Entwicklung & Design

Warum auch Manager Programmieren lernen

Immer mehr Menschen lernen Programmieren. (Foto: t3n)

Immer mehr Menschen eignen sich Programmierkenntnisse an – viele schon als Kinder. Allerdings lernen auch Erwachsene eine Programmiersprache, entweder aus privatem Interesse, oder weil es vom Unternehmen verlangt wird. Die Gründe für dieses spannende Projekt sind vielfältig.

Wie viele andere Zehnjährige bekommt Nick Wald Privatunterricht. Der Lehrer, der einmal pro Woche vorbeikommt, bringt ihm jedoch keine spanischen Verbtabellen oder Fingerübungen am Klavier bei, sondern Computercode.

Der Fünftklässler hat ohne Erfahrung angefangen. Inzwischen kennt er genug HTML, JavaScript und CSS, um eine einfach Webseite zu bauen. Er arbeitet mit XCode, einer Software von Apple, an einer App namens „Clockie“, mit der man Wecker und Erinnerungen einstellen kann. Anschließend will er die App kostenlos in Apples App Store für iOS anbieten. „Ich habe schon immer gerne Apps aus dem App Store heruntergeladen, und ich wollte immer wissen, wie das funktioniert und wie ich so etwas selbst entwickele“, sagt Nick.

Programmierkenntnisse, mit denen man Webseiten und Apps bauen kann, sind immer gefragter, und das nicht mehr nur bei IT-Fachleuten. Sogar siebenjährige Kinder können Online-Kurse zur Programmiersprache Scratch belegen, während Mittzwanziger Crash-Kurse zu Programmiersprachen belegen, mit denen sie einen Job im Tech-Sektor ergattern wollen. Unternehmen wie American Express schicken ihre Manager zu Seminaren über Datenverarbeitung und IT-Design. Sie sollen dort nicht lernen, selbst Webseiten zu bauen, sondern die Angestellten besser zu leiten, die ebendas tun.

„Programmieren steht für mich auf einer Stufe mit einer grundlegenden Lese- und Schreibfähigkeit“, sagt Adam Enbar, Gründer der Flatiron School von New York, die zwölf Wochen lange, 12.000 US-Dollar teure Seminare anbietet, die Neulinge zu fähigen Programmierern macht. „Nicht jeder muss ein Shakespeare sein, und nicht jeder muss ein super Software-Entwickler werden“, sagt er. „Aber wir leben in einer Welt, in der jeder Job schon jetzt oder in der nahen Zukunft mit Technik zu tun hat.“

Es gibt einfache und schwierige, beliebte und seltene Programmiersprachen. Es dauert hunderte Stunden, bis man überhaupt ein Junior-Entwickler werden kann. Am wichtigsten ist jedoch nicht, selbst Apps programmieren zu können, sondern zu verstehen, was „Code“ ist und was möglich ist, wenn man mit einem IT-Team zusammenarbeitet.

Programmieren lernen: So früh wie möglich

Das Center for Talented Youth der Johns Hopkins University bietet Online-Kurse in allem von Fremdsprachen bis Musiktheorie an. Doch die Programmierkurse weckten bisher das größte Interesse, sagt Patricia Wallace, Senior Director für die Online-Sparte. Die Kurse seien auf Kinder bis zur achten Klasse zugeschnitten. 2009 meldeten sich 63 Kinder bei der „Einführung ins Web-Design“ an, in diesem Jahr waren es bereits 762.

Bald dürften auch Kurse wie „Fortgeschrittenes Programmieren mit Scratch“ im Angebot sein. Das Interesse wächst ständig, weil es in den Grundschulen kaum Möglichkeiten gibt, Programmiersprachen zu lernen, sagt Wallace. Manche Eltern wollen, dass ihre Kinder so früh wie möglich Programmieren lernen.

In vielen Städten entstehen inzwischen Kurse, bei denen vor Ort die Arbeit mit Ruby, Linux und Python gelehrt wird, einige sind auch speziell für Mädchen gedacht.

Programmieren lernen als Chance für Job-Suchende

General Assembly bietet Kurse rund um das Thema Programmieren an. (Foto: General Assembly)

General Assembly bietet Kurse rund um das Thema Programmieren an. (Foto: General Assembly)

Bei einem Kurs über Webentwicklung saßen vor kurzem 25 Schüler, vor allem Männer Mitte 20, die alle ein Macbook vor sich hatten, und lauschten einer Vorlesung darüber, wie man mit JavaScript Kästchen programmiert, in denen Nutzer Haken setzen können. Zuvor hatte jeder Schüler ein Projekt mit der Programmiersprache Ruby abgeschlossen. Einer hatte zum Beispiel eine Seite programmiert, die Bewertungen über die hygienischen Zustände verschiedener Restaurants in der Gegend anzeigt.

Alina Guzman, 23, hat 11.500 Dollar für den zwölfwöchigen Kurs beim Startup General Assembly bezahlt, das Kurse zu Programmiersprachen und Webdesign anbietet. Sie hat auch einen Abschluss in digitalem Marketing und arbeitete zwischenzeitlich bei einer Marketingagentur. „Ich wollte etwas anderes machen. Und Technologie und Webseiten haben mich schon immer interessiert“, sagt sie. Zwischen 9 und 17 Uhr saß sie in den Seminaren, um Ruby und JavaScript zu lernen. Zwei Monate nach dem Ende des Kurses bekam sie einen Job als Junior-Ingenieurin beim New Yorker Startup Superhuman.

General Assembly bietet auch in San Francisco, Los Angeles, London, Boston, Hongkong und Sydney Kurse an. Laut einer Firmensprecherin finden 95 Prozent der Kursteilnehmer innerhalb von drei Monaten einen Job. Mitgründer und Geschäftsführer Jake Schwartz sagt, dass Programmiersprachen wichtig seien, weil sie eine andere Denkweise lehren. „Beim Programmieren lernt man Logik, höhere Mathematik und Lernkonzepte, die einem in jeder Situation helfen“, sagt er.

Die Mehrheit der Kursteilnehmer bei Flatiron und General Assembly ist zwischen 20 und 30 Jahren alt. Flatiron bietet 8 Prozent der Bewerber einen Platz in einem Kurs an. „Die große Mehrheit unserer Schüler sind Leute, die später im Leben merken, dass das eine spannende Karrieremöglichkeit ist und dass es auf diesem Gebiet auch viele Jobs gibt“, sagt Schwartz.

James Vanneman, 27, war Teil des ersten Jahrgangs der Flatiron School. Früher war er professioneller Pokerspieler. Eine Zeitlang hat er sich schon mithilfe von Büchern und Webseiten Programmiersprachen beigebracht: „Ich blieb stecken und es wurde frustrierend. Ich brauchte einen Ort, wo ich über die Lernhürden hinwegkommen konnte“, sagt er. Einige Wochen nach dem Abschluss bekam er einen Job als Software-Ingenieur bei Concierge Live, einem Ticket-Dienstleister.

Manager bei Unternehmen

Man muss nicht gleich Entwickler werden – Grundkenntnisse in der Programmierung sind auch so sinnvoll. #FLICKR#

Man muss nicht gleich Entwickler werden – Grundkenntnisse in der Programmierung können auch so sinnvoll sein. (Foto: Riebart / flickr.com, Lizenz: CC-BY)

Selbst Leute, die nicht vorhaben, Web-Entwickler zu werden, sollten manchmal Grundkenntnisse in Programmiersprachen erwerben. American Express, General Electric, Merck und Pepsico haben sich zum Beispiel mit General Assembly zusammengetan, sagt Schwartz. Die Unternehmen schickten Management-Teams zu zweitägigen Workshops, in denen sie etwas über „Big Data“ und „Rapid Prototyping“, also computergestütztes Design, lernen sollen.

Die Summit Group, eine Marketing-Firma aus Atlanta, schickt seit drei Jahren Angestellte in Kurse über HTML5 und Web-Entwicklung, sagt Jill Hood, Direktorin für strategische Initiativen bei Summit. „Wer diese Kenntnisse erwirbt, wird selbständiger.“ Wenn Angestellte Programmierkenntnisse haben, muss das Unternehmen keine zusätzlichen IT-Manager beschäftigen, um die Kundenkonten zu verwalten, sagt sie.

Die kalifornische Firma Lynda.com bietet Online-Videos zu Themen wie Photoshop und JavaScript an. Zu den Kunden zählen Patagonia, Volkswagen und Penguin Random House, sagt Mitgründerin Lynda Weinman. Der Outdoor-Ausrüster Patagonia wird in Zukunft von Angestellten fordern, dass sie bei Lynda.com technische Fähigkeiten erlernen, sagt Ceci Saez, Global Director of Organizational Development. Die Hälfte der 800 US-Angestellten der Firma habe bereits freiwillig Kurse gemacht.

„Früher haben wir Technologiekenntnisse nicht regelmäßig eingefordert“, sagt Saez. „Aber die Situation hat sich verändert. Es kommt heute eine andere Gruppe von Menschen zur Firma, und es ist einfach nötig geworden.“

Programmierkurse online beliebt – in Hamburg degradiert

Auch in Deutschland sind laut Anbietern besonders Angebote aus dem Computerbereich bei Online-Kursen beliebt. Zu den Anbietern hierzulande zählen beispielsweise Iversity und das Hasso-Plattner-Institut.

An vielen Schulen wird das Thema dagegen nach wie vor eher stiefmütterlich behandelt. Für einigen Wirbel im Netz sorgte beispielsweise die Entscheidung des Hamburger Senats Anfang 2013, Informatik künftig nur noch als Wahlpflichtfach an den Stadtteilschulen der Hansestadt anzubieten. Walter Scheuerl, parteiloses Mitglied der CDU-Fraktion in der Hamburgischen Bürgerschaft, erklärte damals via Twitter die Diskussion über das Fach für überflüssig: „Das gehört wie Mechanik zu Physik – kein Fach erforderlich.“

Mehr Technologie-News auf wsj.de

Von Angela Chen

Ursprünglich publiziert bei wsj.de.

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10 Kommentare
Webrat
Webrat

Mal ernsthaft: wer hat den diesen Artikel geschrieben? Liest sich wie ein Schüleraufsatz. 17 mal kommt hier „sagt x“, bzw. „sagt er“ vor…

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Webrat
Webrat

„denn“… ich meinte „denn“ ;-)

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Philipp Blum
Philipp Blum

Hast Recht. Ich halte das aber für ein sehr interessantes Thema. Viele, die im Managment im Web-Bereich arbeiten können nicht einmal HTML. Ich meine, das ist eine Auszeichnungssprache. Das lernt man an einem Wochenende. Die Manager, die sich heute nicht darum kümmern, werden früher oder später einfach scheitern. Jetzt ist es noch keine Pflicht, aber es wird noch eine.

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Olaf Barheine

Muss ein Manager wirklich HTML oder Javascript können und dann eventuell auch noch mit seinem gefährlichen Halbwissen die Entwickler mit Verbesserungsvorschlägen im Code beglückt? Reicht es nicht, wenn er das Ergebnis auf dem Bildschirm sieht? Wichtiger fände ich aus Sicht eines Softwarearchitekten, wenn ein Projektmanager die Grundlagen von UML oder SysML versteht. Es ist nämlich ein verdammt hartes Brot, jemandem die ganzen Diagramme eines Softwareentwurfs zu erklären, der keine Ahnung davon hat. Und das ist leider eher die Regel als die Ausnahme.

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Heiner

Was ist denn das für ein Quatsch?! Als nächstes gibt es dann eine Kurzlehre als Automechaniker. Dann kann jeder am Wochenende seinen Firmenwagen warten.

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SQL für alle
SQL für alle

Ein Manager müsste z.B. ARIS-Diagramme verstehen und selber mit den Mitarbeitern erstellen können.
Dinge Erklären und sinnvoll darstellen (Text, Bilder, Skizzen,…) sind auch sinnvoll.
Excel und Solver optimierungen berechnen oder Mitarbeiter-Stunden und Zeitpläne verwalten sind auch Vorstufen von „Programmieren“.
SQL wurde angeblich für Manager entwickelt. Im Prinzip ist sowas auch Big-Data und viele Manager würden gerne sinnvolle Dinge auswerten aber dummerweise wissen sie nicht, wo sie klicken müssen.
Wenn Apple-Produkte mir doppelt so viel Gewinn bringen können die auch doppelt so viel Regal-Platz kriegen.

Computer nutzen ist was anderes als „Informatik“ bzw. „Programmieren“ welches immer gefordert wird. Soll man Baustatik („Informatik“) lernen oder wie man im Haushalt die Heizung sparsamer organisiert, sinnvoll lüftet, umweltfreundlich effizient reinigt usw. („Computer-Nutzung“).

Noch mehr Informatiker und Praktikanten helfen der Softwareindustrie eher nicht, bessere Software zu kriegen sondern nur noch mehr inkompatible Produkte zu produzieren und BWLer und Holdingketten finanziell zu fördern während die Informatik-Löhne praktisch stagnieren.
http://www.golem.de/news/trotz-fachkraeftemangel-kaum-mehr-gehalt-fuer-it-spezialisten-1310-102389.html
http://www.golem.de/news/act-app-entwickler-machen-weniger-als-1-000-euro-monatlich-1309-101393.html
Manche Informatik-Professoren wissen von der Blase:
http://www.heise.de/ct/artikel/Der-IT-Expertenmangel-ein-Mythos-285214.html
Die guten Universitäten veröffentlich in Verbindung mit dem Finanzamt die Lohnverteilung ihrer Absolventen und stoppen unrentable Studiengänge.
Von daher macht es Sinn, statt neuer Startup-Praktikanten-Generationen den BWLern Programmierung oder SQL, Datenauswertung usw beizubringen.
Grundtechniken sind auch Dinge Erklären und sinnvoll darstellen zu können. Ob man es mit Impress(?) bzw. Powerpoint oder Papier und Stift macht, ist zweitrangig. Siehe Khan-Foundation.
Es gibt auch Anleitungen und Tools zu Datenauswertung (ich glaube es war Scraping) für z.B. Journalisten um z.B. aus Geschäftsberichten (den eigenen und denen der Konkurrenz oder von Lieferanten) Daten herauszuholen und in einer Excel-Tabelle bzw. HTMl-Tabelle zu sammeln.

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wegvg
wegvg

Window resize sollte schon gebounced oder gethrottled werden.

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Thomas Schneider

Das geht doch mal wieder völlig am Thema vorbei. Kein Entwickler (und ich spreche hier aus Erfahrung) möchte einen Vorgesetzten mit leichten Programmierkenntnissen, der nur dazwischen funkt und verschlimmbessert. Spezialisten sind Spezialisten. Worum es doch wirklich geht ist ein Manager mit Verständnis. Jemand der weiß welche Arbeit es bedeutet, wie Programme funktionieren und der dem Entwickler verständlich mitteilen kann was er möchte.

Eigentlich geht es doch nur darum dass die Kommunikation reibungsloser verläuft zwischen Auftraggeber und -nehmer. Und dabei helfen grundlegende Programmierkenntnisse nicht. Fragt doch mal bitte bei den Hochzeitsfotografen nach, deren Kunden selber eine Spiegelreflexkamera haben. Das sind meist die schlimmsten Kunden die man haben kann.

Manager sollten vielmehr den Umgang mit Computern und Software lernen und verstehen wie einzelne Komponenten ineinander greifen und wie man vermitteln kann was man möchte.

Aber der Meinung Kindern so früh wie möglich IT-Kenntnisse beizubringen stimme ich voll zu. Unsere gesamte Umwelt ist technologisiert und digital und die meisten Kinder wachsen auf ohne auch nur die grundlegendste Ahnung über diesen Bereich zu haben. Aber die die sich auskennen werden in Zukunft wirklich punkten können.

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Insomnia88
Insomnia88

Interessant finde ich den Anfang des Artikels. Ein zehnjähriger der sich Apps aus dem App Store lädt und immer wissen wollte wie das funktioniert. Der App Store ist aber erst ab 12. Vom deutschen Kaufrecht etc. mal ganz abgesehen.

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