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Mega-Verluste? E-Tretroller-Anbieter widerspricht einer Analyse

Elektro-Tretroller von Bird. (Foto: Bird)

Einer Analyse der E-Tretroller-Nutzung in einer US-Großstadt zufolge ist der Verleih derzeit ein großes Verlustgeschäft für die Betreiber. Ein Anbieter widerspricht der Berechnung.

Tretroller mit Elektroantrieb sind das nächste große Ding, glaubt man den Anbietern und hoffnungsvollen Investoren. Bald sollen die E-Scooter auch in Deutschland erlaubt werden. Aber lässt sich mit dem Verleih der E-Tretroller Geld machen? Dazu liefern verschiedene Berechnungen ganz unterschiedliche Ergebnisse – abhängig ist der finanzielle Erfolg von der Lebensdauer der Geräte. Und die ist viel geringer als gedacht, wie die Analyse des Branchennewsletters Oversharing von Quartz-Reporterin Ali Griswold nahelegt.

E-Tretroller in Louisville: Umsatz von 13 Dollar am Tag

Griswold hat für ihre Berechnungen die öffentlich einsehbaren Daten der US-Großstadt Louisville im Bundesstaat Kentucky analysiert, die zwischen August und Dezember 2018 erhoben wurden. Demnach betrug die Lebensdauer eines E-Tretrollers dort lediglich einen Monat – zwischen 28 und 32 Tagen im Schnitt. Mit einem Tretroller machte der Anbieter – zur Zeit der Datenerhebung handelte es sich dabei überwiegend um Bird – einen Umsatz von knapp 13 US-Dollar pro Tag.

Davon müssen allerdings enorme Kosten abgezogen werden. Zum einen werden pro Neuanschaffung zwischen 360 und 550 Dollar pro E-Scooter fällig – je nachdem, welche Modelle und Konditionen ein Anbieter verwendet. Einem Bericht der Website The Information vom Oktober zufolge muss der Anbieter Bird für jeden seiner E-Scooter 1,72 Dollar pro Fahrt an Kosten für das Aufladen und 0,51 Dollar für allfällige Reparaturen berechnen. Darüber hinaus müssen Versicherungskosten, Kosten für den Kunden-Support oder Kreditkartengebühren hinzugerechnet werden.

In Louisville kommen zudem noch Kosten für die Betriebserlaubnis des Tretroller-Verleihs sowie Gebühren für die einzelnen Gefährte und ausgewiesene Parkflächen hinzu. Übrig bleiben in Louisville laut der Griswold-Analyse pro E-Tretroller 2,32 Dollar am Tag. Auf die Lebensdauer von einem Monat berechnet bringt eines der Geräte dem Anbieter zwischen 65 und 75 Dollar. Bei Kosten für jeden E-Tretroller von mindestens 360 Dollar fährt jedes Gerät fast 300 Dollar Verlust ein – und dabei sind die oben erwähnten Lizenz- und Parkgebühren noch nicht einberechnet. Zur Einordnung: Allein in Louisville waren einige Hundert Bird-Roller auf der Straße im Einsatz.

Geringe Lebensdauer: E-Tretroller nicht robust genug

Oversharing erklärt die hohen Verluste damit, dass die E-Tretroller nicht auf die Belastung eines täglichen Gebrauchs ausgelegt sind. Auch das Parken ohne Schutz bei widrigen Wetterbedingungen knabbere an der Haltbarkeit der Scooter. Bird widersprach allerdings den Berechnungen in einem entscheidenden Punkt: Die Lebensdauer betrage nicht 28 Tage. Die Daten seien da ungenau, weil die Tretroller-Flotte zwischen verschiedenen Standorten hin- und herbewegt werde. Auf eine Nachfrage, wo die Tretroller denn noch eingesetzt worden seien, äußerte sich das Unternehmen aber nicht.

Bei einer deutlich längeren Lebensdauer und mehr Fahrten pro Tag könnten die E-Tretroller durchaus hohe Gewinne für die Betreiber der Verleihdienste bringen. Quartz hatte in einer optimistisch aufgestellten Beispielrechnung von bis zu 1.000 Dollar Gewinn pro regelmäßig genutztem E-Tretroller gesprochen. Solche Erwartungen dürften auch die Investoren anziehen. Die Platzhirsche Bird und Lime sollen schon mehrere Milliarden Dollar wert sein.

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