Kommentar

Marktmacht: Warum Apple ein Fall fürs Kartellrecht ist

Apple Store in New York. (Foto: Songquan Deng/Shutterstock)

Apple ist mit seinem Smartphone-Marktanteil von 20 Prozent in Deutschland alles andere als ein Monopolist. Warum der Konzern trotzdem ein Fall für das Kartellrecht ist. 

Macht hat eine unschöne Eigenschaft: Sie knubbelt sich. Wo Macht einmal vorhanden ist, entsteht meistens mehr. Das gilt insbesondere für Marktmacht in der digitalen Welt – in der vieldiskutierten Plattformökonomie sorgen Netzwerk- und Skaleneffekte dafür, dass die großen Plattformen größer werden und ihre Regeln sämtlichen Marktteilnehmern aufzwingen können.

Google, Amazon und Facebook stehen mit ihren großen Plattformen daher gerne im Fokus, wenn es um Marktmacht in der digitalen Welt geht – und ihren möglichen Missbrauch. Weniger häufig wird Apple genannt. Auf den ersten Blick einleuchtend: Das iOS-System bei Smartphones ist im Vergleich zu Googles Android nur eine große Nische. In Deutschland liegt der Marktanteil von iOS bei rund 20 Prozent, in den USA sind es immerhin fast 40 Prozent – weltweit ist der Anteil deutlich geringer. Gemessen am App-Umsatz ist der Marktanteil jeweils noch höher.

Spotify hat gute Argumente gegen Apple

Also kein Fall fürs Kartellrecht? So einfach ist es in der digitalen Welt nicht. Wer als Nutzer im iOS-Ökosystem steckt, kommt – anders als bei Googles Android – nicht um Apples App-Store herum, selbst wenn er will. Andersrum bedeutet das: Wer der kaufkräftigen Zielgruppe der iPhone- und iPad-Besitzer eine App anbieten will, muss dafür durch den von Apple kontrollierten App-Store. Apple nutzt das, um sich 30 Prozent vom Umsatz aller Apps abzuzwacken. Bei Abo-Erlösen senkt Apple die Abgabe vom zweiten Jahr an auf 15 Prozent. Zuviel, findet Spotify und will nun mit Hilfe der EU-Kommission dagegen vorgehen.

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Spotify hat gute Argumente auf seiner Seite: Mit Apple Music ist der iPhone-Konzern seit 2015 ein direkter Konkurrent des Musikstreaming-Anbieters, gleichzeitig bestimmt er über die iOS-Plattform die Regeln des Marktes, zumindest für iOS-Nutzer. Das ist vergleichbar mit einem regionalen Stromanbieter: So wie Apple kontrolliert ein Energieversorger vielleicht nur 20 Prozent eines Marktes – aber diese 20 Prozent kontrolliert er komplett, weil an ihm als Betreiber der Infrastruktur kein Weg vorbeiführt, wenn es darum geht, Kunden mit Strom zu versorgen.

Wenn ein Energieversorger, der 20 Prozent des deutschen Stromnetzes kontrolliert, von der Bundesnetzagentur kontrolliert wird, die die Preise für die Stromdurchleitung festlegt – dann ist auch Apple ein Fall für das Kartellrecht. Die Preise, die ein Plattformbetreiber für das „Durchleiten“ von Apps nimmt, sollten von einer Regulierungsbehörde festgelegt werden – nicht vom Betreiber der Plattform.

Hinweis: In einer früheren Version des Artikels hieß es, iOS habe einen Marktanteil von rund 30 Prozent in Deutschland. Diese Angabe wurde auf rund 20 Prozent korrigiert.

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8 Reaktionen
Mark Vestor

Wo steht denn in der verlinkten Quelle, dass iOS einen Marktanteil von 30% in Deutschland hat? Die Zahlen da beziehen sich rein auf Verkäufe. Ich denke der Anteil liegt eher bei 15%, aber eine Quelle dazu konnte ich generell nicht finden.

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Werner

.. und du meinst, das die Hälfte der verkauften iPhones dann mit Android betrieben werden? Schon witzig...

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Mark Vestor

Nein, meine ich nicht. Wie kommst Du darauf? Die Sales lagen laut der verlinkten Quelle in Q3 2018 bei 18.8%.

Mark Vestor

Und nu? Das ändert ja trotzdem nichts an meinem Eingangskommentar. Eine valide Statistik zum Verhältnis der aktuell verwendeten Betriebssysteme scheint nicht verfügbar, sondern nur zu Sales oder Internetnutzung.

Abgesehen davon hat der Autor des Artikels den Marktanteil bereits von 30% auf 20% gesenkt. Folglich liege ich da mit meinen 15% nicht so weit daneben wie der Autor ursprünglich mit seinen 30%.

Werner

Den Strommarkt mit streamender Musik zu vergleichen ist schon sehr phantasievoll.
Strom braucht jeder, Quellen für Musik gibt es viele..

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Fex

Apple bietet alles aus einer Hand an. Kann man nutzen - muss man aber nicht. Google besetzt mit Android alle Systeme, kauft sich als Suchmaschine in externe Systeme ein und kauft Anbieter auf, die Neues entwickeln.

Aber ja - versuchen wir die einzige Alternative, den einzigen sinnvollen Konkurrenten, zu verurteilen!!!

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KommKlar EsIstNurEinTelefon

@Fex
Es wird vielleicht dein Fanboy-Weltbild erschüttern, aber auch Apple entwickelt nicht viel Neues, sondern kauft Know-how und Technologien einfach ein:
https://t3n.de/news/apple-startup-uebernahmen-sollen-siri-schlauer-machen-1150506/

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