerk greift zu kurz. Schließlich setzen wir uns seit 2013 massiv für eine Reduzierung der Kohle in unserem Erzeugungsportfolio ein und haben den Anteil CO2-intensiver Anlagen seit 2012 bereits um rund 40 Prozent reduziert.“ Außerdem plane der Energieversorger bis 2025 weitere Investitionen in Höhe von fünf Milliarden Euro für den Ausbau erneuerbarer Energien. „Insofern verstehen wir uns als aktiver Gestalter der Dekarbonisierung und der Energiewende“, sagt EnBW.

Wer umweltfreundlich ist, bekommt das grüne Blatt

Ecosia ist eine Suchmaschine mit Sitz in Berlin, die ihre Gewinne aus Werbeanzeigen in Projekte für weltweite Wiederaufforstung steckt. Durchschnittlich ermöglichen laut Ecosia 45 von Nutzern durchgeführte Suchen die Pflanzung eines Baumes. Der Google-Konkurrent arbeitet mit Microsofts Bing zusammen, verzeichnet 15 Millionen monatlich aktive Nutzer und hat bislang über 83 Millionen Bäume gepflanzt.

Ergänzend zur Klimasünder-Kennzeichnung markiert Ecosia umwelt- und klimafreundliche Unternehmen mit einem grünen Blatt. Damit sollen die Nutzer schneller grüne und nachhaltige Anbieter finden. Ecosia erklärt, dass Markierungen mit dem grünen Blatt weder als Werbung gekauft werden können noch ein besseres Ranking in den Suchergebnissen erhalten.

Im Interview mit t3n erläutert Génica Schäfgen, Head of Ecosia Germany, die Hintergründe zum Einsatz des Kohlekraftwerk-Symbols.

t3n: Wie würdest du in kurzen Worten die Mission von Ecosia beschreiben?

Génica Schäfgen: Wir wollen das System einer Suchmaschine nutzen, um Gutes zu tun, speziell für Umwelt- und Klimaschutz. Dabei helfen uns unter anderem die Baumpflanzungen.

t3n: Was sind das für Unternehmen, die in den Ecosia-Suchergebnissen das Kohlekraftwerk-Symbol tragen?

Ganz unterschiedlich, es sind vor allem sehr große Player. Es sind viele Stromanbieter darunter.

t3n: Wodurch bekommt ein Unternehmen bei euch die Kennzeichnung mit dem Kohlekraftwerk-Symbol?

Wir tragen dafür die Einschätzung verschiedener Gruppen über CO2-Produzenten zusammen. Dazu gehört etwa die Global Coal Exit List von Urgewald zu und eine Liste von The Guardian, die regelmäßig aktualisiert wird. Und wir arbeiten mit dem Climate Accountability Institute zusammen, das ermittelt, wer in Kohle investiert und Kohle abbaut.

Alle zwei Monate wird die Liste aktualisiert und dann kann die Zahl größer oder kleiner werden. Wenn Unternehmen entscheiden, nicht mehr in Kohle zu investieren, können sie dort auch gestrichen werden.

t3n: Und was genau sind die Kriterien, nach denen ein Unternehmen auf eurer Meta-Liste für das Kohlekraft-Symbol landet?

Wir entscheiden das gar nicht selbst, sondern wir wählen in Zusammenarbeit mit Universitäten aus, wem und welchen Datensätzen zum CO2-Ausstoß wir vertrauen. Die Quellen sollten eine wissenschaftliche Autorität und Glaubwürdigkeit besitzen und eine ähnliche Vision wie wir haben, wenn es um Klima- und Umweltschutz geht. Insgesamt arbeiten wir an einer Art Good Database.

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Ein Kommentar
Geisteskrank
Geisteskrank

Ich habe die Lösung: Wir verbieten einfach Beton und Zement, dann gibt’s weniger CO2 und HeidelbergCement wäre sein Kohlekraftwerkssymbol los.

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